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Berlin Werbefrei gescheitert

Nicht feiern, sondern lernen

Das Volksbegehren, DooH in Berlin deutlich einzuschränken, hat die Hürde zum Volksentscheid klar gerissen. Trotzdem ist es Zeit für eine Bestandsaufnahme im Lager der Außenwerbung. Ein Kommentar von Balthasar Mayer.
DooH in Berlin (Foto: invidis)
DooH in Berlin (Foto: invidis)

Etwas sang- und klanglos ist die Meldung verbreitet worden: Das Volksbegehren Berlin Werbefrei, das ein Gesetz für die Einschränkung von Außenwerbung auf den Weg bringen wollte, ist deutlich gescheitert. Nur rund 48.000 von benötigten 175.000 Unterschriften wurden gesammelt.

Gibt es Erleichterung bei den Außenwerbern? Davon ist auszugehen. Ist es ein Grund zum Feiern? Eher nicht. Denn blickt man auf die Umstände, hat der Gegner sich eher selbst besiegt.

Die Initiative hatte in ihrer Strategie einige Widersprüche zu überwinden, was auch in der Kommunikation nach außen bemerkbar war.

  • Genüsslich wurde von Werbefrei-Gegnern in den sozialen Medien der Fakt ausgebreitet, dass gegen Außenwerbung mit Plakaten geworben wurde.
  • Die konsumkritische Initiative verurteilte intrusive Werbung, ohne die großen Social-Media-Plattformen in die Diskussion einzubeziehen.
  • Man musste erklären, dass „Werbefrei“ ja nicht ganz werbefrei heiße, sondern nur Beschränkungen bedeute.
  • Ein weiteres Dilemma wurde in einem Interview deutlich, als die Organisatoren Ernst Litfaß als Vorbild für geordnete Stadtwerbung nannten und gleichzeitig Monopole in der Außenwerbung kritisierten.

Dabei konnte Berlin Werbefrei durchaus einige Nadelstiche setzen. Zum Beispiel dass die durch den Senat geschätzten Mindereinnahmen, sollte der Gesetzentwurf realisiert werden, von bis zu 325 Mio. Euro auf 48,5 Mio. Euro direkte Mindereinnahmen korrigiert werden musste.

Die Außenwerbung, und insbesondere DooH, ist in den vergangenen fünf Jahren von Erfolg zu Erfolg geeilt. Deshalb sollte die Branche die Atempause nutzen und sich für eine nachhaltige Diskussion über ihre Rolle im öffentlichen Raum rüsten. Die bekannten Argumente müssen auf den Prüfstand gestellt werden. Ein Beispiel: Dass Außenwerbung Geld in die klammen Kommunalkassen bringt, ist ein sehr valider Punkt. Doch die aktuelle Situation zeigt, dass politische Entscheidungen auch gegen derartige „Vernunftsargumente“ gefällt werden können.

Je mehr DooH mit anderen digitalen Kanälen gleichzieht, desto gründlicher muss diese Diskussion intern geführt werden. Damit man Ergebnisse hat, bevor die nächste Werbefrei-Initiative gestartet wird.

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