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Yodeck

Erfolgsmodell Einfachheit

Athen | Yodeck zählt zu den unterschätzten Erfolgsgeschichten der Digital Signage-Branche und wächst rasant, mit einem Fokus, den viele Wettbewerber übersehen: Einfachheit. Im exklusiven Interview mit invidis erklären CEO Vangelis Mihalopoulos und CMO James Robins, wie Yodeck von 350.000 Touchpoints auf über eine Million aktive Lizenzen wachsen will.
Vangelis Mihalopoulos, CEO bei Yodeck, und James Robins, CMO bei Yodeck (Foto: Flipnode)
Vangelis Mihalopoulos, CEO bei Yodeck, und James Robins, CMO bei Yodeck (Foto: Flipnode)

Der Sommer neigt sich dem Ende zu, doch in der griechischen Hauptstadt zeigt das Thermometer im Schatten noch immer 37 Grad Celsius. Touristen kämpfen sich in glühender Hitze über die Akropolis. invidis verbringt die Zeit dagegen in der klimatisierten Firmenzentrale von Flipnode im Zentrum und gewinnt tiefe Einblicke in das Mutterunternehmen und dessen Flaggschiff-Produkt Yodeck. Schnell wird klar: Yodeck versteht Digital Signage wirklich. Hier muss niemand Eulen nach Athen tragen.

Denn Yodeck ist einer der Hidden Champions der Digital Signage-Branche. Der Markt glaubt zwar zu wissen, wofür der US-Anbieter mit griechischen Wurzeln steht, tatsächlich ist jedoch wenig darüber bekannt. invidis reiste für ein exklusives Gespräch mit CEO Vangelis Mihalopoulos und CMO James Robins nach Athen.

Der Digital Signage-Softwareanbieter für den Long-Tail-Markt ist seit 2015 aktiv und erfolgreich. In den vergangenen drei Jahren wuchs das Unternehmen jährlich um 40 bis 60 Prozent. Flipnode beschäftigt inzwischen rund 200 Mitarbeiter, überwiegend in Athen. Drei Jahre in Folge schaffte es Flipnode in Deloittes Technology-Fast-500-Ranking für Nordamerika, das die am schnellsten wachsenden Technologieunternehmen der Region auszeichnet.

Mehr als 65.000 Kunden

Heute nutzen mehr als 65.000 Kunden Yodeck an über 350.000 Touchpoints. Ein zentraler Baustein der Erfolgsgeschichte ist der eigene Media-Player auf Raspberry-Pi-Basis. Kunden schließen die vorkonfigurierte Box lediglich an ein Display und das Internet an, schon ist alles einsatzbereit.

Auch die einfache Benutzeroberfläche trägt zum Erfolg bei, aufgebaut auf einem modernen, ISO-27001-zertifizierten Technologie-Stack. Jeden Monat kommen mehr als 1.000 neue Kunden hinzu. Die Hälfte davon nutzt erstmals Digital Signage, die andere Hälfte wechselt von Konkurrenzplattformen.

Auch die Projektgrößen wachsen stetig. Kleinere Projekte bilden zwar weiterhin das dominante Kundensegment, doch die größten Deployments umfassen bereits mehr als 4.000 Lizenzen. Einfachheit verkauft sich nicht nur an kleine Familienbetriebe, sondern zunehmend auch an Enterprise-Kunden.

CEO Vangelis Mihalopoulos führt den Erfolg auf den starken Product-Market-Fit zurück. „Yodeck bindet Kunden extrem stark. Sie und die Nutzer lieben die Einfachheit“, sagt Vangelis Mihalopoulos.

Über die Hälfte des Geschäfts in Nordamerika

Die Mehrheit der Kunden setzt auf den eigenen Media-Player. Kundenbefragungen zeigen jedoch, dass die Multi-Plattform-Unterstützung eines der wichtigsten Kaufkriterien ist. Die griechisch-amerikanische Digital Signage-Lösung läuft auch auf Samsung Tizen, Android, Sony Google TV, Amazon Fire OS und weiteren Systemen. Besonders die Partnerschaft mit Amazon entwickle sich sehr vielversprechend. Nordamerika ist die Region, in der Yodeck seinen allerersten Kunden gewann, und erwirtschaftet heute 55 Prozent des Gesamtumsatzes.

Einfachheit ist der Schlüssel, auch für multinationale Kunden. Diese Philosophie gilt ebenso für die Enterprise-Kunden von Yodeck, von denen viele in Fertigung und Industrie tätig sind. Displays kommen dort oft für weit mehr als klassisches Signage zum Einsatz, besonders beliebt sind Dashboard-Anwendungen. Allerdings hat jeder Standort eigene Anforderungen. Bei einem Industriekunden sind rund 300 Content-Manager für den CMS-Betrieb verantwortlich. Auf den ersten Blick wirkt das wie ein großes Enterprise-Deployment, wegen der stark dezentralen Anforderungen verhält es sich jedoch eher wie 300 einzelne SMB-Netzwerke. Lokale Eigenverantwortung begünstigt Einfachheit.

