Green Signage

„Bei Digital Signage ist Luft nach oben“

Neben der Reduzierung des Energieverbrauchs im Betrieb ist die Verlängerung der Nutzungsdauer der größte Hebel für mehr Nachhaltigkeit. Doch es mangelt in der Branche an Standards, mahnt Sebastian Trabold von CHG-Meridian im invidis-Interview.
Bei anderen Produkten ist die Zweitvermarktung eher etabliert als bei Visual Solutions – Blick in das Technologiezentrum von CHG-Meridian. (Foto: CHG-MERIDIAN)
Bei anderen Produkten ist die Zweitvermarktung eher etabliert als bei Visual Solutions – Blick in das Technologiezentrum von CHG-Meridian. (Foto: CHG-MERIDIAN)

Green Signage ist nicht erst seit der Pandemie einer der großen B2B-Trends in der Digital Signage-Branche. Konzernkunden und vermehrt auch kleinere und mittlere Unternehmen suchen nachhaltige Digitallösungen. Die meisten Green-Signage-Konzepte setzen auf die Reduzierung des CO2-Fußabdrucks. Entweder durch Reduzierung des Stromverbrauchs, der für 80 Prozent der Emissionen verantwortlich ist, oder mittels CO2-Zertifikaten. Jedoch droht insbesondere der Zertifikatsmarkt zu überhitzen und den CO2-Ausgleich zum teuren Luxusgut zu machen.

Doch die Reduzierung der Treibhausgase ist nur ein Nachhaltigkeitsaspekt. Den größten Hebel von Green Signage sehen Experten bei der schonenden Nutzung von Ressourcen. Am besten durch eine lange Nutzungsdauer und Recycling – ganz nach dem Motto „Reduce, Reuse, Recycle.“ Denn Displays und IT-Hardware enthalten seltene Erden und Edelmetalle, die ressourcenschonend genutzt werden sollen.

Green Signage: Nachhaltigkeit wird Pflicht

Technologieunternehmen wie CHG-Meridian beschäftigen sich systembedingt mit Nutzungsdauer und Wiedervermarktung von mobilen Gütern wie Digital Signage-Displays, PCs oder ESL-Label. „Dem Großteil der Integratoren und Beratungshäuser fehlt das Bewusstsein und das Know-how für nachhaltige Konzepte“, erklärt Sebastian Trabold von CHG-Meridian.

CHG-Meridian aus Weingarten finanziert seit vielen Jahren Investitionsgüter wie IT-Elektronik, medizinische Geräte, Industrietechnologien und auch Digital Signage-Hardware. Dabei steigt die Nachfrage nach nachhaltigen Konzepten. „Jedoch müssen die eben auch wirtschaftlich sein. Mit unserem Modell der Kreislaufwirtschaft schonen wir wichtige Ressourcen und schaffen gleichzeitig Kostenvorteile für unsere Kund:innen.“

Sebastian Trabold / CHG Meridian (Foto: Unternehmen)
Sebastian Trabold / CHG Meridian (Foto: Unternehmen)

Vorbild IT-Branche

Spätestens seit der Pandemie – als auf einmal neue Notebooks und Monitore rar wurden –, schoss das Interesse an gebrauchten Geräten in die Höhe. Dabei zeigt sich: Bei schnelldrehenden Elektronikprodukten wie Smartphones oder Notebooks ist die Zweitvermarktung schon eher etabliert als bei Visual Solutions. „Bei Digital Signage ist noch Luft nach oben, wenn es um Zweitvermarktung geht.“

Der Grund liegt in der bisher mangelnden Unterstützung von Visual-Solution-Hardware-Herstellern, den Service auch jenseits der 3 bis 5 Jahre zu verlängern. Heute ist die übliche Nutzungsdauer und somit auch Finanzierung von professionellen Displays auf fünf Jahre limitiert. „Digital Signage Hardware ist keine Commodity, da benötigen wir einen verlängerbaren Service und Ersatzteilversorgung. Es fehlen ein Marktstandard und unabhängig überprüfbare Betriebsdauer-Schnittstellen.“

Solange nur Hersteller und nicht externe Dienstleister die Betriebsdauer und andere KPIs von Displays auslesen können, ist an einen großflächigen Refurbished-Markt nicht zu denken. „Es fehlt am Bewusstsein im Markt für Standards. Daher muss sich der Markt im Sinne der Nachhaltigkeit verändern. Auch wegen der aktuellen Lieferprobleme.“

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