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M&A

Investoren planen Übernahme von Ströer

Berichten zufolge bereiten sich die auf Infrastruktur spezialisierten Investoren I Squared Capital und Infravia Capital Partners darauf vor, die Kontrolle über Ströer zu übernehmen. Sollte der Deal zustande kommen, könnte Deutschlands größtem Out-of-Home Anbieter eine strategische Neuausrichtung auf sein Kerngeschäft bevorstehen.
The Whale von Ströer am Hamburger Hauptbahnhof (Foto: invidis)
The Whale von Ströer am Hamburger Hauptbahnhof (Foto: invidis)

Die langjährigen Spekulationen über die künftigen Eigentumsverhältnisse bei Ströer scheinen in eine entscheidende Phase zu treten. Wie das „Manager Magazin“ berichtet, haben sich die Infrastruktur-Investoren I Squared Capital und Infravia Capital Partners mit den beiden größten Aktionären von Ströer geeinigt und stehen kurz davor, die Kontrolle über die Kölner Mediengruppe zu übernehmen.

Weder Ströer noch die potenziellen Käufer äußerten sich zunächst zu den Berichten. Die jüngsten Entwicklungen deuten jedoch darauf hin, dass für einen der einflussreichsten europäischen Außenwerbe-Anbieter bald ein neues Kapitel beginnen könnte.

Investoren streben Kontrolle an, nicht zwingend die Aktienmehrheit

Den Berichten zufolge plant Firmengründer-Sohn Dirk Ströer den Verkauf seines gesamten Anteils von 20 Prozent, während CEO Udo Müller voraussichtlich beteiligt bleiben und nur einen Teil seines rund 24-prozentigen Aktienpakets veräußern wird. Durch eine Aktionärsvereinbarung könnten die Investoren die Kontrolle über das Unternehmen faktisch auch ohne eine Aktienmehrheit von über 50 Prozent erlangen.

Die kolportierte Transaktion bewertet Ströer mit rund 2,5 Milliarden Euro. Dies entspricht zwar einem Aufschlag von etwa 20 Prozent gegenüber dem jüngsten Marktwert, liegt jedoch deutlich unter den Bewertungen, die bei früheren Übernahmegesprächen im Raum standen. In den vergangenen zwei Jahren hatte Ströer mit verschiedenen Finanzinvestoren – darunter Blackstone, Hellman & Friedman und KKR – verhandelt und dabei Berichten zufolge allein für das Out-of-Home Geschäft eine Bewertung von 4 Milliarden Euro gefordert.

Im Kern soll Ströer wieder ein Out of Home Anbieter werde

Der Kölner Konzern dominiert den deutschen Markt für analoge und insbesondere digitale Außenwerbung. Die OoH-Sparte erwirtschaftet fast die Hälfte des Konzernumsatzes und bleibt das profitabelste sowie strategisch wichtigste Standbein des Unternehmens.

Gleichzeitig hat Ströer über Jahre hinweg seine Aktivitäten über die traditionellen Wurzeln hinaus ausgeweitet. Durch eine Reihe von Übernahmen hat das Unternehmen ein breit gefächertes Portfolio aufgebaut, das digitale Publikationen, Online-Werbung, Marktanalysen und Konsumgüter umfasst. Beteiligungen wie T-Online, Statista und Asambeauty haben Ströer von einem reinen Werbeunternehmen in einen breit aufgestellten Medien- und Dienstleistungskonzern verwandelt.

Diese Diversifizierung hat Investoren nicht immer überzeugt. Kritiker bemängeln seit Langem, dass einige der Randgeschäfte des Konzerns die Komplexität erhöhen, ohne einen proportionalen Beitrag zur Unternehmensbewertung zu leisten.

Infrastrukturinvestoren sehen Chancen im digitalen Außenwerbegeschäft (DooH)

Das bekannt gewordene Interesse von I Squared Capital und Infravia überrascht kaum. Beide Firmen sind auf Infrastrukturinvestitionen spezialisiert; DooH-Netzwerke bieten – ähnlich wie Mobilfunkmasten, Glasfasernetze oder Energieinfrastruktur – stabile Cashflows auf Basis langfristiger Verträge.

DooH boomt in Deutschland, Europa und weltweit. Die Digitalisierung hat jedoch ihren Preis: Der Ausbau hochwertiger digitaler Netzwerke erfordert erhebliche Investitionen in Hardware, Software und Infrastruktur. Der Zugang zu langfristigem Kapital könnte Ströers digitale Ambitionen daher auf eine Weise beschleunigen, die für ein eigenständiges börsennotiertes Unternehmen schwieriger zu realisieren wäre.

Udo Müller bleibt eine Schlüsselfigur

Aus Branchenkreisen, auf die sich das „Manager Magazin“ beruft, verlautet, dass die potenziellen Käufer großes Interesse daran haben, Müller im Unternehmen zu halten. Er gilt als die Führungskraft mit der größten Marktkenntnis und den besten Branchenkontakten. Erst vor wenigen Wochen hatte Mitgründer Udo Müller wieder die operative Führung des Unternehmens übernommen, nachdem Co-CEO Christian Schmalzl und der Finanzvorstand (CFO) das Unternehmen verlassen hatten.

Ob die kolportierte Transaktion tatsächlich zustande kommt, bleibt abzuwarten. Doch nach Jahren wiederkehrender Übernahmegerüchte deuten die jüngsten Berichte darauf hin, dass Ströer dem Ziel, das sich viele Investoren stets gewünscht haben, näher denn je ist: der Pure-Play Out-of-Home Marktführer.