Die Infocomm China 2026 macht deutlich: Die Zukunft von Digital Signage ist ultraflach, AI-getrieben und energieeffizient. Von Art-MicroLEDs und nachhaltigen Signage-Konzepten bis hin zu AI-Concierges und politischer Rückendeckung zeigt sich, wie sich Displaytechnologie zunehmend an Nachhaltigkeit, Architektur und Chinas langfristigen Industriestrategien ausrichtet – mit spürbaren Auswirkungen auch auf westliche Märkte.

Auf der Infocomm China 2026 musste man genau hinschauen, um noch klassische SMD-basierte LED-Lösungen zu entdecken. Stattdessen bestimmten MiniLED und MicroLED das Bild auf der Pekinger Schwesterveranstaltung der ISE. Ob 8K-Videowalls, transparente Displays oder architektonische LED-Flächen in Holz- oder Steinoptik – etwa von Unilumin und TPV Technology/Philips – die Richtung ist eindeutig.
Unilumin brachte es mit „Turn off the display, turn on the art“ auf den Punkt. TPV Philips spricht parallel vom „COB Art Texture Screen“. Gemeint ist bei beiden Herstellern die Kombination von COB-LED-Displays mit textiler Oberfläche, die sich deutlich eleganter in Architektur und Raumgestaltung integrieren lassen.

Neben diesen „Art LEDs“ fiel vor allem eines auf: Nachhaltigkeit ist in China längst angekommen. Cold-LED-Technologien, E-Paper und längere Produktlebenszyklen waren allgegenwärtig. Der staatliche Fünfjahresplan sieht eine CO₂-Reduktion von 17 Prozent bis 2030 vor – und die ProAV- und Digital Signage-Branche zieht sichtbar mit. Gerade in Peking, wo staatliche Beschaffung den Markt stark beeinflusst, wird das deutlich.
Energieeffizienz ist hier kein Marketingargument mehr, sondern Pflicht. Bei Temperaturen von über 25 Grad Celsius eine durchaus spürbare Realität – die Messehallen erinnerten streckenweise eher an Saunen. Ganz im Sinne der nationalen Energiesparpolitik blieb die Klimatisierung weitgehend aus.

AI wird vom Feature zur Basis
Künstliche Intelligenz entwickelt sich im ProAV-Ökosystem zunehmend zum Fundament. Auf der Infocomm China präsentierten Anbieter jeder Größe integrierte AI-Funktionen – mal mit echtem Mehrwert, mal eher als Demonstration technologischer Machbarkeit.
Praxisnahe Beispiele kamen etwa von Unilumin mit seinem mehrsprachigen ZBrain-AI-Concierge oder Lösungen für Remote-Management. Auch I-Flytek überzeugte mit Tischmikrofonen inklusive Display und Echtzeitübersetzung – eine praktische Alternative zu Headsets oder kleinen Smartphone-Screens.
Humanoide Roboter durften ebenfalls nicht fehlen. Ihr ProAV-Bezug blieb zwar oft vage, doch als interaktive Hingucker erfüllen sie ihren Zweck: Aufmerksamkeit schaffen.
Ultra-dünne MicroLEDs setzen neue Maßstäbe
Ein technisches Highlight kam von Samplex: extrem schlanke MicroLED-Lösungen. Doppelseitige Panels mit nur 20 Millimetern Tiefe oder sogar 14 Millimeter dünne Varianten zur direkten Glasmontage zeigen, wohin die Reise geht: maximale Integration bei minimalem Materialeinsatz.

Auch technisch überzeugen die Systeme: einfache Verkabelung, externe Steuerbox ohne Receiverkarten und ein Verbrauch von nur 60 Watt pro Quadratmeter. Minimalismus, Flexibilität und Energieeffizienz verschmelzen hier zu einer neuen Generation von LED-Design – geprägt nicht nur von Auflösung und Helligkeit, sondern ebenso von Architektur und Nachhaltigkeit.
ProAV rückt in Chinas Fünfjahresplan
Chinas Wirtschaft folgt klaren Leitlinien – festgelegt in Fünfjahresplänen. Auch wenn diese in einer schnelllebigen Welt etwas aus der Zeit gefallen wirken, bleibt das System auf Kurs.
Im aktuellen 15. Plan (2026–2030) steht nicht mehr die Elektromobilität, sondern der Technologiesektor im Mittelpunkt. Ziel ist es, kritische Lieferketten zu sichern – auch für Anwendungen mit ziviler und militärischer Relevanz.

Im aktuellen 15. Fünfjahresplan (2026–2030) hat Elektromobilität an zentraler Bedeutung verloren. Stattdessen rückt der Technologiesektor stärker in den Fokus – mit dem Ziel, Lieferketten für zivil wie militärisch relevante Technologien zu sichern.
Davon profitiert indirekt die ProAV-Branche. In einem Markt, in dem staatliche Beschaffung entscheidend ist, sorgt politische Priorisierung meist auch für steigende Nachfrage.

