Nachdem Ströer 2024 erstmals einen Gesamtumsatz über zwei Milliarden Euro hinlegen konnte, verbessert sich der deutsche Medienriese noch einmal leicht und kommt auf einen Umsatz von 2,075 Milliarden Euro im Jahr 2025. Das bereinigte EBITDA stieg auf 626 Millionen Euro.
Auch wenn die Geschäftszahlen vorläufig sind und erst Ende März die endgültigen Ergebnisse feststehen: Das starke Auftreten des OoH-Markts über das vergangene Jahr hinweg spiegelt sich in der Performance des größten deutschen Außenwerbers wider – trotz einer wirtschaftlich angespannten Situation.
Denn auch das Geschäftssegment OoH-Media konnte laut Ströer mit 989 Millionen Euro einen neuen Umsatzrekord stellen. DooH erwirtschaftete rund 400 Millionen Euro – wobei der Anteil im Vergleich zu Analog-OoH sich auf rund 40 Prozent hielt – eine auffällige Zahl, war doch die vergangenen Jahre DooH stets der große Wachstumstreiber.
Aus Prestigesicht war das DooH-Highlight im vergangenen Jahr die Inbetriebnahme von The Whale, dem größten DooH-Screen Deutschlands, der in diesem Jahr in die Regelvermarktung ging.
Von OoH+ zum AI-Plattform-Business
Die wichtigste Entwicklung für Ströer findet zur Zeit im Hintergrund statt. Ströer will sich (erneut) neu erfinden – weg von OoH+, hin zu einer AI-Plattform. Das Unternehmen ist überzeugt, dass AI das Potenzial der bestehenden Ressourcen – nationale Reichweite, enge Kundenbeziehungen, umfangreiche Datensätze und eines der größten digitalen Werbenetzwerke Europas – voll ausschöpfen wird.
Kooperation mit Apple Music: Ritter Sport auf Ströers The Whale
Ströers Zukunft basiert auf einer Plattformlogik – der Integration bisher isolierter Medienprodukte in ein AI-gestütztes Angebot. Dieses Modell ermöglicht es Ströer, über den kommenden „Ströer Ad Manager“ automatisch personalisierte Kampagnen für lokale KMU und nationale Werbetreibende zu planen und generieren. Für Planung und Erfolgsmessung soll die AI-basierte Analysesuite „Public Mind“ klar definierte KPIs in die Außenwerbebranche einführen und so für mehr Transparenz und Verantwortlichkeit sorgen.
Im Bereich der lokalen Werbung soll AI Ströer ermöglichen, Medienprodukte dynamisch nach Anlass, Ort, Zeit und Budget zu konfigurieren und entweder per Self-Service oder Managed Services bereitzustellen. Mit rund 50.000 bestehenden lokalen Werbekunden und mehr als 3 Millionen KMU in Deutschland als potenziellen Kunden ist das Wachstumspotenzial beträchtlich.
Mehr Effizienz
Nach CEO Udo Müller sind hier US-amerikanische Digital- und DooH-Player das Vorbild, die „Self-Booking im digitalen Performance-Geschäft bereits zum Standard gemacht“ haben. Ströer sieht seinen zukünftigen Wettbewerbsvorteil im Angebot einfacher, zielorientierter und automatisierter Einkaufsprozesse.
Der Umstieg auf AI wird auch die internen Prozesse von Ströer verändern. Intelligentes Ertragsmanagement verspricht eine effizientere Nutzung des digitalen Inventars, während die Automatisierung die Produktivität steigert, ohne die Mitarbeiterzahl proportional zu erhöhen. Dieser Wandel soll in den nächsten drei bis fünf Jahren die Margen verbessern, die Kapitaleffizienz steigern und den freien Cashflow stärken – was angesichts einer gebremsten DooH-Wachstumsentwicklung ins Bild der aktuellen Investorensuche von Ströer passt.
Um die Transformation zu beschleunigen, hat Ströer Sven Scheffler mit Wirkung zum 1. März 2026 zum ersten CTO der Gruppe ernannt. Sein Auftrag: die technologische Infrastruktur aufzubauen, die Ströers Mediennetzwerk in ein skalierbares, AI-basiertes Plattformgeschäft verwandelt.

