Es ist das jüngste Kapitel in der schrittweisen Auflösung von Chris Riegels Digital Signage- und Media-Imperium. Nach dem Verkauf des Digital Signage-Softwareanbieters Scala an Vertiseit hat Stratacache mehrere internationale Tochtergesellschaften geschlossen, darunter in Großbritannien und Kanada. Nun trennt sich das Unternehmen von einem weiteren zentralen Asset: Premier Retail Networks, kurz PRN.
Übernommen hat PRN das israelische Ad-Tech-Unternehmen Perion Network. Der Deal ist eine Bar-Transaktion im Wert von bis zu 12 Millionen US-Dollar. Damit stärkt Perion seine Position in den schnell wachsenden Bereichen Retail Media und DooH. Das Unternehmen hat in der Vergangenheit bereits mehrere Ad-Tech-Firmen übernommen, darunter auch Hivestack.
Exklusive Partnerschaften mit Top-Retailern
PRN zählt zu den etabliertesten Instore-Retail-Media-Betreibern Nordamerikas. Das Unternehmen hält exklusive, mehrjährige Media-Partnerschaften mit mehreren Top-Retailern. Der Fokus liegt dabei auf der Vermarktung von Instore-Mediennetzwerken. PRN gilt als einer der Pioniere der Branche. In den vergangenen Jahrzehnten wechselte das Unternehmen bereits mehrfach den Besitzer. Stratacache hatte PRN 2015 von Thomson Technicolor übernommen.
Für Perion schließt die Übernahme eine wichtige Lücke im Omnichannel-Werbeangebot. Das Unternehmen ist bereits stark aufgestellt in Programmatic DooH, Connected TV, Social Media und Commerce Advertising. PRN erweitert diese Reichweite nun um den stationären Handel, wo weiterhin mehr als 80 Prozent aller US-Einzelhandelsumsätze stattfinden.
Zugang zu Premium-Handelspartnerschaften
Die Übernahme verschafft Perion Zugang zu einem umfangreichen Netzwerk exklusiver Retail-Media-Flächen. Dazu zählt das 4K-TV-Netzwerk einer führenden Warehouse-Club-Kette mit mehr als 750 Standorten.
Hinzu kommen eine große Big-Box-Handelskette mit über 4.500 Filialen sowie ein landesweiter Gesundheitshändler mit mehr als 2.200 Standorten.
Gleichzeitig erweitert das Unternehmen seine Präsenz in einem der am schnellsten wachsenden Segmente der Medienbranche.
Die gesamte Shopper Journey verbinden
Ein zentrales Element des Deals ist Perions Ziel, die bestehende Programmatic-DooH-Plattform mit PRNs Instore-Media-Assets zu verknüpfen. Das Unternehmen stellt sich Kampagnen vor, die Konsumenten von der ersten Wahrnehmung bis zum Kauf begleiten. Sie sollen Zielgruppen über die gesamte „letzte Meile“ hinweg erreichen.
Durch die Integration von Instore-Flächen in seinen breiteren Werbe-Stack will Perion Marken eine einheitliche Ausspielebene bieten. Diese soll CTV, Social Media, DooH, Commerce Media und Retail-Media-Netzwerke abdecken.
Programmatic als Instore-Kanal
Langfristig will das Unternehmen zudem programmatische Funktionen in Instore-Umgebungen einführen. Dabei sollen Retailer weiterhin die Kontrolle über Inhalte, Frequenz und Kundenerlebnis behalten.
„Marketer wollen Instore-Werbung genauso planen können wie jeden anderen Kanal“, sagte Kevin Carbone, CEO von Perion. „Perion bringt die Nachfrage und die Umsetzung mit, um das möglich zu machen, während Retailer die volle Kontrolle über die Store-Umgebung behalten.“
Nach der Übernahme firmiert PRN künftig unter dem Namen Perion Retail Networks. Bestehende Beziehungen zu Retailern und Werbetreibenden sollen dabei unterbrechungsfrei fortbestehen.
Nächster Schritt in der Stratacache-Abwicklung
Für Stratacache markiert der Verkauf von PRN einen weiteren wichtigen Schritt in der laufenden Abwicklung seines Portfolios. Unter Gründer Chris Riegel war einst ein breites Ökosystem aus Software-, Hardware-, Managed-Services- und Medienunternehmen entstanden. In den vergangenen Monaten hat die Gruppe ihren Unternehmens-Fußabdruck kontinuierlich verkleinert.
Die PRN-Abgabe ist ein weiteres Indiz dafür, dass Stratacache die in zwei Jahrzehnten aufgebaute Organisation weiter auflöst. Die langfristige Strategie des Unternehmens bleibt dabei unklar. Der Verkauf eines weiteren prominenten Assets verändert die Struktur des Stratacache-Imperiums erneut.
Ein günstiger Einstieg
Für Perion wiederum ist die Übernahme ein vergleichsweise günstiger Einstieg in hochwertige Retail-Media-Flächen. Das Geschäft soll bis 2027 rund 3 Millionen US-Dollar zum bereinigten EBITDA beitragen, Synergien nicht eingerechnet.
Die Transaktion mag für das Nasdaq-notierte Unternehmen finanziell überschaubar sein, ihre strategische Bedeutung ist jedoch deutlich größer. Retail Media verlagert sich zunehmend von Websites und Apps in den stationären Handel. Damit sichert sich Perion eine wertvolle Position genau dort, wo Werbung und Handel letztlich zusammentreffen: im Regal.

