Fahrgast-TV Schweiz

Mehr Content und mehr Redakteure bei passengertv

- Der Platzhirsch im Schweizer Fahrgast-TV will sich personell vergrößern. Einem Medienbericht zufolge will passengertv rund 45 zusätzliche Redakteure anstellen, um das redaktionelle Bewegtbild-Angebot in Zügen sowie beim Schwestersender gasstationtv zu verbessern. von Thomas Kletschke

Screen von passengertv in einem Zug der SBB (Foto: passengertv)

Screen von passengertv in einem Zug der SBB (Foto: passengertv)

Mit passengertv und gasstationtv – dem Pump TV Netzwerk an Tankstellen – erreicht das Unternehmen nach eigenen Angaben derzeit täglich 1,5 Millionen Menschen. Und für die soll der redaktionelle Content künftig noch relevanter und ansprechender werden.

Das geht aus einem Bericht der „Schweiz am Wochenende“ hervor, aus dem das Schweizer Kommunikations-Fachportal persönlich.com zitiert. Dem Bericht zufolge plant die Livesystems Holding AG – Mutter der beiden Sender passengertv und gasstationtv – den Aufbau einer 14-köpfigen Redaktion in der Zentrale in Bern sowie von regionalen Redaktionen.

Zudem sollen fünf regionale Redaktionen entstehen, die Bewegtbild-News aus und für die Regionen Zürich/Aargau, Bern, Basel, Ostschweiz und Zentralschweiz produzieren. Jede Regionalredaktion soll mit sechs Redakteuren besetzt werden. Zugleich will der Fahrgast-TV Sender dem Bericht zufolge aber weiterhin mit regionalen Verlagen zusammenarbeiten, von denen man auch jetzt schon Nachrichten für die Programmschiene bezieht. Auch mit jungen Medienmachern gibt es Kooperationen.

An redaktionellen Inhalten besteht bei den beiden Sendern immer Bedarf: Im Newskanal von passengertv ist maximal 25% Werbung zulässig. Das Angebot umfasst News zu Sport, Politik, Wirtschaft, Wetter und Kultur. Zudem werden Liveticker von Sportveranstaltungen und zu anderen Großereignissen produziert. Weiterhin gibt es interaktive Elemente, mit denen die Zuschauer eingebunden werden, etwa Foto-Mitmachaktionen. Auch gasstationtv setzt auf redaktionelle Inhalte. Der Kanal wurde Anfang 2017 gestartet. Zuvor war das rein mit Werbeinhalten arbeitende Netzwerk „Salescreen“ gekauft und dann technisch und inhaltlich modernisiert worden.

Generell setzen die Fahrgast-TV Anbieter in DACH in den vergangenen Jahren auf redaktionelle Inhalte. Dazu gehört die Übernahme von Inhalten großer Medien: In den von der Berliner mc R&D GmbH betriebenen Programmen Berliner Fenster und Münchner Fenster laufen Inhalte von Verlagshäusern (B.Z., Axel Springer beziehungsweise Süddeutsche Zeitung, Süddeutscher Verlag), privaten oder öffentlich-rechtlichen TV-Sendern (N24 beziehungsweise Bayerischer Rundfunk) und weiteren Medien (Kicker). Auch bei diesen beiden Schwestersendern wurde in den vergangenen Jahren das Angebot um exklusive Inhalte erweitert, etwa in Form einer länger bestehenden und kürzlich erneut ausgeweiteten Kooperation mit der re:publica.

Fahrgast-TV ist damit in redaktioneller Hinsicht in DACH ein weiterhin besonders innovatives Medium, das gegenüber den Portalen mancher Verlage deutlich frischere Ansätze bietet. Aufgrund der Besonderheiten des Mediums – Newsbeiträge müssen besonders auf den Punkt kommen und die „kurze Form“ nutzen – besteht bei den Anbietern Bedarf an der Produktion eigener Inhalte oder der Bearbeitung eingekaufter Inhalte.

Zudem stehen zumindest in Deutschland und der Schweiz auch die großen Media Owner mit einem Bein in der Tür. So ist JCDecaux scharf auf Fahrgast-TV. In Bern gibt es einen entsprechenden Piloten mit der dortigen Nahverkehrsgesellschaft, in Lausanne ist APG|SGA (an der JCDecaux eine maßgebliche Beteiligung hält) mit TrafficMediaScreen seit Ende 2015 auf Sendung. Auch in Berlin will JCDecaux künftig im Fahrgast-TV mitmischen. Es wird sich zeigen, ob man dort im mc R&D-Stammland Erfolg haben wird.

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