Heike Discher hat einen sehr direkten Blick auf den Zustand der digitalen Bildung in Deutschland – zum einen als CEO von Heinekingmedia, zum anderen als Mutter einer 17-jährigen. Was sie aus beiden Bereichen ihres Lebens mitbekommt, findet sie teils ernüchternd. „Im internationalen Vergleich funktioniert in deutschen Klassenzimmern vieles noch nicht,“ erzählt sie im Gespräch mit invidis.
Wenn es um die Digitalisierung von Schulen im deutschsprachigen Raum geht, ist Heinekingmedia eines der führenden Unternehmen am Markt. Die digitalen Tafeln von Heinekingmedia hängen in rund 11.000 Schulen. Daneben entwickelte Heinekingmedia ein eigenes Digital Signage-Konzept für Schulen – bestehend aus dem digitalen schwarzen Brett und dem Karrieremonitor, der Stellenanzeigen und Weiterbildungsangebote in Nachrichten eingebettet ausspielt.
Full Service als Erfolgsfaktor
Ein Grund, warum sich Heinekingmedia im Bildungsmarkt so stark positionieren konnte, ist für Heike Discher das Full-Service-Angebot aus Hardware, Software, Content und Service. „Alles aus einer Hand gibt es nicht so oft auf dem Markt“, sagt sie. Schulen wollen heute möglichst einen Partner, der es ihnen, so einfach wie möglich macht, digital aufzurüsten.
Denn in Deutschland arbeiten viele Lehrer und Schüler notgedrungen noch immer mit analogen Methoden oder veralteter Technik. Nach dem Digitalpakt 1.0, der öffentlichen Schulträgern 6,5 Milliarden Euro bereitstellte, stieg zwar die Zahl digitalisierter Klassenzimmer von 53.000 im Jahr 2019 auf 77.000 im Jahr 2023, erreichte aber noch lange keine gleichmäßige regionale Abdeckung. Die nächste Finanzierungswelle ist im Rahmen des Digitalpakt 2.0 grundsätzlich gesichert, aber noch nicht durch alle Haushalte durch. Solange das nicht der Fall ist, sagt Heike Discher, werde sich die Umsetzung vieler Projekte verlangsamen.
Große Unternehmens-Reformation 2025
Um sich so gut wie möglich auf die heutigen Anforderungen der Bildungsträger vorzubereiten, reformierte die CEO 2025 viele Prozesse im Unternehmen, straffte Strukturen und trennte sich auch von Personal. Die Veränderungen seien notwendig gewesen, um sich effizienter um die Kunden zu kümmern: „Wir erreichen nun eine ganz andere Leistungsfähigkeit im Servicebereich“, sagt Heike Discher.
Ihr Fokus auf Service kommt nicht von ungefähr. Bevor sie in die AV-Branche wechselte, leitete Heike Discher unter anderem einem Handelsverbund für Schuh-, Sport- und Ledermode. Dort lernte sie, wie wichtig Service und emotionale Ansprache für die Kundenbindung sind. „Wenn ein Kunde in einen Laden geht und nicht ordentlich bedient wird, war er das letzte Mal da.“ Sich wirklich in die Anwender hineinzuversetzen, sei in der AV-Branche noch weniger verbreitet.
Schulen wollen einfache und zuverlässige Lösungen
Wie wichtig diese Service-Mentalität heute ist, zeigt sich laut Heike Discher auch in Ausschreibungen. Schulträger verlangen oft sehr detaillierte Angaben zum Servicekonzept – etwa dazu, wie schnell Anfragen beantwortet werden. Neben kurzen Reaktionszeiten seien die Zuverlässigkeit und Einfachheit der digitalen Geräte entscheidend. Auch wenn viele Lehrkräfte inzwischen sicherer im Umgang mit digitalen Tafeln geworden sind – Technik gehört meist nicht zu ihrer Kernkompetenz. Heinekingmedia entwickelte deshalb eine neue Android-freie Tafel, die Novos One.
Denken aus der Anwenderperspektive
Dieser Fokus auf Anwenderfreundlichkeit fehlt laut Heike Discher oft in der AV-Branche. Das sei auch historisch bedingt: „Viele Anbieter kommen aus der Technikperspektive. Die Branche ist zudem noch immer noch sehr männerlastig.“ Unterschiedliche Perspektiven seien aber enorm wichtig, um ein Produkt bereitzustellen, das auch in der Praxis Bestand hat.
Von festen Frauenquoten hält sie allerdings wenig. Wichtig sind ihr Teamgeist, soziale Kompetenz und ein gemeinsamer Fokus: „Zu dem besten Ergebnis zu kommen, heißt unbedingt abteilungsübergreifende Zusammenarbeit.“ Neue Perspektiven bringt sie außerdem ins Unternehmen, indem sie gezielt Kompetenzen aufbaut – beispielsweise im Softwarebereich.
Mut im Umgang mit KI gefragt
Ein Thema, das Heike Discher besonders beschäftigt, ist die Integration künstlicher Intelligenz in das Heinekingmedia-Angebot. Gleichzeitig kritisiert sie, wie das Bildungssystem mit dem Thema umgeht. Dass KI in Schulen unterbunden wird, anstelle sie sinnvoll in Lehrpläne zu integrieren, hält sie für ein Versäumnis. Vorausschauender wäre es, der nächsten Generation den Umgang mit KI früh beizubringen.
Die Technologien sind da, um die Schüler auf die Arbeitsweise der Zukunft vorzubereiten. Nun braucht es also klare politische Entscheidungen, stabile Finanzierung und vor allem den Willen, Bildung wirklich zukunftsfähig zu machen. Heike Discher und Heinekingmedia möchten diese nächste Phase der Digitalisierung aktiv mitgestalten.

