Die „Litfaßsäule 4.0“ soll unabhängiger Informationskanal für Stromausfälle werden. Sie soll funktionsfähig bleiben, wenn Mobilfunk, Internet oder Fernsehen ausfallen. Gemeinsam mit Außenwerber Ströer und der TU Darmstadt entwickelt dieses Konzept seit Oktober 2023 das Loewe-Zentrum Emergencity. Jetzt wurde ein Prototyp auf dem Riegerplatz in Darmstadt in Betrieb genommen.
Mit LED-Aufsatz und PV-Modulen
Die Litfaßsäule 4.0 erweitert das klassische Kapitell durch einen neuen Aufsatz mit drei LED-Displays, die Warnungen und Informationen von Behörden anzeigen. Die digitale Anzeige wird durch eine Methanol-Brennstoffzelle betrieben, während zwei Photovoltaikmodule den Stand-by-Betrieb des Empfängers ermöglichen. Die Feuerwehr kann die Säule per Funk ansteuern. Bei einem Stromausfall bleibt sie bis zu 72 Stunden funktionsfähig. Zukünftig soll sie in das Modulare Warnsystem des Bundes integriert werden.
Seit 2020 erforscht das Loewe-Zentrum Emergencity, wie resiliente Informations- und Kommunikationssysteme die Katastrophenvorsorge verbessern können. Großflächige, langanhaltende Stromausfälle sind selten, aber mögliche Bedrohungen durch Naturkatastrophen, geopolitische Konflikte und die zunehmende Digitalisierung machen kritische Infrastrukturen anfälliger. Bei längeren Stromausfällen fallen Mobilfunknetze, Festnetztelefonie, Internet und Fernsehen aus, da ihre Notstromversorgung nicht ausreicht. Dadurch stehen sie für die Krisenkommunikation nicht mehr zur Verfügung.

Litfaßsäule als Medium der Wahl für Krisen
Joachim Schulze, Architekt und Wissenschaftler bei Emergencity, hatte die Litfaßsäule als geeignetes Medium für resiliente Informationssysteme identifiziert. „Die in Städten gleichmäßig verteilten Säulen bieten einige Vorteile: Sie gehören zum Stadtbild, allein 155 gibt es in Darmstadt, deutschlandweit sind es rund 65.000. Im Gegensatz zu anderen digitalen Außenmedien befinden sie sich in Wohnquartieren, in der Kernstadt nur 300 Meter zu Fuß entfernt“, sagt Joachim Schulze.
„Seit jeher war es die Aufgabe der Litfaßsäule, Bürger:innen über Amtsmitteilungen oder wichtige und dringende Nachrichten zu informieren,“ sagt Alexander Stotz, CEO Ströer Media Deutschland. „Durch die neue Möglichkeit der digitalen Darstellung der Motive können Außenmedien in Echtzeit kommunizieren. Sie übernehmen daher heute immer mehr zusätzliche Aufgaben und zählen durch die Anbindung an das Warnsystem des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe mittlerweile zur Warn- und Sicherheitsinfrastruktur im öffentlichen Raum.“
In den nächsten sechs Monaten sollen Wissenschaftler von Emergencity und dem in Gründung befindlichen Anwender- und Transferzentrum Digital Resilience Xchange an der TU Darmstadt untersuchen, wie die Litfaßsäule 4.0 von den Stadtbewohnern angenommen wird. Geplant sind Umfragen, Zählungen und Mensch-Computer-Interaktionsstudien. Weitere Tests erfolgen gemeinsam mit Ströer, der Feuerwehr, der Wissenschaftsstadt Darmstadt und der Darmstadt Marketing GmbH, die ebenfalls Projektpartner sind.