Interview

Digital Signage wird immer interessanter

Kinly ist der weltweit drittgrößte ProAV-Integrator mit ambitionierten Zielen. Der schnellwachsende niederländische Integrator plant 270 Mio. Euro Umsatz in diesem Jahr, trotz Krise und drohender Inflation. Getrieben wird das Wachstum durch die Nachfrage nach Workplace Solutions und Digital Signage. invidis sprach exklusiv mit dem neuen Kinly-CEO Tom Martin.
Tom Martin, CEO von Kinly (Foto: Kinly)
Tom Martin, CEO von Kinly (Foto: Kinly)

In der Digital Signage-Branche ist Kinly bisher kaum bekannt, doch der in den letzten vier Jahren durch Übernahmen entstandene ProAV-Integrator betreut mit 1.150 Mitarbeitern 2.500 Kunden weltweit. Nach Diversified und AVI-SPL sieht sich Kinly als die Nummer 3 im Markt für ProAV-Lösungsanbieter. Der Norweger Tom Martin ist seit Juni CEO bei Kinly, aber bereits seit 15 Jahren bei Kinly beziehungsweise Viju, einem der Gründungsunternehmen von Kinly.

Personalien: Kinly ernennt Tom Martin zum neuen CEO

Kinly plant, installiert und betreibt ProAV-Lösungen für Großkunden, öffentliche Institutionen, aber auch für den gehobenen Mittelstand. Dabei setzt Kinly primär auf Managed Services. „Ich komme aus dem ProAV-Servicebereich und kann mit Stolz sagen, dass es der engagierte Service von Kinly ist, der uns auszeichnet,“ sagt Tom Martin. Insbesondere der Durchbruch von hybriden Arbeitsmodellen stellt Unternehmen seit der Pandemie vor viele neue Herausforderungen, die bis heute größtenteils noch nicht gelöst sind.

„Kunden sind noch dabei herauszufinden, was hybride Arbeit bedeutet“

Dabei ist es unerheblich ob Mittelstand oder Großkonzern, „unsere Kunden sind noch dabei herauszufinden, was hybrides Arbeiten bedeutet“.  In jedem Fall liegt der Fokus auf Video: 80 Prozent der Lösungen, die Kinly zur Zeit plant, drehen sich um Videokonferenz-Lösungen, Collaboration und Unified Communication. Wichtiger und schnellwachsender Anteil ist aber Digital Signage in Unternehmenszentralen, Behörden und Betriebsgeländen.

Kinly setzt dabei weniger auf spezielle Hardware-Lösungen sondern primär auf Managed Services. „Unternehmenskunden wollen sich nicht an einen einzigen Lösungsanbieter binden, sie wollen agnostische Lösungen, um flexibel zu bleiben in künftigen Ausschreibungen.“ Mit dem allgegenwärtigen Trend zur Cloud können auch Lösungen verschiedener Anbieter kostengünstig betrieben werden. Kinly sieht das größte Potenzial bei zentralen Services und Remote Asset Management, weniger bei gemeinsamen kundenspezifischen Softwareoberflächen.

Personalien: Kinly ernennt Tom Martin zum neuen CEO

Es ist komplizierter, als viele IT-Integratoren glauben

Auch Kinly spürt, dass zunehmend mehr IT-Integratoren und Systemhäuser ProAV- und Digital Signage-Lösungen anbieten. Doch die Komplexität wird laut Tom Martin immer noch oft untersachätzt: „ProAV- und Digital Signage-Lösungen funktionieren nicht nach dem in der IT weitverbreiteten Plug-and-Play. Es ist weitaus komplexer.“ Jeder Raum ist anders, Kameras und Mikrofone müssen an die baulichen Gegebenheiten angepasst werden. „Hochskalierbar wie in der IT ist die Hardwareplanung selten.“ Aber Kinly nimmt die wachsende Konkurrenz der IT-Branche ernst, insbesondere da auch ProAV- und Digital Signage-Lösungen zunehmend einfacher werden.

Digital Signage wird immer interessanter

„Digital Signage ist ein integraler, schnell wachsender Lösungsbereich für unsere Kunden und uns.“ Kinly plant die Anzahl an betreuten Large Format Screens massiv auszubauen, und Digital Signage ist ein sehr wichtiger Hebel. Unternehmen nutzen Digital Signage-Screens primär, um Mitarbeiter und Besucher zu informieren, insbesondere Neubauten kommen ohne Displays nicht mehr aus. Die Display-Netzwerke sind integraler Bestandteil, um in Zeiten von Hybrid Work die eigene Unternehmenskultur zu fördern – und es besteht ein großes Interesse, installierte Screens auch für Streaming und andere Events einzubinden. „Die große Herausforderung aus AV-Sicht bleibt aber der Content. Wir haben dazu ein dediziertes Content-Team bei Kinly, die unsere Kunden bei der Contenterstellung unterstützen.“  Tom Martin ist ungeduldig wenn es um die Entwicklung von Digital Signage-Projekten geht: „Wir würden gerne noch schneller wachsen.“

Deutschland im Fokus

Kinly ist in den Heimatmärkten in Skandinavien, Benelux und seit der Übernahme 2020 von AVMI in Großbritannien sehr gut im Markt positioniert. Weltweit betreut der AV-Integrator auch europäische und lokale Kunden mit eigenen Teams in Nordamerika und Asien. Nun setzt man den Fokus auch auf den DACH-Markt, wo Kinly nun auch mit eigenen Niederlassungen in Deutschland und der Schweiz vertreten ist. „Deutschland ist ein enorm großer Markt, wir wollen hier deutsche Unternehmen als Kunden gewinnen.“

Kinly-Chronologie

2020 Übernahme von AVMI (UK) – Mit der Übernahme von AVMI im Jnui 2020 verdoppelte sich die Anzahl der Mitarbeiter auf mehr als 1.100. Die britische AVMI stärkte auch das Kinly-Asiengeschäft mit Standorten in Indien und Hongkong.

2018 Akquisition von MK2 Audiovisual (Benelux)

2017 Avedon Capital Partners übernimmt die norwegische Viju sowie die niederländische Visions Connected und formiert Kinly