Im Rebooking auf der ISE oder auf dem Digital Signage Summit: Viele aus der Branche kennen die Multitouch-Tische von Interactive Scape. Doch die Tische sind nur ein Teil des Portfolios, nur das finale Produkt der Wertschöpfung, die das Unternehmen aus Berlin für sich beansprucht.
„Wir können kapazitive Sensordaten auswerten, wie es kein anderer kann“, so beschreibt CEO Mike Rothmund den USP von Interactive Scape. Zusammengefasst ist das in der Scape -X-Technologie, die eine hochentwickelte Objekterkennung und somit viele komplexe Interaktivitäts-Funktionen möglich macht.
Interactive Scape auf ISE 2026: AI-Objekterkennung für Displays
Unter anderem lassen sich durch die Technologie durchsichtige Objekte als Marker verwenden; die Funktion Scape X Mobile erlaubt es den Tischen, mit darauf platzierten Smartphones sicher zu interagieren. Die Integration des TUIO-Protokolls – ursprünglich aus dem Bereich der Musiktechnologie hervorgegangen – macht die Systeme mit einer Vielzahl bestehender Multitouch-Applikationen kompatibel.
Applikation und Technologie
Somit sieht das Unternehmen Scape X als Basistechnologie; die Multitouch-Tische, die in OEM-Partnerschaft mit Fortec Integrated gefertigt werden, sind das komplette Produkt, welches durch die Technologie möglich wird. „Wir sind zum Applikationsanbieter geworden, weil wir zeigen mussten, was wir machen, dann sind wir zum Hardware-Anbieter geworden“, beschreibt es Mike Rothmund. „Wir sind unser eigener Showcase.“
Und dieser Showcase wird immer internationaler: Während Interactive Scape in der Vergangenheit rund 90 Prozent seines Geschäfts im DACH-Raum verortete, verschiebt sich das Verhältnis. Aktuell sind es etwa 60 Prozent im DACH-Raum und 40 Prozent im Rest der Welt, Mike Rothmund sieht aber eine Entwicklung hin zu einem 50-50-Verhältnis.
Im heimischen Markt kann Interactive Scape auf langjährige Partner wie Realtime Department oder Macom zurückgreifen. Ein zunehmend relevanter Markt ist der Mittlere Osten, doch aufgrund des Irankriegs sind die UAE, Saudi-Arabien und der Oman im im Moment in einer abwartenden Position. Unter anderem ist Interactive Scape bereits im Museum of the Future in Dubai mit einem Projekt vertreten.
Potenzial in Indien
Besonders dynamisch entwickelt sich das Geschäft in Indien, vor allem mit Showrooms großer Unternehmen. Hier durchlief Interactive Scape für das 55-Zoll-Modell vor kurzem die BIS-Zertifizierung, eine Art indisches CE. Diese wurde entwickelt, um den heimischen Markt zu schützen – vor allem vor Konkurrenz aus China. „Für ‚Made in Germany‘ ist es aber deutlich einfacher“, sagt Mike Rothmund.
Das Faszinierende für ihn am indischen Markt ist die Offenheit, mit der potenzielle Kunden die Technologie betrachten: „Bei einem Meeting in Deutschland muss ich erst einmal alle Features des Produkts im Detail vortanzen. In Indien verwandelt sich ein solches Treffen schnell in ein Brainstorming, bei dem mir die Ideen nur so an den Kopf geworfen werden.“
Mit Partnern expandieren
Hier liegt für den Hersteller eine Herausforderung: Sie verkaufen ein Nischen-Premium-Produkt, das erklärungsbedürftig ist. Damit und mit ‚Made in Germany‘ international zu skalieren, ist nicht einfach. Daher ist für Interactive Scape das Partnernetzwerk so wichtig. Mit Lizenzierungen können so Unternehmen die Scape-X-Technologie nutzen, und eine größere Skalierung ist möglich. Unter anderem gibt es eine Zusammenarbeit mit TSI Touch in Nordamerika, ein weiterer wichtiger Partner ist Displax aus Portugal.
Um hier mehr Flexibilität zu ermöglichen, bietet das Unternehmen auch das Scape X Module an, das eine Integration mit Multitouch-Displays von Drittanbietern ermöglicht.

Einen Schritt weiter ging Interactive Scape mit der Lösung Scape X Surfaces , die auf der diesjährigen ISE vorgestellt wurde: Erstmals wurde die Technologie vom Display gelöst und kann nun auch in Kombination mit Projektion eingesetzt werden. Dadurch können beliebige Flächen interaktiv gestaltet werden, neue Applikationen tun sich auf. „Das ist auch psychologisch etwas anderes“, betont der CEO. Beim Display gebe es mehr Berührungsängste, an einer projizierten Fläche würden die Leute natürlicher mit den Inhalten interagieren.
Neue Doppelspitze
Doch grundsätzlich muss Interactive Scape immer darauf achten, die Qualität hochzuhalten, um seine Brand nicht zu verwässern. Das ist für Mike Rothmund auch ein Grund, das Hardwareangebot aufrechtzuerhalten. „Wir müssen die gesamte Wertschöpfungskette durchmachen. So verstehen wir alle Partner.“ Das Flaggschiff-Gerät sieht er daher immer im eigenen Portfolio.
Für dieses Portfolio ist Mike Rothmund nun seit Anfang des Jahres als CEO verantwortlich, 2019 startete er bei Interactive Scape als Key Account Manager. Nun wollen sich die beiden Gründer Hauke Helmer und Ulrich Mangold schrittweise aus dem operativen Geschäft zurückziehen. Dass ihm die CEO-Rolle angeboten wurde, darauf war Mike Rothmund stolz. Sein einziger Wunsch: ein zweiter Geschäftsführer. „Ich habe bei Uli und Hauke gesehen, dass eine zweite Person immer gut ist, um ein gleichwertiges Gegenwicht zur eigenen Meinung zu haben.“

Dieser Wunsch wurde ihm erfüllt: Mit Philipp Ewerling als technischem Geschäftsführer bildet er nun eine Doppelspitze. Und er sieht noch viel Potenzial für Interactive Scape: „Mit Qualitätsbranding und unserer patentierten Technologie stehen uns viele Türen offen.“ Zum Beispiel sei man an einem spannenden Projekt mit der Bundeswehr dran.
Doch das wirkliche Potenzial sieht Mike Rothmund in Smart-City-Anwendungen, wenn Millionen Datenpunkte im Tisch zusammenfließen und mehrere Stakeholder gleichzeitig am Tisch arbeiten. Derartige Projekte hat Interactive Scape bereits mit Siemens, E-On und den Berliner Wasserbetrieben umgesetzt. Hier steht die Effizienzsteigerung in hochkomplexen Umgebungen im Mittelpunkt – die Experience gibt es obendrauf.

