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Cyber Security

Wenn auf dem Menüboard plötzlich die Preise steigen

Plötzlich höhere Preise auf dem QSR-Menüboard: Was wie ein technischer Fehler aussah, entpuppte sich diese Woche als Cyberangriff. Der Fall aus Deutschland verdeutlicht, wie verwundbar schlecht abgesicherte Digital Signage Netzwerke noch immer sind.
No Brand Burger in Seoul (Photo: invidis)
No Brand Burger in Seoul (Photo: invidis)

Cybersecurity wird in vielen Digital Signage Projekten noch immer als IT-Randthema behandelt. Ein aktueller Vorfall aus Deutschland zeigt jedoch, wie schnell aus einer vermeintlich kleinen Sicherheitslücke ein handfestes Geschäftsrisiko werden kann.

Nach invidis-Informationen wurde Anfang dieser Woche das Digital Signage System eines deutschen Franchisenehmers einer bekannten QSR-Kette kompromittiert. Offenbar gelang es Angreifern, ein schwaches Standard-Passwort zu erraten und sich Zugang zum CMS zu verschaffen. Die Manipulation blieb zunächst unbemerkt. Erst als Kunden auf plötzlich erhöhte Preise auf den digitalen Menüboards aufmerksam wurden, fiel der Angriff auf.

Der Vorfall erinnert an jüngste Cyberangriffe auf Supermärkte, bei denen vernetzte Kühlanlagen kompromittiert wurden. Dort manipulierten Angreifer die Steuerung von Kühlsystemen mit erheblichen Folgen: Kühlketten wurden unterbrochen, Waren unbrauchbar und ganze Bestände mussten entsorgt werden.

Schwache Zugangsdaten bleiben das größte Risiko

Die Gemeinsamkeit beider Fälle ist offensichtlich: mangelhaft geschützte IT-Endpunkte. Während bei Supermärkten ungepatchte Systeme oder unsichere Fernzugänge zum Problem wurden, waren es im aktuellen Digital Signage Fall offenbar unzureichend gesicherte Zugangsdaten.

Standardpasswörter, einfache Credentials oder wiederverwendete Login-Daten gehören weiterhin zu den häufigsten Einfallstoren für Cyberkriminelle. Das Problem: Wird ein Angriff bemerkt, ist der Schaden häufig bereits entstanden. Inhalte wurden manipuliert, Systeme kompromittiert oder Betriebsabläufe gestört.

Im vorliegenden QSR-Fall beschränkten sich die Folgen vermutlich auf Kundenbeschwerden, Reputationsschäden und mögliche Umsatzeinbußen. In anderen Branchen können vergleichbare Sicherheitslücken jedoch deutlich schwerwiegendere Konsequenzen haben.

Digital Signage ist geschäftskritische Infrastruktur

Gerade in der QSR-Branche hat sich Digital Signage von einer Marketinglösung zu geschäftskritischer Infrastruktur entwickelt. Digitale Menüboards, Order Kiosks und Drive Thru steuern Preis- und Produktkommunikation in Echtzeit und sind direkt mit operativen Prozessen verbunden.

Trotzdem wird IT-Sicherheit in vielen Projekten noch nachrangig behandelt. Während Unternehmen ihre POS-Systeme, Zahlungsplattformen und Unternehmensnetzwerke zunehmend absichern, bleiben Digital Signage Netzwerke häufig ein blinder Fleck.

Screen Networks brauchen Security by Default

Mit AI und der zunehmenden Vernetzung von Digital Signage mit Backend Systemen wächst auch die Angriffsfläche von Digital Signage Netzwerken. Gleichzeitig steigt ihre Bedeutung für den Geschäftsbetrieb.

Für Betreiber bedeutet das: Cybersecurity darf nicht länger als Zusatzoption betrachtet werden. Sie muss bereits bei der Planung von Digital Signage Projekten wie Remote Device Management zum Standard gehören.

Cyberattacken auf Supermärkte werden Fall für die Geheimdienste

Nach den Cyberangriffen auf Kühlanlagen in deutschen und europäischen Supermärkten beschäftigen sich inzwischen auch deutsche Nachrichtendienste mit den Vorfällen. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) sowie das Gemeinsame Zentrum zur Bekämpfung hybrider Bedrohungen (GAZ Hybrid), in dem unter anderem BND und MAD vertreten sind, untersuchen die Angriffe. Hintergrund ist die Frage, ob hinter den Attacken mehr als gewöhnliche Cyberkriminalität steckt und möglicherweise koordinierte Sabotage gegen kritische Versorgungsinfrastruktur vorliegt.

Betroffen waren Supermärkte in Deutschland und mehreren europäischen Ländern sowie Kühlanlagen für Blutreserven im Healthcare-Umfeld. Die Angreifer nutzten offenbar bekannte Schwachstellen, veraltete Software sowie unveränderte Standardpasswörter, um sich Zugriff auf vernetzte Kühlsteuerungen zu verschaffen. In einigen Fällen wurden Anlagen gezielt in den Heiz- oder Abtaumodus versetzt, wodurch Temperaturen von bis zu 50 Grad erreicht wurden. Die Folge waren verdorbene Warenbestände und erhebliche wirtschaftliche Schäden für die Betreiber.

Die Vorfälle zeigen eindrucksvoll, welche Risiken von unzureichend geschützten IoT- und Steuerungssystemen ausgehen. Sowohl deutsche als auch US-amerikanische Behörden fordern Betreiber dazu auf, industrielle Steuerungen nicht direkt mit dem Internet zu verbinden, Sicherheitsupdates zeitnah einzuspielen und Standardzugänge konsequent abzusichern.