Zahlreiche Werbetreibende und Agenturen nutzten die Fußball-Weltmeisterschaft, um auf ihre Produkte aufmerksam zu machen. Im Vereinigten Königreich gibt es eine Out-of-Home-Kampagne, die genau das auch tut. Aber: Es wird kein Produkt beworben, sondern darauf hingewiesen, dass alle 90 Minuten sich eine Person in England das Leben nimmt — 75 Prozent davon sind Männer.
Die Kampagne ist von Andysmanclub. Als Wohltätigkeitsorganisation bietet Andysmanclub wöchentliche Selbsthilfegruppen für Männer an. Dort können sie in einem sicheren und vorurteilsfreien Raum über ihre Probleme und Sorgen sprechen.

Die OoH-Aktion soll das Thema in die Öffentlichkeit tragen. Dafür entwarf die Agentur Kastner London die Inhalte. Man nutzt dabei Content, der zweideutig gelesen werden kann — einmal im Fußball-Kontext sowie hinsichtlich der Suizidstatistik. Zum Beispiel: „By the end of the game, England will be a man down“. Oder: „England will start the tournament with a loss.“ Die Inhalte werden auf digitalen Medien von Bauer Media Outdoor ausgespielt.
Risiko zur WM am höchsten
Doch die WM gibt nicht nur den sprachlichen Rahmen, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Es hat auch eine zeitliche Relevanz. Denn: Das Suizid-Risiko ist bei Männern im Alter von 15 bis 34 Jahren während großer Sportevents am größten.
„Indem wir unsere Message an die WM binden, hoffen wir, dass mehr Männer sie sehen, darüber sprechen und realisieren, dass es einen Raum voller Leute gibt, die ihnen zuhört“, sagt Emma Laycock, marketing & Campaign Lead at Andymanclub.
Auch in Deutschland gibt es Hilfestelle. Über das Männerberatungsnetz findet man Einrichtungen im ganzen Land. Außerdem gibt es die kostenfreie, anonyme und rund um die Uhr erreichbare Telefonseelsorge: 0800/1110111 oder 0800/1110222.

