Digital Signage am Schaufenster

Zwischen Faszination und Herausforderung

- Digital Signage im Schaufenster ist weiterhin eine große Herausforderung – sowohl technischer Natur als auch rechtlich. Mit High-Brightness Displays lassen sich auch bei widrigen Umständen – starke Sonneneinstrahlung, große Reflexionen und UV-beschichtete Glasscheiben – brillante Bilder anzeigen. Doch welche Lösungen gibt ist, wenn der Einzelhändler mehr möchte, Storytelling an der Fassade? von Florian Rotberg

Store Front Signage bei Sephora (Foto: invidis)

Store-Front Signage bei Sephora (Foto: invidis)

Halbtransparte LED sind für klassische Schaufensteranwendungen keine Alternativen. Die Konstruktion ist aufwändig und die Sichtbarkeit direkt vor dem Schaufenster stark eingeschränkt. Für ein Autohaus in Entfernungen von 50m und mehr – zum Beispiel an einer stark befahrenen Einfallsstraße – kann LED eine brauchbare Technologie sein.

Eine Alternative für Premium-Standorte könnten Smart Film (schaltbare Folien) sein. Die Technologie ist den meisten Lesern aus dem ICE 3 bekannt, bei dem die Glasscheibe zum Führerstand von klar auf Opaque geschaltet werden kann. Doch nicht nur im ICE findet die Technologie Einsatz, auch Boeings 787 Dreamliner nutzt die Technologie um die Lichtdurchlässigkeit von Fenster elektrisch zu steuern. Good-bye Window-Shades.

Doch kann die Technologie Smart-Film (Schaltbare-Folien) auch für Digital Signage eingesetzt werden? Wir haben uns umgehört und ein paar faszinierende Videos und Bilder gefunden. Alleine die volle Überzeugung fehlt uns ob ein technisch zuverlässiger und wirtschaftlich sinnvoller Einsatz möglich ist. Unsere Recherche haben bisher sehr gemischte Erfahrungen hervorgebracht. Kaum einer der von uns interviewten Systemintegratoren würde die Smart-Film zurzeit empfehlen.

Filmhersteller versprechen oft mehr als die Technologie liefern kann. Die folgende Smart-Film Beispiel im Video sehen gut aus, wir konnte aber nicht verifizieren, ob sie je realisiert wurden (Projektoren sind nicht sichtbar etc)

Folgend ein Beispiel eines Audi-Showrooms mit Smart Film bzw Smart Glass

Folgende Herausforderungen bei Smart-Film verhindern zurzeit eine größere Verbreitung:

  • limitierte Transparenz im Off-Zustand. Auch wenn technisch 95% Transparenz möglich ist. wirken Farben der Produkte / Visual Merchandise sichtbar matt
  • bei Tageslicht – insbesondere Sonnenlicht – sind (Rück)Projektionen auf Smart-Film der LCD/LED-Technologie in Bezug auf Kontrast und Brillanz unterlegen
  • Stromversorgung und technische Zuverlässigkeit
  • der WoW-Effekt ist am Abends und Nachts am größten, nur sind dann die wenigsten Kunden unterwegs
  • allgemeine rechtliche Hürden bei großformatigen Projektionen im Schaufenster

Wohlmöglich ist Smart Glass – eine im Glas integrierter Smart Film – die zuverlässigere Alternative. Wir haben bereits auf der Expo Milano 2015 faszinierende Pilotinstallationen der japanischen Asahi Glass (AGC) erleben dürfen. Die Japaner beschäftigen sich schon seit vielen Jahren mit innovativen Digital Signage-Anwendungen jenseits des 16:9 Displayglasses. Aber auch die US-amerikanische Corning mit ihrer 2011er Digital Signage Vision (invidis Bericht mit Video) oder die Mainzer Schott treten immer wieder mit Digital Signage relevanten Innovationen auf.

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