Fraport und Lufthansa testen am Gate A16 im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens ein neues Boarding-Konzept. Dafür setzen der Flughafenbetreiber und sein größter Kunde auf großflächige LED-Technik, digitale Bodenmarkierungen und Sensoren, die Passagierströme messen.
An einem Gate treffen viele Anforderungen aufeinander. Passagiere warten, werden abgefertigt, suchen den Weg und brauchen Informationen. Zugleich reisen hier Menschen mit unterschiedlicher Sprache, Kultur und Reiseerfahrung.

Flughafenbetreiber, Airlines und Abfertiger achten vor allem darauf, produktiv zu sein und dass es reibungslos abläuft. Passagiere wollen dagegen einfach und stressfrei an Bord kommen. Beides an einem Ort zusammenzubringen, gilt in der Luftfahrt seit Langem als schwierig. Weltweit stehen Flughäfen deshalb vor derselben Aufgabe: Die Passagierzahlen steigen, der Betriebsdruck wächst und die Erwartungen der Reisenden ändern sich.
Vom Infopunkt zum Inforaum
Wie viele Flughäfen setzte Frankfurt am Gate bisher auf wenige Displays: Fluginformationsanzeigen, Airport-TV und statische Schilder an festen Punkten. Das neu gestaltete Gate A16 geht einen anderen Weg. Statt einzelner Displays wird der gesamte Gatebereich zur digitalen Informationsfläche. Im Zentrum stehen MicroLED-Displays in ungewöhnlicher Größe, Zahl und Anordnung.
Zwei wandgroße LED-Flächen zeigen gleichzeitig Bilder vom Reiseziel, Fluginfos, Boarding-Abläufe und Hinweise für Passagiere. Sie erzählen Geschichten und liefern zugleich operative Informationen.

LED-ummantelte Säulen ergänzen das System. Sie zeigen Live-Fluginformationen, die auch vom Hauptgang aus zu sehen sind. Große Schrift, hoher Kontrast und Rundumsicht machen die Daten aus nahezu jedem Winkel lesbar.
Auch in den Wartezonen stehen solche LED-Säulen. Fluginformationen hängen damit nicht mehr an wenigen kleinen, spiegelnden Displays, sondern stecken in der Architektur selbst.
Handgepäckregeln auf der Großfläche
Die großen LED-Flächen schaffen auch Platz für Themen, die im Betrieb oft Reibung erzeugen. Ein Beispiel ist das Kabinengepäck, ein Dauerthema für Airlines. Inhalte zum Reiseziel, Boarding-Hinweise und Handgepäckregeln laufen während der Wartezeit klarer und wiederholt. Das könnte Verzögerungen und Diskussionen an der Flugzeugtür verringern.
Zugleich setzt das Gate auf mobiles Personal. Die klassischen Counter sind kleiner und an den Rand gerückt. Gate-Agenten arbeiten mit mobilen Geräten im gesamten Boardingbereich und helfen Passagieren direkt dort, wo es nötig ist. Standardinformationen spielen die Displays in mehreren Sprachen aus.
Bodensignale statt Absperrbänder
Neu ist auch der Ansatz beim gruppenweisen Boarding, das Vielflieger aus eigener Erfahrung kennen. In Frankfurt erschweren dichte Passagierströme und bauliche Enge das Einsteigen. Bisher stellt das Gate-Personal Absperrbänder und provisorische Warteschlangen von Hand auf. Viele Reisende übersehen jedoch die kleinen Schilder mit den Boardinggruppen. Das verwirrt und stiftet Unmut.

Das neue Konzept zeigt die Boardinggruppen per Smart Floor Signage direkt auf dem Boden. Die gut sichtbaren Leitsignale helfen Passagieren, sich selbst in die richtige Schlange einzureihen. Absperrungen braucht es dafür nicht. Das entlastet das Gate-Personal und macht das Boarding intuitiver und entspannter.
Lidar misst Passagierströme
Hinter den Kulissen geht das Projekt über eine optische Modernisierung hinaus. Lidar-Sensoren über dem Gate erfassen fortlaufend und anonym, wie sich Passagiere bewegen. Die Betreiber messen damit Boardingdauer, Schlangenbildung, Laufwege und Verweilzeiten.
Die Daten zeigen zunächst, wie gut das Bodensignal-Konzept funktioniert. Ihr Nutzen reicht aber weiter. Flughäfen und Airlines können Engpässe erkennen, Personal bedarfsgerecht einplanen und Gates besser aufteilen. Vor allem lassen sich Boarding-Strategien künftig am tatsächlichen Verhalten der Passagiere ausrichten statt an pauschalen Annahmen.
Boarding wird dynamisch
Heute bestimmen vor allem Referenzmodelle und standardisierte Planwerte, wie lange das Boarding dauert. Projekte wie Gate A16 sollen diese starren Modelle langfristig durch Echtzeitdaten ersetzen. Wenn Flughäfen und Airlines wissen, wie sich Passagiere auf bestimmten Strecken, zu bestimmten Tageszeiten oder bei unterschiedlicher Auslastung verhalten, können sie das Boarding live anpassen.

Das könnte Turnaround-Zeiten verkürzen, Abflüge planbarer machen und Passagiere zufriedener stimmen.
Blaupause für künftige Flughäfen
Gate A16 zeigt, wie sich Digital Signage vom Kommunikationskanal zur Betriebsinfrastruktur entwickelt. Wo sonst einzelne Fluginfo-Displays hängen, greifen nun MicroLED, Sensorik, Echtzeitdaten, mobile Gate-Agenten und Passagier-Leitsysteme ineinander. Für die Digital Signage-Branche gibt das Frankfurter Experiment einen Ausblick auf den Flughafenbetrieb der Zukunft: Fluginfos, Wayfinding und Betriebsdaten arbeiten vernetzt zusammen und bringen Reisende effizienter und angenehmer ans Flugzeug. Flughäfen weltweit müssen Effizienz und Reiseerlebnis in Einklang bringen. Gate A16 könnte dabei als frühe Vorlage für die nächste Generation von Boarding-Gates dienen.

