Während der Handel insgesamt unter Druck steht, geht es Digital Signage- und Digital-Retail-Anbietern vergleichsweise gut. Aktuell kommt der stärkste Impuls aus Projekten rund um Retail Media Networks (RMN). Anders als klassische Digital Signage-Rollouts, die über Jahre schrittweise wachsen können, brauchen RMN-Installationen schnell Reichweite. Viele Screens müssen gleichzeitig live gehen, damit das Modell funktioniert. Diese Dynamik setzt selbst in vorsichtigen Handelsorganisationen Budgets frei. Andere Händler gehen Partnerschaften mit RMN-Spezialisten ein, die sich an den Investitionen beteiligen oder sie ganz übernehmen – meist gegen eine Umsatzbeteiligung.
Ein zweites Riesenthema im Retail ist AI-on-the-edge. Immer mehr Händler testen lokal laufende AI-Modelle für Analysen, Automatisierung und personalisierte Services. Dafür wird häufig auch die In-Store-Netzwerkinfrastruktur modernisiert. Die Technologie steht noch am Anfang, war aber auf der Euroshop allgegenwärtig. Viele Digital Signage-Anbieter zeigen AI-gestützte Store-Konzepte mit starken Wow-Effekten. Gleichzeitig bleiben die Händler mit solchen Investitionen aber weiterhin vorsichtig.

Weniger Filialen, kleinere Budgets, mehr Druck
Die strukturellen Herausforderungen bleiben groß. Allein in Deutschland sank die Zahl der Geschäfte in den vergangenen zehn Jahren von 400.000 auf 300.000 – vor allem durch E-Commerce und veränderte Konsumgewohnheiten. Mit weniger Standorten sinken auch die Investitionsvolumina. Für 2025 werden rund 7,02 Milliarden Euro für Neubau, Expansion und Modernisierung erwartet – über 2,1 Milliarden weniger als noch zur Euroshop 2023.
Viele Händler konzentrieren sich darauf, bestehende Filialen zu optimieren, statt neue zu eröffnen. Neue Stores entstehen vor allem bei Non-Food-Discountern, Drogerien und Supermärkten – häufig sind es aber Umzüge und keine echten Expansionen. Netto wächst der Markt kaum, Investitionen bleiben streng kontrolliert.

Lebensmittelhandel investiert – aber Kühlung bindet Kapital
Ein Lichtblick ist das F&B-Segment. 2025 investierten Lebensmittelhändler deutlich mehr in ihre Filialformate. Kleine Märkte bis 2.500 Quadratmeter liegen bei rund 961 Euro pro Quadratmeter – ein Plus von 13 Prozent gegenüber 2022. Auch größere Flächen legen zu, wenn auch moderater.
Allerdings fließt ein großer Teil des Geldes in Kühltechnik. Strengere F-Gas-Regulierungen beschleunigen den Umstieg auf energieeffiziente Systeme. Dadurch bleibt oft weniger Budget für Storedesign, Innenarchitektur oder digitale Erlebnisflächen.
Viele Händler reagieren pragmatisch: günstigere Materialien, angepasste Qualitätsniveaus und mehr Wiederverwendung bestehender Ausstattung. Ziel bleibt ein hochwertiger Look – nur deutlich kostenbewusster. In der Modebranche ist dieser Ansatz schon länger etabliert.

Fashion spart – bleibt aber kreativ
Mode-, Schuh- und Sporthändler investieren insgesamt weniger. Die Einrichtungskosten neuer Fachgeschäfte sind um rund 10 Prozent auf etwa 590 Euro pro Quadratmeter gesunken. Gleichzeitig bleiben die Ansprüche an Visual Merchandising hoch. Händler arbeiten effizienter: Konzepte werden optisch optimiert, aber strikt budgetiert. Das zeigt sich auch bei Renovierungszyklen – rund 12 Jahre im Food-Bereich, knapp neun Jahre im Non-Food.

Nachhaltigkeit wird zum Standard
Über alle Branchen hinweg hat sich Nachhaltigkeit vom Trend zum Planungsprinzip entwickelt. Händler verlängern die Lebensdauer von Einrichtung, reduzieren Materialeinsatz und nutzen bei Umbauten vermehrt bestehende Einbauten weiter. Im Schnitt wird etwa die Hälfte der Einrichtung wiederverwendet, und mehr als 40 Prozent der Händler setzen auf Kreislaufsysteme oder kooperieren mit entsprechenden Anbietern.
Gleichzeitig steigen die Erwartungen an Lieferanten und Ladenbauer. Gefragt sind Partner mit innovativen Materialien, nachhaltigen Konzepten und technischem Know-how. Co-Development bei neuen Möbel- und Einbau-Typen nimmt zu – getrieben von Kosten- und Nachhaltigkeitsdruck. Auch Einkauf und Ausschreibungen beschleunigen diese Entwicklung.
