invidis Jahreskommentar 2025/2026

Mike Finckh | Concept International

Warum Digital Signage 2026 nichts für Schönwetterstrategen ist und Flexibilität die Strategie der Stunde darstellt, erläutert Mike Finckh, Geschäftsführer von Concept International, im invidis Jahreskommentar.
Mike Finckh, Geschäftsführer von Concept International, im invidis Jahreskommentar 25/26 (Foto: Concept International GmbH)
Mike Finckh, Geschäftsführer von Concept International, im invidis Jahreskommentar 25/26 (Foto: Concept International GmbH)

Der Ausnahmezustand ist das neue „Normal“: Derzeit ist Flexibilität statt langfristiger Strategie gefragt. Der Markt war 2025 volatil und politisch stark beeinflusst. 2026 wird das nicht ändern – im Gegenteil. Zu viel bewegt sich gleichzeitig und in zu kurzen Zyklen: Der KI-Boom saugt Speicher und Prozessoren vom Markt, die USA drehen am Zollkarussell, und staatliche Programme wie der Digitalpakt 2 im Educationbereich lassen monatelang und nervenzermürbend auf sich warten. Und der Einsatz von KI ist in seiner Wirkung auf Inhalte und Struktur noch nicht abzuschätzen.

KI mischt auch die DS-Karten neu

Generative KI stellt die Contentproduktion auf den Kopf. Standort- und kontextspezifische Clips entstehen in Echtzeit. Ein Prompt wie „Münchner Frauenkirche bei Schneeregen“ liefert in Sekunden den passenden Videoclip zur Wetterlage. Eingaben wie „Erstelle Kampagne für Biersorte X zum WM-Halbfinale, Budget 300k“ erzeugen komplette Ausspielpläne inklusive Assets. Damit spart man massiv an klassischer Planungs- und Strategiearbeit: Weg von der operativen Kampagnenarbeit, hin zur absolut notwendigen und immer wichtigeren Qualitätskontrolle.

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Der eigentliche Schaden, den KI aber aktuell auch anrichtet, entsteht weiter oben in der Wertschöpfungskette: KI frisst den Weltmarkt für RAM, SSDs und Server-CPUs leer. Hyperscaler kaufen Produktionen im Voraus; was übrigbleibt, ist Resteverwertung. Die Folge: Preise verdoppeln oder verdreifachen sich binnen Wochen, x86-Serien verschwinden, weil Intel sein Geld im Datacenter verdient. Wer 2026 Digital Signage ausrollen will, muss akzeptieren, dass Hardware Engpass Nummer 1 ist – und dass Projekte am fehlenden RAM-Riegel scheitern können.

Als Lösung empfiehlt sich der Umstieg auf Android-Player. Mit der neuen Giada-Generation mit leistungsstarken ARM-CPUs umgeht man elegant den Engpass: Die neuen ARM-Android-Player sind nicht von x86-Lieferengpässen betroffen, bleiben langfristig verfügbar, günstig und relativ preisstabil – auch wenn steigende Speicherpreise hier ebenfalls eine Rolle spielen. Allerdings braucht Android einfach weniger davon.

LED ist Trumpf – und verschiebt die Anforderungen

LCD spielt kaum mehr eine Rolle. LED dominiert: Indoor, Outdoor, als Rundung, Banner oder biegbare Freiform. Dunkle Inhalte sparen Strom, weil schwarze Pixel keine Energie mehr brauchen. Bedeutet aber auch: Content muss stromoptimiert gestaltet werden, die technische Planung wird anspruchsvoller und das Thema Facility Management wird damit wichtiger.

Player-Ideologien haben ausgedient

Mit PWAs, den Progressive Web Apps, und HTML5-basierten CMS verlieren OS- und Architekturfragen an Gewicht. Android und Linux auf ARM ist günstig und gut verfügbar, ChromeOS holt aus x86 mehr heraus, der dicke Dampfer „Windows“ wird langsam zur Altlast.

Digital Signage & DooH: Die invidis Jahreskommentare 2025/2026

Für 2026 gilt: Plattformflexibilität ist Pflicht. Niemand kann garantieren, dass eine Baureihe in sechs Monaten noch lieferbar ist. Wer sich hier fest bindet, der wird verlieren.

Externes bestimmt den Markt – nicht die Branche selbst

Man mag es als frustrierend empfinden oder als Chance begreifen, aber die größten Herausforderungen kommen nicht mehr aus dem DS-Ökosystem, sondern von außen. Diese Entwicklung ist neu, aber derzeit nicht zu ändern. Damit muss man leben und arbeiten. Nur ein paar Beispiele:

  • Die US-Zollpolitik ist erratisch. Mal sind Komponenten, mal Displays, mal komplette Geräte betroffen: Die Preise springen über Nacht.
  • Die Kursschwankungen bei EUR/USD lassen einen schwindlig werden.
  • Der Digitalpakt Education – wir warten händeringend auf die Freigabe der zweiten Auflage, das erzeugt monatelange Leere und danach künstliche Überhitzung, wenn plötzlich das ganze Land gleichzeitig bestellt.
  • Chip- und Speicherknappheiten, ausgelöst durch den Bedarf der KI-Rechenzentren, hebeln jede Planung aus. Mit klassischem Forecasting kann man das nicht beherrschen.

Was Kunden jetzt wirklich brauchen

Der Markt zwingt zu einer unbequemen Wahrheit: Hardware ist ein neuer Risikofaktor. Nicht Content, nicht CMS, nicht Betriebssystem – sondern die Frage, ob Player, Speicher, Panels oder LED-Module rechtzeitig verfügbar sind, steht am Beginn jeder Planung. Das bedeutet für Integratoren, Händler und Betreiber:

  • Ohne Sicherheitsbestände wird es 2026 eng.
  • Hardwareentscheidungen müssen situativ getroffen werden, nicht dogmatisch.
  • Rollouts gehören früh fixiert – auch wenn der Content noch nicht fertig ist.
  • Projekte dürfen nicht mehr um ein einzelnes Bauteil herum geplant werden.

Die wichtigste Entscheidung dabei ist: Welchen Partner habe ich an meiner Seite? In einem Markt, der alle paar Wochen die Spielregeln ändert, gewinnen diejenigen, die schnelle Richtungswechsel mitgehen können – mit Lager, mit Alternativen, mit Wissen und mit der Bereitschaft, Entscheidungen innerhalb von Stunden statt Wochen zu treffen.

Digital Signage 2026 wird kein Markt für Schönwetterstrategen. Es wird ein Markt für Entscheider, die hinschauen, schnell reagieren und bereit sind, alte Gewissheiten über Bord zu werfen.

Die nächsten zwölf Monate belohnen Flexibilität – und bestrafen jeden, der glaubt, dass man sich auf Verfügbarkeiten, Zölle oder Förderprogramme noch verlassen kann.

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