Vertiseit räumt sein Portfolio auf und macht Scala zur zentralen Marke für das Partnergeschäft. Das zeigt: In der Digital Signage-Branche zählen Technologie und Plattformen. Aber manchmal zählen Marken noch mehr.
Damit schafft Vertiseit etwas, woran viele Softwareanbieter scheitern: Klarheit. Nach der Übernahme ordnet das Unternehmen damit seine Markenarchitektur neu. So will es im Direktgeschäft mit Enterprise-Kunden ebenso wachsen wie mit seinem globalen Partnernetz.
Scala wird zur IXM-Plattformmarke für das Partnergeschäft. Sie richtet sich an zertifizierte Partner, die Digital-Instore-Projekte in großem Maßstab umsetzen. Grassfish betreut weiterhin globale Marken und führende Retailer mit seiner Instore-Expertise. Visual Art konzentriert sich im nordischen Markt auf Full-Service-Instore-Lösungen, Retail Media und Integration.
Der Schritt ist sinnvoll. Er ist wohl die logische Folge der überraschenden Scala-Übernahme durch Vertiseit Anfang des Jahres.
Starke Marken als Wettbewerbsvorteil
Die Übernahme selbst wurde skeptisch beäugt. Der Deal lief schnell ab, fast im Tempo eines Notverkaufs. Viele Branchenbeobachter fragten sich, warum Vertiseit-CEO Johan Lind dieses Risiko einging. Inzwischen wird die Antwort klarer: Vertiseit kaufte die wertvollste Marke der Branche.
Scala nahm in der Digital Signage-Branche jahrzehntelang eine Sonderrolle ein. Im Markt drängen sich Tausende Softwareanbieter. Scala war darunter die einzige wirklich globale, unabhängige Softwaremarke. Ob in Europa, Nordamerika, Asien oder im Nahen Osten: Fast jeder Profi kannte den Namen. Wettbewerber kamen und gingen, Eigentümer und Technologien wechselten. Scala blieb eine der wenigen Marken mit echter weltweiter Bekanntheit.
Eine solche Strahlkraft entsteht nicht über Nacht. Sie braucht Jahrzehnte.
Dise genießt vor allem in den nordischen Ländern und in Teilen Europas hohes Ansehen. Global kommt die Marke aber nicht an die Bekanntheit heran, die Scala in fast 40 Jahren aufgebaut hat. Mehrere sich überschneidende Softwaremarken hätten Partner und Kunden unnötig verwirrt. Vertiseit bündelt das Partnergeschäft deshalb unter dem Namen Scala. So erhält es eine sofort erkennbare Identität und eine Botschaft an den Markt.
Konsolidierung im Eiltempo
Es überrascht mehr, wie schnell Vertiseit konsolidiert. Viele hatten erwartet, dass das Unternehmen zunächst Plattformen integriert und Produkte harmonisiert. Stattdessen stellte es Scala umgehend nach vorn. Der Grund liegt auf der Hand: Der Markt wollte es so.
Partner und Kunden, die Scala seit Jahren nutzen, sehen in Vertiseit zunehmend das Unternehmen, das Scalas Ruf wiederbelebt. Unter Stratacache hatte der norwegische Softwarepionier nach Ansicht mancher Branchenveteranen einen Teil seiner ursprünglichen Identität verloren. Vertiseit dagegen hat sich erfolgreich als nordischer Hüter der Marke positioniert – und diese Erzählung kommt an.
Gemeinsame skandinavische Wurzeln
Scala wurde vor fast vier Jahrzehnten in Norwegen gegründet. Das Unternehmen prägte die frühe Entwicklung der Digital Signage-Branche entscheidend. Viele Profis in Skandinavien kamen über Scala zum ersten Mal mit Digital Signage-Software in Berührung. Das gilt auch für zahlreiche Vertiseit-Mitarbeiter, CEO Johan Lind eingeschlossen. Selten verbindet Käufer und gekaufte Marke so eine emotionale und historische Beziehung.
In vielerlei Hinsicht wirkt der Deal weniger wie eine Übernahme als wie eine Heimkehr. Auch die neue Portfoliostruktur ist strategisch schlüssig. Jede Marke hat einen klaren Zweck und eine klare Zielgruppe.
Nun muss Vertiseit liefern. Marken zu bündeln ist der leichte Teil. Unter dem Scala-Banner Plattformen zu integrieren, Produkte weiterzuentwickeln und global zu wachsen, ist deutlich schwieriger. Der erste Schritt ist aber getan.

