Während der deutsche Werbemarkt in Q1 2026 weitgehend stagnierte, konnte Ströer ein reportetes Umsatzwachstum von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal erzielen. Organisch lag das Plus bei 1,1 Prozent. Maßgeblich getragen wurde diese Entwicklung erneut von OoH Media mit einem Wachstum von 5,4 Prozent. Innerhalb des Segments legte DooH kräftig um 12 Prozent zu.
Das Umsatzwachstum resultierte insbesondere aus der guten Entwicklung des programmatischen DooH-Geschäfts. Zusätzlich wirkte sich der starke Start von „The Whale“ am Hamburger Hauptbahnhof positiv auf die Umsätze aus.
Ergebnisse verbessern sich – Cashflow dreht ins Plus
Das adjusted EBITDA stieg auf 119 Mio. Euro (Q1 2025: 117 Mio. Euro), was einem Zuwachs von rund 2 Prozent entspricht. Das adjusted EBIT erhöhte sich auf 42 Mio. Euro nach 40 Mio. Euro im Vorjahr. Auch der Cashflow entwickelte sich mit -9,7 Mio Euro deutlich besser, nachdem im Vorjahr noch ein Mittelabfluss von 35,1 Mio. Euro verzeichnet worden war – nicht zuletzt aufgrund geringerer Investitionen.

Ausblick: Verhaltener Optimismus, hohe Unsicherheit
Eine Anpassung des formellen Jahresausblick nimmt Ströer nicht vor. Für das laufende zweite Quartal 2026 erwartet CEO Udo Müller jedoch eine ähnliche Geschäftsentwicklung wie zu Jahresbeginn. Eine Ausnahme bildet das Digital-Produktgeschäft: Hier wird durch den Verkauf des Consultinggeschäfts von Statista ein Umsatzrückgang im einstelligen Prozentbereich erwartet.
Vor dem Hintergrund des Krieges im Mittleren Osten und weiterer geopolitischer Unsicherheiten rechnet Ströer im Jahresverlauf mit einer Abschwächung des Wachstums. Bislang wurden lediglich wenige OoH-Kampagnen von Kunden aus dem Travel-Segment mit Bezug zur Region storniert. Die Buchungsentwicklung – insbesondere im DooH-Bereich – verlief bislang besser als noch zu Jahresbeginn erwartet. Dennoch bleibt der Ausblick von hoher Unsicherheit geprägt.
Kein Verkauf in Sicht – Umstrukturierungen geplant
Im Analysten-Call nahm CEO Udo Müller auch Stellung zu erneut aufkommenden Verkaufsgerüchten. Er stellte klar, dass er derzeit weder eine Veränderung der Eigentumsverhältnisse noch seiner Rolle als CEO plant.
Mit dem Weggang von Co-CEO Christian Schmalzl wurde der Vorstand bereits verschlankt. Auch der CFO wird das Unternehmen in wenigen Tagen verlassen. Darüber hinaus plant Ströer eine umfassende Vereinfachung der gesamten Unternehmensorganisation. Ziel ist der Aufbau einer schlankeren, stärker integrierten „Unified Company“. Ein Hebel dafür ist auch der unternehmensinterne Einsatz von KI, der im laufenden Geschäftsjahr bereits zu spürbaren Effizienzgewinnen beiträgt.
Kommentar: Ströer im Umbruch
Auch wenn CEO Udo Müller bemüht ist, den Eindruck von „Business as usual“ zu vermitteln – und die Q1-Zahlen besser ausgefallen sind als erwartet –, befindet sich Ströer in der wohl tiefgreifendsten Umbruchphase seit Jahren. Der Unternehmensgründer hat das operative Kommando wieder übernommen und richtet den deutschen Marktführer strategisch neu aus – zurück auf das Kerngeschäft.
Die Strategie „OoH plus“ – also Out of Home ergänzt um Mobile/Online, Daten (Statista), E-Commerce und Call-Center-Aktivitäten – prägte Ströer über viele Jahre. Künftig soll die Organisation wieder stärker als Einheit agieren, Silos sollen aufgelöst werden. Das muss nicht unbedingt der Verkauf von Unternehmenseinheiten bedeuten, es würde aber verwundern wenn Ströer in 18-24 Monate das Business Modell nicht verschlankt hat.
Ein zentraler Katalysator dieser Transformation ist KI – ebenso wie der hauseigene Ad Manager. Ende Juni will das Management über die strategische Weiterentwicklung des Ad-Managers informieren.
Offen bleibt, wer künftig als CFO oder COO an der Seite von Udo Müller stehen wird. Eine ruhige Fahrt zeichnet sich nicht ab. Allerdings ist Ströer mit seiner dominanten Marktposition und langfristigen Vermarktungsverträgen gut aufgestellt, um sowohl externe als auch interne Herausfoderungen zu bewältigen.

