Vor Ort

Trübe Aussichten für Digital Signage?

Eine Installation des Deutschen Wetterdienstes in München beweist: Nur ein Display hinstellen reicht nicht aus, wenn man Digital Signage mit Mehrwert anbieten will. Man muss die vorhandenen Potenziale ausschöpfen.
Leider nicht viel Durchblick mit Digital Signage an der Wetterstation – woran liegt es? (Foto: invidis)
Leider nicht viel Durchblick mit Digital Signage an der Wetterstation – woran liegt es? (Foto: invidis)

Ende Juli 2021: An der Kreuzung Helene-Weber-Alle und Dachauer Straße in München werden Passanten auf eine Ansammlung interessant aussehender Geräte hinter einem Metallzaun aufmerksam. Und auch ein Digital Signage-Display steht dabei. Darauf zu sehen ist eine Wetterkarte. Und auf der Stele eine Aufschrift, die darauf hindeutet, dass hier der Deutsche Wetterdienst eine Niederlassung betreibt.

Doch was genau hier zu sehen ist, darüber informiert das Display nicht. Erst ein gedrucktes Schild daneben gibt Auskunft: Es handelt sich um eine Messstation, die Instrumente erfassen Daten wie Sonneneinstrahlung, Temperatur, Schneehöhe und mehr und senden diese an die Zentrale in Offenbach. Dort werden sie überprüft, aufbereitet und in die Datenbank eingespeist.

Doch das alles erfährt man nicht über den Digital Signage-Screen. Stattdessen werden hier Standard-Wetterdaten für ganz Deutschland angezeigt. Ohne Erklärung. Ohne Wert. Denn für diese Art von Informationen reicht ein kurzer Blick auf das Smartphone.

Vertane Chance?

Hier regt sich sogleich Ärger im Digital Signage-Experten: Was für eine vergebene Chance ! Die teilweise futuristisch anmutenden Messinstrumente machen neugierig. Warum diese nicht vorstellen und erklären? Warum nicht die Daten, die direkt hier gemessen werden, anzeigen? Eine perfekte Möglichkeit, Passanten auf die Arbeit des Wetterdienstes aufmerksam zu machen und diese mit Lokalbezug zu erklären – vertan.

Die angezeigten Informationen liefern nicht genug Mehrwert. (Foto: invidis)
Die angezeigten Informationen liefern nicht genug Mehrwert. (Foto: invidis)

Es ist ein klassisches Beispiel für schlecht eingesetztes Digital Signage. Die Stele, für Außenanwendungen fit gemacht, hat sicherlich viel Geld gekostet, doch Mehrwert liefert sie nicht.

Das Paradoxe: Eine kurze Recherche im Nachhinein deutet darauf hin, dass genau das – die hier gesammelten Daten in Echtzeit angezeigt – zumindest früher einmal auf den Schirmen gelaufen ist. Doch warum jetzt nicht mehr? Oder laufen diese Daten irgendwann auf dem Screen und man war zu ungeduldig?

Beide Fälle nicht optimal

Wenn die Daten jetzt nicht mehr laufen, dann zeigt das: Bei solchen Projekten muss auch immer darauf geachtet werden, dass der Content passend zur Aufenthaltsdauer stimmt. Dann ist Digital Signage mehr als kurzfristiges Aufmerksamkeitsgehasche, sondern bietet langfristig Mehrwert.

Das Schild gibt mehr Auskünfte als der Digital-Signage-Screen. (Foto: invidis)
Das Schild gibt mehr Auskünfte als der Digital-Signage-Screen. (Foto: invidis)

Sollte die zweite Möglichkeit der Fall sein, ist es auch nicht optimal: Wenn der halbwegs Interessierte schon sich abwendet, wie sieht es dann mit dem durchschnittlichen Passanten aus? Auch in diesem Fall müsste an der Content-Ausspielung deutlich gearbeitet werden.

Hinzu kommt, dass kein besonders sonnenlicht-taugliches Display eingesetzt wurde, das auch bei Sonnenschein gut zu sehen ist. Wenn der Deutsche Wetterdienst sich eine digitale Stele leistet, sollte sie für Wetter aller Art gerüstet sein.

Vor Ort: Digital Signage vorbildlich | invidis