Die Einzelhandelsmieten in den großen Ballungsräumen Deutschlands steigen wieder. Laut einem neuen Bericht des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) legten die Mieten für erstklassige Innenstadtflächen im Jahr 2025 durchschnittlich um sechs Prozent zu – deutlich über der Inflationsrate. Nach mehreren schwachen Jahren stabilisiert sich der Markt für Einzelhandelsimmobilien, wobei der Fokus klar auf den attraktivsten Lagen liegt. Diese Entwicklung bringt sowohl Chancen als auch Herausforderungen für die Digital Signage-Branche mit sich.
Spitzenmieten übertreffen Inflation
Die IW-Studie, die 16 deutsche Großstädte untersuchte, zeigt, dass sich der innerstädtische Einzelhandel zunehmend auf besonders attraktive Straßen und Plätze konzentriert. Zwar steigen die Mieten insgesamt, doch die Gesamtfläche der Premium-Einzelhandelszonen schrumpft.
Der Bericht zeigt außerdem: Spitzenlagen in Stadtzentren erzielen im Vergleich zu durchschnittlichen Einzelhandelsflächen noch immer einen Mietaufschlag von rund 60 Prozent. Zwar ist dieser Aufschlag seit 2018 gesunken, in den sieben größten deutschen Städten bleibt er aber besonders hoch, da die starke Nachfrage die Preise weiter nach oben treibt.
Dieser Trend macht deutlich: Einzelhändler setzen zunehmend auf weniger, dafür leistungsstärkere Filialen – idealerweise an Orten mit hoher Kundenfrequenz und starker Sichtbarkeit. Trotz schrumpfender Flächen bleiben diese Hotspots in den Innenstädten extrem begehrt.
Premium-Standorte erfordern Premium-Erlebnisse
Für Einzelhändler, die bereit sind, in diese hochpreisigen Standorte zu investieren, steigen die Erwartungen entsprechend. Marken, die Premium-Mieten zahlen, erwarten Premium-Erlebnisse: hochwertige Ladenarchitektur, integrierte Servicekonzepte und anspruchsvolle Digital Signage-Konzepte. Besonders Flagship-Stores setzen auf digitale Elemente, um ihre Präsenz an teuren, stark frequentierten Standorten zu rechtfertigen.
Ein Beispiel für diese Entwicklung ist Inditex. Der Modekonzern hat sein globales Filialnetz auf rund 7.600 Standorte reduziert. Die verbleibenden Filialen sind nun deutlich größer, digital besser ausgestattet und strategisch an Top-Standorten positioniert. Diese Konsolidierung stärkt die Bedeutung digitaler Touchpoints, da E-Commerce, Logistik und Markenerlebnis in den Stores eng verzahnt werden.
Sekundäre Standorte verlieren an Boden
Die Kehrseite: Viele Nebenstraßen in den Innenstädten geraten ins Abseits. Die Kunden konzentrieren sich auf eine Handvoll Premium-Standorte, während mittelgroße Lagen Schwierigkeiten haben, Mieter zu halten. Für die Digital Signage-Branche bedeutet dies: Weniger Möglichkeiten für Standard-Screens in rückläufigen Gebieten.
Retail Media Networks sorgen für einen parallelen Boom
Parallel zum High-Street-Trend wächst ein anderer Bereich des Einzelhandels rasant: Retail Media Networks (RMN). Supermärkte, Baumärkte, Elektronikhändler und andere großformatige Anbieter – meist in Vororten oder Fachmarktzentren – erweitern ihre digitalen Display-Netzwerke massiv.
Anders als bei Flagship-Stores steht hier nicht das Design oder die Atmosphäre im Vordergrund, sondern Kundenfrequenz und Warenkorbgröße. Digitale Investitionen dienen hier vor allem neuen Einnahmequellen durch Werbung. Im deutschen Einzelhandel werden daher Zehntausende neuer Displays installiert, um im boomenden RMN-Ökosystem präsent zu sein.
Damit verändern sich die Anforderungen an Digital Signage-Dienstleister: Großen Einzelhändler geht es primär um die Teilnahme an einem wachsenden, datengesteuerten Werbeökosystem, als um die Aufwertung des Ladenumfelds. Selbst Marken, die früher wenig Interesse an Digital Signage zeigten, investieren nun, um keine Werbeeinnahmen zu verpassen.
Ein Markt, der sich in zwei Bereiche aufteilt
Der deutsche Einzelhandel teilt sich zunehmend in zwei Bereiche:
Innenstädte: Wenige Premium-Standorte dominieren. Einzelhändler investieren in erlebnisorientierte Konzepte, unterstützt durch hochwertiges Digital Signage.
Außerhalb der Innenstadt: Retail Media Networks treiben die Nachfrage nach standardisierten Displays voran, getrieben von messbaren Werbeeinnahmen statt Ladenatmosphäre.
Für die Digital Signage-Branche bedeutet diese Dualität: Ein diversifizierter Ansatz ist nötig. Während Top-Standorte erlebnisorientierte Flagship-Projekte bestimmen, fördern RMNs großflächige, standardisierte Installationen in Supermärkten und Fachmärkten. Beide Segmente bieten Wachstumschancen – folgen jedoch unterschiedlichen Regeln, Erwartungen und Geschäftsmodellen.
