Kommentar

Broadsign Insolvenz, Chancen in der Krise

- Viele Köche verderben den Brei und machen die Mahlzeit unappetitlich. Dies trifft auch auf den Software-Anbieter Broadsign zu, dessen bestehende Unternehmensstruktur weiteren Investitionen im Wege stand. Dies könnte sich nun im Zuge der Insolvenz ändern. von Oliver Schwede

Mit einer geplanten Insolvenz könnte sich Broadsign in kurzer Zeit sanieren

Mit einer geplanten Insolvenz könnte sich Broadsign in kurzer Zeit sanieren

Anfang dieser Woche meldet Broadsign Insolvenz an. Für viele Wettbewerber ein Zeichen von Misswirtschaft und ungenügenden Geschäftsmodellen. Wer sich allerdings die Mühe macht hinter die Kulissen zu blicken erkennt, dass die Insolvenz die einzige Lösung eines langen Analyseprozesses sein könnte, aus dem der CMS-Anbieter gestärkt hervorgehen könnte.

Broadsigns größtes Problem ist seine Vergangenheit. Mehr als 100 Anteilseigner hat das Unternehmen seit seinem Bestehen angesammelt. Dazu kommen Schulden in Höhe von 15 Millionen USD, die den Wert des Unternehmens überschreiten und notwendige Investitionen verhindern.

In dieser Situation gilt es schnell und effizient zu handeln. Zeit ist ein teures Gut und es würde ewig dauern die mehr als 100 Anteilseigner auf eine gemeinsame Strategie einzuschwören. Eine nicht sehr elegante, aber in Nordamerika populäre und durchaus effektive Lösung ist ein Insolvenzverfahren nach Chapter 11, im Zuge dessen das Unternehmen umstrukturiert wird.

Die Unternehmensteile werden im Zuge des Insolvenzverfahrens zum Verkauf angeboten. Sehr wahrscheinlich ist, dass der Hauptgläubiger Burr Smith, der schon einmal 10 Millionen USD investiert, das Unternehmen für eine ähnlich hohe Summe kauft und damit übernehmen wird. Alle anderen Gläubiger gehen mehr oder weniger leer aus. Da dieser Kauf innerhalb von 60 Tagen abgeschlossen sein muss, werden gleich zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen: die bisherigen Anteilseigner werden aus der Unternehmensstruktur eliminiert – und dies binnen kürzester Zeit.

Was spricht für die These der strukturellen Probleme? Zum einen, dass das Unternehmen nach invidis Recherche keine Schulden auf Seiten der Zulieferer oder der Mitarbeiter hat. Zum anderen, das laut Aussagen von Kunden der Betrieb des Broadsign-CMS nicht beeinträchtigt ist.

Nach Übernahme des Unternehmens ist der Weg frei für Investitionen, die nicht zur Finanzierung von Altlasten genutzt werden. Broadsign könnten mit dem neuen-alten Investor gestärkt auf dem Markt agieren und das Wachstum, was das Unternehmen in den letzten Jahren durchaus hingelegt hat, fortsetzen.

Allerdings lauern auf diesem Weg noch zwei mögliche Gefahren: zum einen das die Bestandskunden abspringen und sich einem anderen CMS-Anbieter zuwenden, da ihnen das Risiko zu groß ist. Zum anderen, dass das Unternehmen von einem anderem Investor aufgekauft wird, der seine eigenen Pläne verfolgt.

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