Yodeck versteht sich dennoch klar als unkompliziertes Produkt. „Wir sind keine komplexe Digital Signage-Plattform“, sagt Vangelis Mihalopoulos.

Partner passen branchenspezifisch an

Gemeinsam mit strategischen Partnern bietet das Unternehmen zudem branchenspezifische Lösungen für Sektoren wie Systemgastronomie und Einzelhandel an. Die Partner übernehmen dabei die branchenspezifische Anpassung, während Yodeck das CMS als White-Label-Plattform liefert.

Auch ohne Headless-Architektur unterstützt Yodeck gängige Content-Creation-Tools. Canva, das besonders bei jüngeren Nutzern beliebt ist, lässt sich innerhalb des Yodeck-Ökosystems als Digital Signage-Editor nutzen. Weitere Anwendungen lassen sich über offene APIs und MCP-basierte Verbindungen einbinden.

Für Vangelis Mihalopoulos, James Robins und das gesamte Team liegt der Erfolg in einer klar definierten Go-to-Market-Strategie begründet: einer hochskalierbaren Digital Signage-Lösung ohne unnötige Komplexität. Selbst der First-Level-Support läuft intern, das hält das Unternehmen nah an seinen Kunden und schafft eine direkte Feedback-Schleife in die Produktentwicklung.

CEO war davor Developer

Cybersecurity ist eine besondere Leidenschaft von Vangelis Mihalopoulos, der vom Softwareentwickler zum CEO wurde. Durch die Kontrolle über Hardware und Software der eigenen Raspberry-Pi-Player-Plattform behält Yodeck die volle Übersicht über die gesamte Kette. Die Kernanwendungen werden alle sechs Wochen aktualisiert, Chromium-Browser-Updates folgen bei Bedarf. Die ISO-27001-Zertifizierung gehört längst zum Standard. Eine SOC-2-Zertifizierung, besonders relevant für den US-Markt, steht als Nächstes auf der Roadmap.

Yodeck setzt zudem stark auf AI. Im vergangenen Jahr durchlief die gesamte Organisation innerhalb von nur sechs Wochen ein AI-Training, führte AI-Funktionen in allen Abteilungen ein und passte die Geschäftsprozesse entsprechend an. Zusätzlich profitiert das Unternehmen vom Know-how seines Private-Equity-Minderheitsinvestors aus dem Silicon Valley. Dabei werden regelmäßig Best Practices zwischen den Portfoliounternehmen ausgetauscht.

In den vergangenen Jahren hat sich Yodeck von einem SMB-fokussierten Anbieter zum Mid-Market-Spezialisten entwickelt. Das Segment zwischen SMB- und Tier-1-Enterprise-Kunden macht inzwischen 45 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Ebenso ambitioniert sind die weiteren Ziele: Innerhalb von vier Jahren will das Unternehmen mehr als eine Million aktive Lizenzen verwalten, ausschließlich durch organisches Wachstum.

Schwarze Zahlen seit Tag eins

Seit dem ersten Tag arbeitet Yodeck cashflow-positiv. Vangelis Mihalopoulos gründete das Unternehmen während der Finanzkrise und führt es bis heute mit konservativem finanziellem Denken. Die Erfahrung, damals mit einer jungen Familie plötzlich vor finanziellen Schwierigkeiten zu stehen, prägt seinen Führungsstil bis heute.

Diese Haltung spiegelt sich auch in großzügigen Mitarbeiterleistungen wider. Yodeck unterstützt die Familienplanung mit der Übernahme von bis zu drei IVF-Behandlungen und beteiligt sich an den Kinderbetreuungskosten. Selbst für eines der führenden SaaS-Unternehmen Griechenlands sind das außergewöhnliche Leistungen.

Alle Zeichen stehen auf weiteres, schnelles Wachstum. Um den nordamerikanischen Erfolg auch in Europa zu wiederholen, baut Yodeck seinen mehrsprachigen Support aus, unter anderem mit deutsch- und französischsprachigen Teams.

Sales- und Support-Teams in USA im Aufbau

Gleichzeitig hält das Unternehmen an seinem Wachstumskurs in den USA fest. Dort liegt auch der offizielle Unternehmenssitz. Für künftiges Wachstum baut das Unternehmen an der US-Ostküste ein mehrsprachiges Vertriebs- und Support-Team auf, das Kunden in Nord- und Lateinamerika betreut.

Der Abend senkt sich über Athen, die beleuchtete Akropolis dominiert die Skyline, ringsum erschöpfte Touristen. CMO James Robins zeigt dagegen keine Spur von Müdigkeit. Der Fokus ist klar, die Roadmap steht.

Beim jährlich wiederkehrenden Umsatz zog Yodeck bereits Anfang 2025 am Direktwettbewerber Screencloud vorbei. Noch vor Ende des Jahrzehnts will das Unternehmen die symbolische Marke von 100 Millionen US-Dollar ARR durchbrechen.

Eine europäische Erfolgsgeschichte im Entstehen. Trotz aller Skepsis, die dem europäischen Technologiesektor oft entgegengebracht wird, zeigt Yodeck, dass Einfachheit weiterhin Erfolg bringt.