Weniger Pixelpitch, noch bessere Bildqualität? In manchen Punkten könnte man sagen, dass Directview-LED für Visual Solutions bereits eine reife Technologie ist.
Doch die großen Veränderungen passieren nicht auf der Vorderseite, wo es leuchtet. Vielmehr geht es um die Produktion der LED – und hier stehen in den nächsten Jahren große Umwälzungen an. „Es wird eine Verschiebung geben, weg von Packaged LED, IMD und NIB hin zu Unpackaged COB and COG. Wir stehen vor einer massiven Transformation“, sagte Ted Romanowitz, Head of Professional Displays beim Marktforschungsunternehmen Futuresource, auf dem DSS ISE 2026.
Damit wären hochqualitative LED bereit für Massenproduktion und Standardisierung – und somit deutlich günstiger. Einen ersten Vorgeschmack darauf lieferte der chinesische Hersteller TCL Mitte 2026, als er seine MicroLED-Produkte deutlich im Preis senkte. Dies hatte auch marktstrategische Gründe, doch wird es die Bestrebungen einer günstigeren Massenproduktion nur vorantreiben.
Flip-Chip erringt Mehrheit
Damit einher geht auch die Verbreitung von Flip Chip-LED. Laut einer Berechnung von Futuresource wurde 2025 erstmals mehr Flip-Chip-Technologie als klassische LED verkauft.
Flip-Chip ist effizienter, erzeugt weniger Wärme und bietet eine überlegene Bildqualität – insbesondere bei Schwarzwerten und Auflösung. Langfristig wird im Indoor-DooH-Bereich die Flip-Chip-Technologie in Kombination mit COB, also Chip-on-Board, die dominierende Bauform sein.
Allgemein wird MicroLED auf COB-Basis – wie bei Samsung The Wall – oder CoG-Basis laut Futuresource immer wichtiger. Bis 2029 sollen diese LED-Technologien 57 Prozent Marktanteil im Fine-Pixel-Segment erreichen und die bisher dominierende SMD-Technologie ablösen.
ProAV-Technologie im invidis Jahrbuch
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Im Bereich MicroLED auf COG, also Chip-on-Glass, zeigte LG auf der ISE, wo es hingehen könnte. Der Hersteller präsentierte eine neue Chip-on-Glass Active MicroLED aus der Magnit-Serie. Bei der 136 Zoll großen Wall werden die TFT-basierten einzeln angesteuert, was eine flackerfreie Performance ermöglicht. In Kombination mit einer Variable Refresh Rate von 1.444 Hertz wird das Bild somit besonders fließend.
Die dünne Glaspanel-Struktur ermöglicht zudem eine hohe Schärfe. Laut LG gewährt der ultrapräzise LED-Transfer dem Screen zudem eine lang anhaltende Stabilität.
Neue interessante Lösungen zeigte Planar auf der Infocomm 2026. Die Technologien Everpixel und Trumicro basieren auf einer MicroLED-in-Package-Architektur und wurden entwickelt, um die Zuverlässigkeit, Effizienz, Betrachtungswinkel und Pixeldichte zu verbessern. Das wird unter anderem mit einer Pixel-Redundanz erreicht, da auf der anderen Seite aber das Preisniveau anheben.
Jenseits von ProAV
Auch bei anderen Herstellern wird MicroLED immer mehr ein selbstverständlicher Teil des Portfolios. Und dass die High-End-Produkte nicht nur für Visual Solutions geeignet sind, demonstriert beispielsweise Daktronics. Der Hersteller hat mit der Übernahme von X Display damit begonnen, eine eigene MicroLED-Fertigung in den USA aufzubauen.
Auf der ISE 2026 zeigte Daktronics, wie ein zukünftiges MicroLED-Produkt aussehen könnte: ein COG-Display mit 0,18 Millimetern Pixelpitch, 5,1 Zoll und LED-Chips in der Größe von 13 mal 20 Mikrometern.
Damit ergeben sich neue strategische Möglichkeiten: Für Digital Signage ist diese Auflösung überdimensioniert, aber andere Applikationen bieten Potenzial – etwa in der Automobil- oder Verteidigungsindustrie.
All-in-One-Lösungen beliebt
Parallel dazu erleben vorkonfigurierte All-in-One LED-Systeme seit längerem einen anhaltenden Boom. Mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 42 Prozent soll dieser Markt bis 2029 auf rund 1,3 Mrd. Euro anwachsen. Der Vorteil: eine schnelle und einfache Installation – auch für weniger erfahrene Digital Signage-Integratoren.
Dazu passen diverse Lösungen der Hersteller, um Installationen möglichst zu vereinfachen. PPDS zum Beispiel hat ein neues Online-Tool zur LED-Konfiguration für Endkunden und Systemintegratoren eingeführt. Die Benutzer geben Wandgröße, Helligkeit, Pixelabstand, Montage und andere Parameter ein, und das System wählt automatisch Produkte, Prozessoren, Verkabelung und Steuerungen aus. Am Ende wird ein vollständiger technischer Bericht und eine Stückliste erstellt.
Rollbare MicroLED
Doch gibt es auch Entwicklungen mit Wow-Faktor, die auf ganz neue Anwendungen hinweisen: Eine der auffälligsten Display-Innovationen auf der diesjährigen Touch Taiwan war das aufrollbare MicroLED-Display von AUO. Das 17,3-Zoll-Micro LED-Panel zeichnet sich durch einen extrem kleinen Biegeradius aus, wodurch es sich vollständig aufrollen lässt und sich damit effektiv von den festen Formaten flacher oder gebogener Displays befreit.
Neben seiner mechanischen Flexibilität weist das aufrollbare MicroLED eine ultradünne Bauweise, hohe Helligkeit, einen breiten Farbraum und geringe Reflektivität auf. Die neue Panel-Architektur soll den Weg für völlig neue Digital Signage-Anwendungen und immersive Benutzererlebnisse ebnen, insbesondere dort, wo Platz, Mobilität oder verformbare Oberflächen gefragt sind.
Zugegebenermaßen ist die Erfolgsbilanz von auf rollbaren Displays im Bereich Digital Signage durchwachsen. So hat es beispielsweise das viel beachtete rollbare OLED von LG nie in den Mainstream der Digital Signage-Anwendungen geschafft. Dennoch ist die Faszination für rollbare Screens nach wie vor groß – und der MicroLED Ansatz von AUO wirkt technologisch ausgereifter und anwendungsorientierter.
Der Siegeszug der LED wird also weitergehen – und sich noch einmal beschleunigen, wenn sich die Produktion transformiert.

