Die Golfregion und Indien verbindet mehr als nur eine Flugzeit von rund drei Stunden. Beide Märkte zählen zu den weltweit dynamischsten Wachstumsregionen für Digital Signage und ProAV. Ikonische Architektur, extreme Klimabedingungen und ambitionierte Infrastrukturprojekte prägen die Nachfrage. Hinzu kommt, dass viele IT- und Technologieexperten in den Golfstaaten ihre Wurzeln in Indien haben.
Vor diesem Hintergrund stieß die Keynote von Nita Odedra, Director Strategy bei Bluerhine Industries, auf großes Interesse bei den Besuchern der Infocomm India. Unter dem Titel „Designing for Emotion at Giga-Scale: Lessons from the Gulf’s Landmark Builds“ gab sie Einblicke in die Erfolgsfaktoren einiger der spektakulärsten AV- und Erlebnisprojekte der Region.
- Mega Project in saudi Arabia (Image: Blue Rhine)
- Challenges of outdoor signage at the Gulf and in India (Image: Blue Rhine)
Architektur als Erlebnis
Für Odedra beginnt erfolgreiche AV-Integration lange vor der Auswahl von Displays, Lautsprechern oder Steuerungssystemen. Entscheidend sei, möglichst früh alle relevanten Stakeholder in den Planungsprozess einzubinden. Gerade bei Großprojekten werde AV oft noch als technisches Add-on betrachtet, obwohl die Technologie maßgeblich zur Nutzererfahrung beitrage.
„Gebäude sind nicht bloß Ansammlungen von Räumen“, betonte Odedra. Jede architektonische Fläche habe eine Funktion und müsse die Bedürfnisse der Menschen berücksichtigen, die dort arbeiten, einkaufen, sich treffen oder Veranstaltungen besuchen.
Nach ihrer Einschätzung verstehen die Regierungen und Projektentwickler in Dubai, Abu Dhabi und Riad diesen Zusammenhang besonders gut. Architektur werde dort nicht nur als Gebäude, sondern als Erlebnisraum verstanden. Immersive AV-Technologien seien deshalb fester Bestandteil vieler Landmark-Projekte und würden von Beginn an mitgedacht.
Fünf Lektionen für Indien
Aus den Erfahrungen der Golfregion leitete Odedra fünf Handlungsempfehlungen für Indien und andere südasiatische Märkte ab:
- User Experience kartieren
Jedes Projekt sollte mit einer detaillierten Analyse der Nutzerreise beginnen. Erst wenn die Erwartungen und Interaktionspunkte verstanden werden, kann Technologie einen echten Mehrwert schaffen. - AV frühzeitig einbinden
AV-Systeme sollten bereits in der Konzept- und Architekturphase berücksichtigt werden. Späte Integrationen führen häufig zu höheren Kosten und Kompromissen bei der Nutzererfahrung. - Für das Klima planen
Hitze, Staub, hohe Luftfeuchtigkeit und Outdoor-Anwendungen stellen besondere Anforderungen an Hardware und Betriebskonzepte. Wer diese Faktoren früh berücksichtigt, erhöht Zuverlässigkeit und Lebensdauer der Systeme. - Einfachheit schlägt Komplexität
Nicht die technisch aufwendigste Lösung gewinnt, sondern diejenige, die zuverlässig funktioniert und einfach zu bedienen ist. Komplexität wird häufig zum Risiko für Betrieb und Wartung. - Kultur berücksichtigen
Technologie muss immer den kulturellen Kontext berücksichtigen. Inhalte, Interaktionskonzepte und Raumgestaltung sollten auf lokale Gewohnheiten und Erwartungen abgestimmt sein.
Gemeinsame Herausforderungen
Viele dieser Erkenntnisse lassen sich direkt auf den indischen Markt übertragen. Mit der rasanten Entwicklung von Smart Cities, Verkehrsinfrastruktur, Retail-Destinationen und modernen Workplace-Konzepten wächst auch in Indien die Nachfrage nach großformatigen, immersiven und wetterfesten AV-Lösungen.
Die Botschaft von Nita Odedra war klar: Erfolgreiche Projekte entstehen nicht durch Technologie allein. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Architektur, Nutzererlebnis, kulturellem Verständnis und frühzeitiger Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten. Genau darin liegt die wichtigste Lektion, die Indien von den Landmark-Projekten der Golfregion übernehmen kann.



