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Vor der ISE 2026

Erwartung und Enttäuschung

Barcelona | Was halten die ISE-Aussteller 2026 jenseits von Marketingfloskeln bereit? Die Zukunft von Digital Signage wird sich dieses Jahr nicht durch einen großen Produktlaunch, sondern durch die großen Umwälzungen im Hintergrund entscheiden. Von Weltpolitik bis zu einem neuen Service-Gedanken.
Es geht los mit der ISE 2026: Doch was sind die großen Trends? (Foto: ISE)
Es geht los mit der ISE 2026: Doch was sind die großen Trends? (Foto: ISE)

Jedes Jahr im Januar schwirrt dieselbe Frage durch die Branche: Was werden die großen Trends auf der ISE in diesem Jahr sein? Und jedes Jahr wird es schwieriger, darauf eine Antwort zu finden. Wenn man die glänzenden Marketingbotschaften und übertrieben optimistischen Pressemitteilungen beiseite lässt, sind die Signale des Markts alles andere als eindeutig.

Beginnen wir mit dem Offensichtlichen: MicroLED wird in den 2030er Jahren den Digital Signage-Markt dominieren. Das weiß jeder. Aber wenn wir uns die heutige Situation ansehen, bleibt LCD das Arbeitspferd des Marktes. Trotz beeindruckender MicroLED-Standvorführungen und ambitionierter Roadmaps ist es nach wie vor LCD, das heute die meisten Beschaffungsentscheidungen beeinflusst. Wer auf der ISE 2026 eine dramatische Veränderung erwartet, wird enttäuscht werden.

Standardisierung lässt auf sich warten

Das Gleiche gilt für etwas, das die Branche immer wieder fordert, aber immer noch nicht bekommt: Standards für Digital Signage. Die Fragmentierung von Plattformen und Betriebssystemen ist nach wie vor groß – vielleicht sogar größer denn je. Microsofts Vorstoß, MDEP als neuen Android-Standard zu etablieren, ist sicherlich bemerkenswert, steckt aber noch in den Kinderschuhen. Die Anbieter pflegen weiterhin ihre eigenen Ökosysteme, was bedeutet, dass Integratoren und Endnutzer erneut mit einer uneinheitlichen Landschaft konfrontiert sein werden, anstatt mit einer einheitlichen.

Das Thema des Jahrzehnts: AI

Und dann ist da noch AI. Das Thema, das in diesem Jahr alle anderen überschatten wird. AI wird überall zu finden sein: auf Hardware, in CMS-Plattformen und an jedem Stand, an dem „Innovation“ Teil des Storytellings ist. Während wir auf der Hardwareseite nur wenige Durchbrüche erwarten, werden Softwareentwickler in konzentrierter Form AI-gesteuerte Funktionen präsentieren.

Aber AI kommt nicht ohne Probleme daher. Sicherheit, Datenverwaltung und Compliance – Themen, die niemand gerne öffentlich anspricht – werden plötzlich unverzichtbar. Gleichzeitig wird Cybersicherheit im Jahr 2026 still und leise zum wichtigsten Aspekt. Nur wenige werden darüber sprechen, aber alle sollten es tun.

Ebenfalls seltsamerweise in vielen Gesprächen nicht erwähnt: Nachhaltigkeit. Aber vielleicht ist das nicht überraschend. Nachhaltigkeit im Bereich Digital Signage findet zunehmend im Stillen statt, eingebettet in neue SoC-Generationen und effizientere LED-Controller. Green Signage ist kein großer Slogan mehr – es ist eine langsame, stetige Entwicklung.

Geopolitik prägt alles

Doch die wichtigsten Kräfte, die Digital Signage heute prägen, sind nicht auf der Messe in Barcelona zu finden, sondern in Washington, D.C. Das geopolitische Klima und die daraus resultierenden Handelspolitiken beeinflussen Lieferketten, die Verfügbarkeit von Komponenten und Preisstrategien. Und Käufer von Digital Signage spüren die volatile Verbraucherstimmung, die zu verschobenen Projekten führt. Diese Faktoren werden die strategische Ausrichtung der Branche weitaus stärker beeinflussen als jede Produkteinführung auf der ISE.

Schlüsselfertige Lösungen sind die Zukunft

Der zweite große Elefant im Raum – und vielleicht der folgenreichere – ist jedoch das Bestreben der Branche, die Komplexität zu reduzieren.

Seit Jahren sind Digital Signage- und ProAV-Integratoren stolz darauf, Probleme für ihre Kunden zu lösen. Aber die Kunden von heute wollen nicht für „Problemlöser“ bezahlen. Sie wollen einfache, skalierbare, integrierte Lösungen, die funktionieren – Digital Signage als Infrastruktur.

Globale IT-Integratoren zeigen bereits, wie das aussehen kann: Managed Services, Standardisierung, Plattformdenken, Lebenszyklusmanagement und geschäftskritische Zuverlässigkeit. Dies ist das Modell, das Digital Signage übernehmen muss, wenn es relevant bleiben will.

Das bedeutet:

  • Offene, API-first-Architekturen statt geschlossener Ökosysteme
  • Interoperabilität statt proprietärer Funktionen
  • Digital Signage wird zu einem integrierten Bestandteil digitaler Unternehmensplattformen und nicht zu einer Sonderlösung mit eigenen Regeln

Die Zukunft gehört kanalübergreifenden, datengesteuerten, plattformintegrierten digitalen Erlebnissen – und Signage kann dabei eine zentrale Rolle spielen, aber nur, wenn die Branche auf Einfachheit und Integration setzt.

Umrisse der Zukunft auf der ISE

Wer mit offenen Augen durch die Hallen der ISE geht, wird die Umrisse der nächsten Generation von Digital Signage entdecken, die sich bereits abzeichnet:

  • Weniger komplexe Architekturen
  • Intelligentere Software
  • Sicherere Infrastrukturen
  • Relevantere, kontextbezogene Erlebnisse

All dies deutet darauf hin, dass sich die Branche im Begriff ist, sich neu zu definieren – nicht so sehr durch spektakuläre Produktankündigungen, sondern durch kontinuierliche Entwicklung. Somit wird es auch auf der ISE nicht den einen großen Wurf geben – aber Entwicklungen, welche die Branche nachhaltig prägen werden.

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