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Musik & Digital Signage

WebOS integriert "Music for Spaces"

LG integriert gemeinsam mit dem AI-Musikspezialisten Soundraw dynamisch generierte "Music for Spaces" in seine globale WebOS-Digital Signage-Plattform. Damit wird Hintergrundmusik vom statischen Beiwerk zu einer intelligenten, adaptiven Experience-Ebene.
Soundraw ist in WebOS-Screens integriert. (Foto: Screenshot)
Soundraw ist in WebOS-Screens integriert. (Foto: Screenshot)

LG Electronics erweitert WebOS um AI-generierte Hintergrundmusik. Das geht aus einer Partnerschaft mit dem Tokioer Startup Soundraw hervor. Der Ansatz verändert, wie Klang in kommerziellen Umgebungen gedacht wird: weg von festen Playlists, hin zu kontextsensitiven, adaptiven Audioerlebnissen.

Von Playlist zu Klangräumen

Im Kern steht das Konzept „Music for Spaces“ – dynamisch generierte Soundscapes, die Atmosphäre schaffen, ohne Aufmerksamkeit zu fordern. Soundraws AI-Engine erzeugt diese Klangwelten in Echtzeit. Zudem wird die Musik an Kontexte wie Standort, Tageszeit oder Nutzungsszenario angepasst.

Hintergrundmusik ist im Retail und in der Hospitality seit langem etabliert. Ihre Rolle hat sich jedoch deutlich gewandelt: Heute ist sie integraler Bestandteil der Experience- und Markenarchitektur. Soundscapes und räumliches Audio prägen Atmosphäre, beeinflussen Verhalten und stärken Markenidentitäten.

Die Technologie von Soundraw spiegelt diesen Wandel: Statt kuratierter Playlists generiert die AI Musik kontinuierlich neu und reagiert auf visuelle Inhalte, Umgebungsbedingungen oder Besucherströme. In Kombination mit LGs Digital Signage-Infrastruktur entsteht Audio als programmierbare Ebene neben der visuellen Kommunikation.

WebOS wird zur Audio-Plattform

LG integriert generatives Audio direkt in WebOS und vereinfacht damit Rollout und Betrieb. Betreiber müssen keine Musikbibliotheken mehr lizenzieren oder Playlists pflegen. Stattdessen nutzen sie adaptive Audio-Services nahtlos in bestehenden Signage-Workflows.

Ein zentraler Baustein von Soundraw ist „Ethical AI“. Das 2020 in Japan gegründete Unternehmen betont, dass seine Modelle keine urheberrechtlich geschützten Musikkataloge scrapen und keine bestehenden Künstler imitieren. Alle Kompositionen entstehen neu und sind ohne Lizenzunsicherheiten kommerziell nutzbar. Das ist vor allem für internationale Marken wichtig: Rechtliche Klarheit ist entscheidend, wenn Audio großflächig ausgerollt wird.

Musik als Infrastruktur

Die Partnerschaft positioniert Musik als Infrastruktur. Klang wird damit ähnlich behandelt wie Licht oder Displays: als steuerbare, datengetriebene Komponente der Raumgestaltung.

AI vs. „echte Musik“: Kuration als entscheidender Faktor

Zu diesem Thema sprach invidis mit Robert Hofmann von Heardis über die Rolle von AI bei Instore-Musik. Während Anbieter wie Soundraw auf generative AI setzen, nutzt Heardis AI primär für die kontextuelle Kuration „echter“ Musik. Laut Robert Hofmann liegt eine Schwäche vollständig generierter Musik im oft austauschbaren Charakter. Für kostengetriebene oder mittlere Anwendungen reicht das aus – für Premium-Marken, die auf Differenzierung und emotionale Tiefe setzen, jedoch häufig nicht.

Im GEMA-freien Segment schrumpft der Abstand zwischen generierter und von Menschen produzierter Musik. Die Debatte verschiebt sich damit zunehmend in Richtung Wirtschaftlichkeit. Reine „Per-Track“-Generierung wäre im großen Maßstab zu teuer. Wahrscheinlicher ist, dass Plattformen eigene Kataloge aufbauen und diese algorithmisch dynamisch auswählen. Die Entwicklung geht damit weniger zu echter „dynamischer Generierung“ als zu „dynamischer Kuration“ – einem Feld, in dem etablierte Musikdienstleister traditionell stark sind.

Ein klarer Vorteil AI-generierter Inhalte bleibt ihre einfache Einsetzbarkeit in Märkten mit komplexen Urheberrechtsstrukturen wie China. Dort bietet AI eine pragmatische Alternative – auch wenn ihr derzeit noch die feinen Nuancen für anspruchsvolle Markeninszenierungen fehlen.