Euroshop 2026

Wie Verve Retail Media auf die Fläche bringen will

Der Name Verve war in den vergangenen Monaten überall: auf dem NRF, der Euroshop und wegen strategischer Schachzügen am Retail-Media-Markt – inklusive Übernahme des DooH-Anbieters Viewento. Das Ad-Tech-Unternehmen will sich nun als bedeutender Player im physischen Store etablieren.
Verve auf der Euroshop 2026 (Foto: invidis)
Verve auf der Euroshop 2026 (Foto: invidis)

Verve ist alles andere als ein Newcomer. Mit über 1.000 Mitarbeitenden und einem Umsatz von rund 550 Millionen Euro im Jahr 2025 zählt das börsennotierte Unternehmen mit deutschen Wurzeln zu den etablierten Ad-Tech-Playern im Mobile-Advertising und CTV-Segment – auch in Nordamerika. Nun expandiert Verve aggressiv in den physischen Handel. Um diesen Wandel umzusetzen, gründete das Unternehmen im Juni 2025 in Deutschland die Einheit Verve Retail Media – unter der Leitung des erfahrenen Retail-Tech-Experten Raimund Bau.

Die neue Sparte positioniert sich als End-to-End-Anbieter für Retail Media und verbindet klassische Ad-Tech-DNA mit In-Store-Präsenz. Ziel ist es, die Lücke zwischen digitalen und physischen Kanälen zu schließen, die viele Händler bislang nicht überbrücken konnten.

Eine vollständige In-Store-Plattform – vom Eingang bis zum Einkaufswagen

Was Verve von vielen Newcomern unterscheidet, ist die Breite des Angebots. Das Unternehmen verspricht eine einheitliche, vollständig gemanagte Retail-Media-Infrastruktur – von Displays im Eingangsbereich bis zu Regal-Screens. Zum Portfolio gehören:

  • Displays am Eingang und in Gängen
  • Screens auf und in Einkaufswagen
  • Regaldisplays mit Pick-up-Sensorik
  • Coupon-Lösungen in Händler-Apps
  • sowie die Integration bestehender Digital Signage-Bestände

Für viele Händler ist dieser „One Partner, One System“-Ansatz deutlich attraktiver als die aktuell fragmentierte Lösungslandschaft im In-Store-Retail-Media-Bereich.

Ein entscheidender Schritt war die Übernahme von Viewento unmittelbar nach dem Launch von Verve Retail Media. Viewento hält exklusive DooH-Vermarktungsrechte für Teile des Edeka-Netzwerks in Bayern und Thüringen – und verschafft Verve damit eine wertvolle installierte Basis sowie einen direkten Einstieg in den deutschen Lebensmittelhandel.

Verve auf der Euroshop 2026 (Foto: invidis)
Verve auf der Euroshop 2026 (Foto: invidis)

Verve übernimmt Investitionsrisiko für Händler

Eine der größten Hürden bei Retail-Media-Rollouts sind die hohen Anfangsinvestitionen für die Ausstattung der Filialen. Verve aber übernimmt die Investitionen selbst.

Um schnell skalierbare und messbare Reichweite aufzubauen, installiert Verve die gesamte Infrastruktur auf eigene Kosten. Gleichzeitig werden Echtzeitdaten erfasst, die in die eigenen Retail-Media- und Analytics-Plattformen einfließen. Dazu arbeitet Verve mit Spezialisten wie Advertima zusammen, um sensorbasierte Kundenanalysen mit dem eigenen Ad-Tech-Ökosystem zu verknüpfen.

Erste Testmärkte in Bayreuth und Rostock wurden bereits mit dem kompletten Verve-Tech-Stack ausgestattet. Diese Pilotstandorte sollen zeigen, wie sich die Technologie im realen Filialbetrieb bewährt – die wichtigste Hürde, bevor ein flächendeckender Rollout starten kann.

Der Anfang eines neuen Retail-Media-Champions?

Verve stößt in den stationären Handel zu einem Zeitpunkt vor, an dem der Retail-Media-Markt stark wächst, die Umsetzung im Store jedoch oft uneinheitlich bleibt. Händler wollen Frequenz monetarisieren, verfügen aber häufig nicht über Tools, Infrastruktur und operative Erfahrung, um eigene Retail-Media-Netzwerke zu betreiben. Verve bringt Skalierung, Software, Daten – und vor allem Monetarisierungskompetenz aus dem Ad-Tech-Umfeld – in ein Marktsegment, das dringend Standardisierung und Professionalisierung benötigt.

Sollten die ersten Pilotprojekte erfolgreich verlaufen, könnte Verve schnell zu einem einflussreichen neuen Player im europäischen Retail-Media-Ökosystem werden – nicht nur als Mobile-Ad-Tech-Leader, sondern als Full-Stack-Partner für Händler, die nicht nur die App, sondern auch die Verkaufsfläche monetarisieren wollen.