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invidis Kommentar

CES und IFA ohne Samsung

Samsung verabschiedet sich von den großen Consumer-Electronics-Bühnen: Weder auf der CES noch auf der IFA ist der Konzern nun mit eigenen Messeständen vertreten. Warum der Fokus stattdessen auf B2B-Leuchttürmen wie ISE und MWC liegt – und was das über die Zukunft der Messebranche verrät. Ein Kommentar von Florian Rotberg.
Sharable Moments - Social Media Wall bei Samsung auf der IFA 2019 (Foto: invidis)
Sharable Moments – Social Media Wall bei Samsung auf der IFA 2019 (Foto: invidis)

Samsung und der Veranstalter mögen es anders formulieren – die ehrliche Nachricht lautet: Samsung zieht sich von den beiden größten Consumer-Electronics-Messen der Welt zurück. Weder auf der CES in Las Vegas noch auf der Berliner IFA ist der Konzern noch mit einem eigenen großen Messestand vertreten.

Natürlich bedeutet das nicht, dass Samsung diesen Veranstaltungen komplett den Rücken kehrt. Das Unternehmen wird weiterhin wichtige Kunden, Handelspartner und Medienvertreter im Umfeld der Messen treffen und Produktneuheiten in exklusiveren Formaten präsentieren. Samsung weiß sehr genau, wie wichtig der persönliche Austausch mit Partnern bleibt – insbesondere im B2B-Geschäft.

Samsung-Shows waren Aushängeschilder

Dennoch ist die Symbolkraft dieser Entscheidung enorm. Über Jahrzehnte gehörten die gigantischen Samsung-Auftritte zum festen Erscheinungsbild von CES und IFA. Besonders in Berlin belegte Samsung regelmäßig eine komplette Messehalle. Die aufwendig inszenierten Erlebniswelten waren Aushängeschilder für die gesamte Branche. Doch offenbar sind diese gigantischen Consumer-Showcases nicht mehr zeitgemäß – zumindest nicht aus Sicht des weltweit größten Unterhaltungselektronikherstellers.

Interessant ist dabei, auf welchen Messen Samsung weiterhin mit großer Präsenz auftritt. Die beiden verbliebenen globalen Leuchtturmveranstaltungen im Messekalender des Konzerns sind die Integrated Systems Europe (ISE) und der Mobile World Congress (MWC). Beide Messen sind klar auf B2B ausgerichtet. Beide finden in Barcelona statt. Und beide haben sich als globale Plattformen für Geschäftskunden, Partnernetzwerke und konkrete Investitionsentscheidungen etabliert.

Persönlicher Austausch in B2B wichtiger

Das ist kein Zufall. Während sich Konsumenten heute über digitale Kanäle, Social Media, Influencer und eigene Markenplattformen erreichen lassen, bleibt der persönliche Austausch im B2B-Bereich unverzichtbar. Digital Signage, AV-Technologien und komplexe Technologielösungen lassen sich nicht vollständig über Videos, Livestreams oder virtuelle Showrooms vermitteln. Kunden wollen Produkte erleben, Lösungen vergleichen und mit Experten direkt ins Gespräch kommen. Networking, Vertrauen und persönliche Beziehungen bleiben zentrale Erfolgsfaktoren.

Die Entwicklung bei Samsung unterstreicht damit eine wichtige Erkenntnis: Nicht die Messe an sich verliert an Bedeutung, sondern die klassische Consumer-Messe. Für B2B-Industrien bleibt das persönliche Treffen ein entscheidender Bestandteil des Geschäfts. Die starke Nachfrage nach Veranstaltungen wie ISE und MWC zeigt eindrucksvoll, dass Face-to-Face-Kommunikation auch im digitalen Zeitalter einen hohen Stellenwert besitzt.

Allerdings wäre es ein Fehler, daraus den Schluss zu ziehen, dass jede B2B-Messe automatisch auf der Gewinnerseite steht. Die Weltleitmessen ziehen einen Großteil der Aufmerksamkeit, Budgets und internationalen Besucher auf sich. Für kleinere oder regional ausgerichtete Veranstaltungen wird es zunehmend schwieriger, ihre Relevanz zu behaupten. Reichweite, Internationalität und ein klarer Mehrwert für Aussteller und Besucher werden wichtiger denn je.

Aber um Endkunden und nationale Partner zu erreichen – die meist nicht bereit oder finanziell nicht in der Lage sind, um die halbe Welt zu reisen – sind regionale Messen von entscheidender Bedeutung. Diese Zielgruppen haben dieselben Bedürfnisse und verdienen die gleiche Aufmerksamkeit – nur eben wohnortnah und in ihrer jeweiligen Landessprache. Ein Spagat für Aussteller und Messeveranstalter.

Gemeinsam mit den Partnern ISE und Avixa informiert und unterstützt invidis die Branche sowie Endanwender weltweit und auf internationalen Veranstaltungen. Auch in einer globalen Branche befinden sich die einzelnen Regionen und Märkte auf unterschiedlichen Reifegraden und erfordern daher maßgeschneiderte Ansätze.