Seit der Euroshop im Februar scheint sich das internationale Digital Signage-Unternehmen Stratacache zunehmend in einer schweren Krise zu befinden. Tochtergesellschaften in Kanada, den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten Königreich befinden sich in Liquidationsverfahren – sie werden von gerichtlich bestellten Verwaltern abgewickelt, anstatt ein traditionelles Insolvenzverfahren zu durchlaufen. Der Grund: Es fehlen sowohl tragfähige Sanierungsaussichten als auch ausreichende verbleibende Vermögenswerte.
Die Krise ist nun in eine neue Phase eingetreten: Neben der Abwicklung des Geschäftsbetriebs werden wichtige Vermögenswerte abgestoßen. Dazu gehören der Verkauf von Scala an Vertiseit sowie die Veräußerung von Immobilien am Firmensitz in Dayton, Ohio. Insbesondere wurde ein 35.000 Quadratmeter großes Gebäude in Trotwood vergangene Woche für 18 Millionen US-Dollar an einen Immobilienentwickler verkauft, wie die Dayton Daily News berichten.
Die Transaktion hat eine starke symbolische Bedeutung. Stratacache-Gründer Chris Riegel hatte rund 30 Millionen US-Dollar in den Standort investiert und eine Produktionsstätte nach dem Vorbild von Automobilfertigungslinien errichtet. Dort wurde Digital-Signage-Hardware wie Screens für Drive-Through-Restaurants in einem vollständig industrialisierten Prozess montiert – ein kühner Versuch, die Wertschöpfungskette vertikal zu integrieren. Nun wird diese Vision demontiert. Zwei weitere Bürogebäude in der Innenstadt von Dayton sollen im Juni öffentlich versteigert werden.
Was bleibt?
Angesichts der Entwicklungen muss man sich fragen: Was bleibt von Stratacache übrig?
Zu Spitzenzeiten beschäftigte Stratacache rund 1.200 Mitarbeiter, verwaltete mehr als 2,5 Millionen Geräte, war von 30 weltweiten Niederlassungen aus tätig und betreute etwa 4 Millionen Digital Signage-Touchpoints. Wesentliche Teile dieser Präsenz existieren noch – zumindest vorerst.
Zu den wichtigsten Vermögenswerten zählen das US-amerikanische Retail-Media-Geschäft PRN, die unfertige MicroLED-Fabrik und die dazugehörigen Patente in Oregon sowie ein großer Stamm erfahrener – wenn auch zunehmend verunsicherter – Mitarbeiter. Darüber hinaus verfügt die Gruppe nach wie vor über ein breites Portfolio an Tochtergesellschaften, darunter Walkbase, Idklic sowie verschiedene Agenturen und Rollout-Spezialisten.
Es droht ein Dominoeffekt
Doch was sich derzeit abzeichnet, gleicht einem klassischen Auflösungsszenario. Die Veräußerung von Scala könnte nur der Anfang sein. Ein Dominoeffekt scheint im Gange zu sein. Weitere Verkäufe von Vermögenswerten sind wahrscheinlich, da Stratacache versucht, ein schrumpfendes Kerngeschäft zu stabilisieren.
Wie dieses künftige Kerngeschäft aussehen wird, bleibt jedoch unklar. Von außen ist kaum ersichtlich, welche Geschäftsbereiche als strategisch wichtig gelten – und welche als Nächstes zum Verkauf stehen könnten.
Für die Digital-Signage-Branche markiert der schrittweise Abbau eines ihrer prominentesten Akteure einen Wendepunkt. Traditionelle Geschäftsmodelle geraten zusehends unter Druck, die Machtverhältnisse verschieben sich. Die kommenden Monate werden zeigen, ob ein tragfähiges Stratacache-Kerngeschäft erhalten werden kann.

