Liebe invidis-Leser,
die Welt nach der Pandemie hat nicht die lang ersehnte Rückkehr zur Stabilität gebracht. Anstelle von Ruhe befinden wir uns in einer Phase zunehmender Umbrüche. Geopolitisch ist die Welt in Turbulenzen geraten. Wirtschaftlich ist Gewissheit Mangelware geworden. Technologisch erleben wir Veränderungen, die mitunter tektonische Ausmaße annehmen. Digital Signage steht, wie viele andere Branchen auch, nicht mehr am Rande dieser Entwicklungen, sondern mitten im Zentrum.
Wir leben in einer Gesellschaft, die viele als „Polykrisengesellschaft“ bezeichnen – einem Zustand, in dem sich mehrere Umbrüche überschneiden, gegenseitig verstärken und linearen Lösungen entziehen. Künstliche Intelligenz, Cybersicherheit, Klimaereignisse, geopolitische Fragmentierung, neue Dienstleistungsmodelle und sich wandelnde Kapitalmärkte entwickeln sich nicht mehr unabhängig. Sie prallen aufeinander. Und in diesem Umfeld haben sich Digital Signage, DooH und Retail-Media-Netzwerke zu dynamischen Instrumenten für eine Welt in ständiger Bewegung entwickelt: Sie informieren, leiten, kontextualisieren und automatisieren die Kommunikation in großem Maßstab zunehmend.
Nach mehr als einem Vierteljahrhundert Digital Signage ist die Branche eindeutig erwachsen geworden. Was einst eine Nischenbranche war – oft als „nice-to-have“-Ergänzung des Marketings oder der Unternehmenskommunikation positioniert –, hat sich zu einer geschäftskritischen Infrastruktur entwickelt. Bildschirme sind heute nicht mehr nur Randerscheinungen. Sie stehen an der Schnittstelle von IT, Betrieb, Marketing, Daten und Sicherheit. Ausfallzeiten sind nicht mehr nur ein Ärgernis, sondern ein Geschäftsrisiko. Stabilität, Governance und Ausfallsicherheit sind wichtiger als Neuartigkeit.
Diese Reifung spiegelt sich in der Struktur der Branche wider. Nationale Marktführer schließen sich mit globalen Konzernen zusammen. Anbieter, Integratoren und Softwarehersteller vergrößern, professionalisieren und industrialisieren ihre Geschäftstätigkeit. Managed Services sind nicht mehr nur eine strategische Option, sondern eine Notwendigkeit. Digital Signage passt sich der Unternehmens-IT an – nicht weil es will, sondern weil es muss.
Vor diesem Hintergrund haben wir „NextGen Signage“ als Leitthema für den DSS und das invidis Jahrbuch 2026 gewählt, das am Mittwoch exklusiv für die Teilnehmer des DSS veröffentlicht wird.
Bei „NextGen“ geht es nicht nur um die nächste Display-Technologie. Es geht um das nächste Betriebsmodell. Das invidis Jahrbuch 2026 beleuchtet die neuesten Entwicklungen in den Bereichen Märkte, LED- und LCD-Technologien, KI, Cybersicherheit und Softwareplattformen – wobei der Fokus bewusst auf den sich wandelnden Rollen innerhalb der IT-Landschaften von Unternehmen liegt. Wer führt und wer folgt, wird nicht mehr durch traditionelle Positionen bestimmt. Einfluss ist dynamisch geworden. Die Machtverhältnisse zwischen Hardware-Anbietern, Software-Plattformen, Integratoren und internen IT-Abteilungen verschieben sich je nach Anwendungsfall, Umfang und Risikoprofil.
Digital Signage bewegt sich – manchmal unbequem – von der Digitalisierung über die Automatisierung hin zu zunehmender Autonomie. KI unterstützt nicht mehr nur Arbeitsabläufe, sondern beginnt, diese auszuführen. Inhalte reagieren auf den Kontext. Systeme optimieren sich selbst. Netzwerke lernen. Damit gehen Chancen einher – aber auch Verantwortung. Governance, Sicherheit und Transparenz werden zu entscheidenden Erfolgsfaktoren. In diesem Umfeld zählt Reife mehr als Geschwindigkeit.
Dieses Jahr markiert auch einen persönlichen Meilenstein. invidis consulting wurde vor 20 Jahren gegründet. Seitdem haben wir es als große Freude – und Verantwortung – empfunden, der Branche einen der wohl weltweit umfassendsten und unabhängigsten Überblicke über Digital Signage und die dahinterstehenden Technologien zu bieten. Jede Ausgabe des Jahrbuchs erinnert daran, dass Fortschritt selten linear verläuft, dass Hype vergeht und dass Grundlagen Bestand haben.
Unser aufrichtiger Dank gilt unseren Partnern und Werbekunden, deren Unterstützung diese Publikation erst möglich macht, sowie den mehr als 100.000 Lesern weltweit, die sich jedes Jahr mit dem invidis-Jahrbuch beschäftigen. Ihr Vertrauen ist für uns sowohl Motivation als auch Verpflichtung.
Im Zeitalter der KI sind Informationen reichlich vorhanden und leicht zu generieren. Erkenntnisse hingegen sind es nicht. Bei invidis war es nie unsere Mission, Schlagzeilen zu jagen, sondern Informationen zu bewerten, Narrative zu hinterfragen und Entwicklungen in die richtige Perspektive zu rücken. Der Kontext zählt. Erfahrung zählt. Und Werte, die sich langfristig bewähren, zählen mehr denn je.
Wir wünschen Ihnen viel Spaß auf dem DSS und mit dem invidis-Jahrbuch 2026 – NextGen Signage. Es ist geschrieben für eine Branche, die erwachsen geworden ist – und immer noch dazulernt.
Herzliche Grüße
Florian Rotberg und das invidis-Team


