Die Idee klang überzeugend: Jede Ladesäule wird zum digitalen Kontaktpunkt. Jede Ladepause schafft Raum für Kommunikation. Jeder Fahrer gilt als potenzieller Werbekontakt. Kurzzeitig schien E-Mobilität das nächste große Wachstumsfeld für Digital-out-of-Home zu sein.
Die Realität fällt deutlich nüchterner aus. Abgesehen von einzelnen Anbietern wie Jolt in Australien haben sich große Werbedisplays an Ladesäulen nicht durchgesetzt. Die meisten Ladepunkte erfüllen vor allem ihren Zweck. Sie liefern Strom, bleiben aber oft unscheinbar.
Doch der Markt entwickelt sich weiter. Führende Betreiber betrachten Ladesäulen nicht länger als einzelne Hardware-Komponenten. Sie gestalten komplette Orte rund ums Laden.
BMW-Welt als urbane Lade-Oase
Ein gelungenes Beispiel steht direkt vor der BMW-Welt in München. Das Designstudio BMW Group Designworks entwickelte dort einen Schnellladepark, der den Ladevorgang bewusst in Szene setzt.
- Design der Ladeparks in München vor der BMW-Welt (Foto: Designworks)
- Design der Ladeparks in München vor der BMW-Welt (Foto: Designworks)
Gestalterisch heben sich die Ladeparks deutlich von klassischen Tankstellen ab. Die skulpturalen Ladeelemente spenden Schutz, erleichtern die Orientierung und schaffen einen hohen Wiedererkennungswert.
Dabei geht es um mehr als Stromversorgung. BMW wollte einen Ort schaffen, der zur Architektur der BMW-Welt passt und die Marke sichtbar macht.
Eine zentrale Rolle spielt das Lichtkonzept. Sensoren erkennen herannahende Fahrzeuge. LED-Animationen begleiten Fahrer vom Eintreffen bis zur Abfahrt. Die Anlage reagiert auf Nutzer, gibt Orientierung und kommuniziert den Betriebsstatus. Fahrzeuge laden mit bis zu 400 Kilowatt. Gleichzeitig soll die Atmosphäre dazu einladen, noch ein wenig zu verweilen.
Auch die Umgebung gehört zum Konzept. BMW wandelte versiegelte Flächen in eine offene, begrünte Landschaft um. Bäume blieben erhalten. Kies- und Grünflächen verbessern die Versickerung von Regenwasser. Naturstein aus der Isarregion und Terrazzo verankern das Projekt im lokalen Umfeld.
Zudem nutzt BMW die Abwärme: Sie fließt in den Boden und hilft im Winter gegen Eisbildung. Das Detail zeigt den Anspruch des Projekts: Der Ladepark soll nicht nur Energie liefern, sondern Komfort und Sicherheit bieten.
Electra setzt auf Sichtbarkeit durch Screens
Der französische Ladeinfrastrukturbetreiber Electra setzt stärker auf digitale Kommunikation. Mit dem Konzept „Electraline“ entwickelt das Unternehmen Ladeparks, die Architektur, LED-Technik und Serviceangebote verbinden.
Das Problem vieler Schnellladestandorte: Fahrer übersehen sie leicht. Anders als Tankstellen sind Ladeparks häufig kaum sichtbar.
Electra begegnet diesem Problem mit LED-Displays an Stützen und Totems. Die Screens zeigen relevante Informationen wie Kilowattstundenpreise, verfügbare Ladepunkte, reservierte Stellplätze und aktuelle Ladeleistung.
- Electra setzt auf Sichtbarkeit durch ansprechende Designs. (Foto: Electra)
- Electra setzt auf Sichtbarkeit durch ansprechende Designs. (Foto: Electra)
- Electra setzt auf Sichtbarkeit durch ansprechende Designs. (Foto: Electra)
Für Digital Signage ist das ein deutlich überzeugenderes Einsatzfeld als klassische Werbung. Die Displays unterstützen den Ladevorgang unmittelbar. Sie erleichtern die Orientierung, erhöhen die Sichtbarkeit des Standorts und schaffen Vertrauen während des Ladens.
Gerade in Städten entsteht daraus ein konkreter Mehrwert. Wer unter Zeitdruck steht oder einen freien Ladeplatz sucht, benötigt vor allem klare Informationen.
Zusätzlich integriert Electra schattige Aufenthaltsbereiche, Sitzgelegenheiten und flexibel skalierbare Stationskonzepte. Der Ladestopp soll sich weniger wie eine Wartezeit anfühlen und eher wie eine kurze Pause mit praktischem Nutzen.
Laden im Gebäude in den USA
In den USA testet Electrify America einen anderen Ansatz. Das Unternehmen betreibt in San Francisco einen Lade-Hub mit 20 Hyperchargern in einem geschlossenen Gebäude.
Die Anlage bietet rund um die Uhr Zugang sowie Videoüberwachung und Sicherheitsdienste. Hinzu kommen klimatisierte Aufenthaltsbereiche, Verkaufsautomaten, Sanitäranlagen und WLAN.
- Electrify America will zum Bleiben einladen. (Foto: Electrify)
- Electrify America will zum Bleiben einladen. (Foto: Electrify)
- Electrify America will zum Bleiben einladen. (Foto: Electrify)
- Electrify America will zum Bleiben einladen. (Foto: Electrify)
Gerade in dicht bebauten Innenstädten löst das Konzept mehrere Probleme gleichzeitig. Fahrer profitieren von Wetterschutz, höherem Sicherheitsgefühl und zusätzlichem Komfort. Zudem zeigt das Beispiel, wie sich Ladeinfrastruktur zunehmend mit Retail, Mobilitätsangeboten und Serviceflächen vernetzt.
Was kann Digital Signage daraus lernen?
Die ursprünglichen Erwartungen an Digital Signage im Ladeumfeld waren zu stark von Werbung geprägt. Viele gingen davon aus, dass Ladezeit automatisch Aufmerksamkeit schafft.
Doch Laden ist kein klassischer Medienmoment. Fahrer möchten vor allem wissen, ob ein Ladepunkt frei ist, was der Strom kostet und wie der Ladevorgang funktioniert. Transparenz, Sicherheit und einfache Bedienung stehen im Vordergrund.
Erfolgreiche Konzepte nutzen Displays deshalb als Teil der Customer Journey. Bildschirme übernehmen die Wegführung, zeigen Statusinformationen an und stärken die Markenwahrnehmung. Werbung kann weiterhin eine Rolle spielen. Sie darf jedoch die zentrale Aufgabe nicht beeinträchtigen: Laden einfach, transparent und komfortabel zu machen.










