Langjährige ISE‑Besucher kennen den Tunnel über der Brücke, der die abgelegene Halle 8 der Fira Gran Via mit dem restlichen Messegelände verbindet. Für die ISE 2026 hat der Veranstalter diesen funktionalen Durchgang erstmals in eine immersive Installation verwandelt: Das in Barcelona ansässige Kreativstudio Instronic erhielt den Auftrag, den Weg zu einer Experience zu machen.
Mit Breathe entwickelte Instronic dabei gemeinsam mit Integrated Systems Europe eine immersive räumliche Installation, die den ansonsten rein funktionalen Korridor in einen Moment der Präsenz verwandelt – ohne seinen eigentlichen Zweck zu beeinträchtigen. Der Transitweg bleibt Transitweg, erhält aber eine neue, atmosphärische Ebene.
Bewegung Bedeutung geben
Im Kern widmet sich Breathe einer grundlegenden Frage des Raumdesigns: Wie kann ein Raum, der ausschließlich für Bewegung geschaffen wurde, Bedeutung gewinnen – ohne den Bewegungsfluss zu stören? Instronic liefert eine klare Antwort: Nicht Spektakel, sondern Atmosphäre.
Licht, Sound und digitale Bildwelten verschmelzen zu einer durchgängigen Umgebung, die Wahrnehmung behutsam verschiebt. Besucher behalten jederzeit Kontrolle über ihr Tempo – Ablenkung weicht Achtsamkeit.
Der Ablauf folgt einem rhythmischen Muster: einem abstrakten Ein‑ und Ausatmen, einem Moment figurativer Entfaltung und einer sichtbaren Transformation, die sich während der Bewegung durch den Tunnel entwickelt. Die Installation hat keinen festen Anfang und kein definiertes Ende – sie ist ein fortlaufendes, fühlbares System.

Technologie für Ruhe – nicht für Reizüberflutung
Breathe orientiert sich an Prinzipien der Biomimikry und menschlicher Wahrnehmung. Der Körper dient als Referenzpunkt für Rhythmus, Fluss und Kontinuität. Technologie übernimmt dabei nicht die Rolle des Eyecatchers, sondern fungiert als Ermöglicher von Ruhe und Reflexion.
Die Installation versteht sich als integrierte Einheit aus Architektur, Licht, Sound und digitalen Medien. Die Inhalte sind zeitbasiert und räumlich synchronisiert – ein nahtloser Loop, der den gesamten Tag über läuft. Sensorik oder interaktive Trigger gibt es bewusst nicht. Die Experience entfaltet sich allein durch die Bewegung der Besucher und entwickelt sich kontinuierlich weiter.
Funktionsraum neu gedacht
Breathe zeigt, wie selbst hochfrequentierte Funktionsräume atmosphärisch aufgeladen werden können – ohne Effizienz einzubüßen. Instronic nutzt die Sachzwänge eines engen, stark frequentierten Korridors, um den Übergang selbst als Experience zu inszenieren. Das Ergebnis ist ein Raum, der im Vorübergehen die Wahrnehmung verändert – und im Gedächtnis bleibt.



