OoH

Rüstungssektor entdeckt öffentlichen Raum

München | Die Rüstungsindustrie tritt aus ihrem Schatten heraus – und buchstäblich auf die Straße. Zur Münchner Sicherheitskonferenz setzen großformatige OoH-Kampagnen ein sichtbares Zeichen für eine neue Phase öffentlichkeitsorientierter Rüstungs-Kommunikation.
OoH-Kampagne der Rüstungsindustrie in München. (Foto: invidis)
OoH-Kampagne der Rüstungsindustrie in München. (Foto: invidis)

Die Rüstungsbranche befindet sich in einer grundlegenden Transformation: Nach Jahren des Abbaus nach dem Kalten Krieg, langwierigen und hochspezialisierten Beschaffungszyklen und einer meist diskreten „Just-in-Time“-Logik entwickelt sich der Sektor heute zum industriellen und technologischen Rückgrat der nationalen Sicherheit in Europa und darüber hinaus.

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und steigende geopolitische Spannungen haben Verteidigung wieder an die Spitze politischer Prioritäten gerückt. Regierungen beschleunigen Beschaffungen, bauen industrielle Kapazitäten aus und investieren massiv in neue Technologien. Mit diesem Wandel treten auch die Unternehmen deutlicher an die Öffentlichkeit – inklusive in den sichtbarsten Kanal überhaupt: die Außenwerbung

Nirgendwo zeigte sich dieser Wechsel deutlicher als bei der diesjährigen Münchner Sicherheitskonferenz. Während Rüstungs-Unternehmen ihre Markenpräsenz traditionell niedrig hielten und Kommunikation eher intern stattfand, wurde die Münchner Innenstadt nun zur PR-Fläche. Direkt gegenüber dem Konferenzhotel präsentierte eine großformatige Fassadeninstallation autonome, AI‑gestützte Drohnensysteme von Helsing.

Wenige Meter weiter nutzte Quantum Systems – der Münchner Drohnenhersteller und Wettbewerber von Helsing – Bauzäune für eigene Kampagnenmotive. Was bis vor Kurzem undenkbar erschien – Defence‑Tech mit sichtbarer, öffentlicher Werbung – ist heute ein strategisches Kommunikationsmittel. Out‑of‑Home dient dabei nicht als Vertriebswerkzeug, sondern zunehmend auch der Gewinnung von Fachkräften, die den Verteidigungssektor bisher kaum als attraktive Branche wahrnehmen.

OoH-Kampagne der Rüstungsindustrie in München. (Foto: invidis)
OoH-Kampagne der Rüstungsindustrie in München. (Foto: invidis)

Die Hinwendung zur Öffentlichkeit macht Rüstungs‑Kommunikation jedoch nicht weniger komplex. Beschaffungsvorgänge erstrecken sich über Jahre und binden Ministerien, Streitkräfte, Parlamente, Prüfbehörden und internationale Partner ein. Gleichzeitig gelten strenge regulatorische Vorgaben für die Interaktion zwischen Unternehmen und staatlichen Stellen.

Öffentliche Sichtbarkeit kann Legitimität stärken, zieht aber auch politische und gesellschaftliche Aufmerksamkeit nach sich. In diesem Umfeld sind Reputation und Zuverlässigkeit oft genauso entscheidend wie technische Leistungsdaten. Unternehmen müssen daher zwischen notwendiger Sichtbarkeit und den sensiblen Rahmenbedingungen eines sicherheitsrelevanten Industriezweigs abwägen.

Die Entwicklungen in München könnten ein früher Hinweis auf eine umfassendere Veränderung sein: Mit der Rückkehr von Verteidigung in den politischen und industriellen Fokus gehen Unternehmen zunehmend in die öffentliche Arena, um zu definieren, wer sie sind, wofür sie stehen und welchen Beitrag sie zur europäischen Sicherheitsarchitektur leisten. OoH‑Werbung – bislang kein typisches Defence‑Medium – erweist sich als wirkungsvolles und erstaunlich passendes Format für eine Branche im Umbruch.

Iceeye-Billboard am Münchner Flughafen. (Foto: invidis)
Iceeye-Billboard am Münchner Flughafen. (Foto: invidis)

Ein weiteres Next‑Gen‑Defense‑Unternehmen nutzte ebenfalls die erhöhte Aufmerksamkeit rund um die Konferenz: Am Flughafen München warb Rheinmetall/Iceye – das deutsch‑finnische Joint Venture für SAR‑Satelliten. Das Unternehmen erhielt vor Kurzem einen Bundeswehrauftrag über rund 1,7 Milliarden Euro für weltraumgestützte Aufklärungsleistungen.

Die Bundeswehr beauftragte das Joint Venture mit der Bereitstellung exklusiver Aufklärungsdaten aus einer SAR‑Satellitenkonstellation. Die Daten sollen vorrangig dem Schutz der „Litauen‑Brigade“ sowie der Sicherung der NATO‑Ostflanke dienen.