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Retail

Ein Supermarkt, der (noch) auf E-Paper verzichtet

Singapur | E-Paper gilt als vielversprechend für die Kommunikation am Point of Sale, bleibt aber teuer und funktional limitiert. Die Supermarktkette Sheng Siong setzt stattdessen auf kompakte LCD-Displays.
Kleine LCD-Displays als Regaletiketten in einem singapurischen Supermarkt (Foto: invidis)
Kleine LCD-Displays als Regaletiketten in einem singapurischen Supermarkt (Foto: invidis)

Ein Zwischenstopp in Singapur gehört für das invidis-Team bei vielen Asien-Reisen dazu. Im Anschluss an die Infocomm Asia in Bangkok bot sich in dem Stadtstaat die Gelegenheit, Retail-Konzepte abseits der bekannten Flagship-Stores zu besichtigen. Neben Seoul zählt Singapur weiterhin zu den spannendsten Märkten für Retail-Innovation in Asien.

Ein Ziel auf der Agenda war The Cathay, ein Einkaufszentrum nahe Dhoby Ghaut in der Nähe der Orchard Road. Das Center zählt nicht zu den neuesten, hat durch ein umfangreiches Redevelopment-Projekt aber ein frischen Look erhalten. Seit der Wiedereröffnung 2025 zeigen sich in Teilen des Gebäudes jedoch noch Spuren einer schleppenden Vermietung: Mehrere Flächen in den oberen Etagen stehen leer. Aus Digital Signage-Perspektive ist die Neugestaltung dennoch bemerkenswert.

LED-Screen als Mall-Herzstück

The Cathay wurde ursprünglich 1939 als Singapurs erstes klimatisiertes Kino errichtet. Das historische Atrium war für die Renovierung zwei Jahre lang geschlossen und wurde in ein lifestyleorientiertes Retail-Ziel umgewandelt. In seinem Zentrum steht ein auffälliger doppelseitiger LED-Screen, der sich über drei Stockwerke erstreckt. Die Installation dominiert das vergleichsweise kompakte Atrium und hinterlässt einen visuellen Eindruck. Bei großen Sportereignissen wie der Fußball-WM dient der LED-Screen als Anlaufpunkt für Public Viewing.

Eine LED-Wall als zentrale Installation The Cathay (Foto: invidis)
Eine LED-Wall als zentrale Installation The Cathay (Foto: invidis)

Die singapurische Supermarktkette Sheng Siong, die rund 90 Filialen betreibt, ist kürzlich im Untergeschoss eingezogen. Im Vergleich zu europäischen Supermarktstandards wirkt das Format kompakt. Platzmangel gehört für innerstädtische Händler in Singapur zum Alltag, und Sheng Siong begegnet dem mit einem konsequent digitalen Ansatz zur Flächeneffizienz.

LCD-Screens im E-Paper-Mantel

Statt klassischer Digital Signage-Displays, die wertvolle Regal- und Gangfläche beanspruchen würden, setzt der Händler auf tabletgroße, doppelseitige LCD-Screens. Die Displays sind in Aktionsbereichen sowie über Frischetheken, darunter Fleisch- und Fischabteilungen, positioniert. Jeder Screen ist über Barcodes mit Produkt- und Preisinformationen verknüpft, sodass das Personal Inhalte schnell zuweisen und aktualisieren kann.

Auf den ersten Blick wirkt die Lösung verblüffend ähnlich zu E-Paper. Die Displays fungieren in erster Linie als digitale Preisanzeigen und zeigen nur im Kopfbereich dezente Animationen.

Über einen Barcode können Mitarbeiter die Preise abstimmen und aktualisieren. (Foto: invidis)
Über einen Barcode können Mitarbeiter die Preise abstimmen und aktualisieren. (Foto: invidis)

Bei genauerem Hinsehen zeigt sich der Unterschied. Animierte Grafiken, Hintergrundbeleuchtung und eine vergleichsweise massive Halterung mit integriertem Netzteil deuten klar auf LCD-Technologie statt E-Paper hin. Die Täuschung ist jedoch überzeugend genug, dass viele Kunden vermutlich annehmen, E-Paper-Displays vor sich zu haben.

Das Konzept verbindet einen Teil der optischen Schlichtheit von E-Paper mit der Flexibilität und den niedrigeren Anschaffungskosten klassischer LCD-Technologie.

Klein ist das neue Groß

Zudem verdeutlicht das Konzept einen zunehmend sichtbaren Trend im Lebensmittelhandel. Ähnlich wie zuvor bei Amazons stationären Supermärkten beobachtet, setzen Händler verstärkt auf kleinere, zweckgebundene Displays statt auf großformatige Screens am Regal.

In vielen Supermarktumgebungen, insbesondere bei begrenztem Platzangebot, wirkt klassisches Digital Signage schnell überdimensioniert und damit unpraktisch. Regalkommunikation braucht Sichtbarkeit und Flexibilität, aber nicht zwingend große Displays.

Wie so oft bleibt die Herausforderung die Installation. Anders als E-Paper benötigen LCD-Displays weiterhin eine permanente Stromversorgung und sichtbarere Montagelösungen. Das ist unflexibel und bringt zusätzliche betriebliche Anforderungen mit sich.

Bis großformatiges E-Paper deutlich günstiger wird und irgendwann auch reichhaltigere Motion-Content im großen Maßstab liefern kann, könnten Lösungen wie die von Sheng Siong eine praktikable Brücke zwischen heutigen Digital Signage-Installationen und der E-Paper-gestützten Storeumgebung von morgen darstellen.