Business Critical

So funktioniert geschäftskritisches Digital Signage

Für viele Anwendungen sind Digital Signage-Screens geschäftskritisch geworden. Das bedeutet, dass das System unter allen Umständen funktionieren muss. invidis erläutert, auf welche Faktoren es ankommt.
LG Smart Park Fabrik der Zukunft (Foto: LG)
Beispiel für Business Critical Digital Signage: LG Smart Park Fabrik der Zukunft (Foto: LG)

Business Critical Digital Signage: Die jüngste Evolutionsstufe von DS-Systemen stellt ein neues Level an Komplexität für Screens und deren Steuerung dar. Wie in einem früheren Artikel erläutert, ist geschäftskritisches Digital Signage für den Betrieb und das Geschäftsmodell eines Unternehmens essenziell. Mittlerweile verlassen sich zahlreiche Branchen und Anwendungen auf Digital Signage, darunter QSR, Kino, Flughäfen, Control Rooms, Retail, Collaboration und Manufacturing.

Fünf Schlüsselfaktoren

Doch was sind die wichtigsten Faktoren für eine erfolgreiche Anwendung von Business Critical Signage? Wie funktioniert geschäftskritisches Digital Signage? Unserer Ansicht nach gibt es fünf Schlüsselkomponenten, um geschäftskritische Digital Signage-Lösungen zu entwickeln und zu betreiben:

 

1. Vertikale Einblicke und Prozessintegration
2. Orchestrierung und DXPs
3. Daten und Backend-Integration
4. Datenschutz und IT-Sicherheit
5. Fernverwaltung und -betrieb

 

Vertikale Einblicke und Prozessintegration

Die erste Fähigkeit, die für die Entwicklung geschäftskritischer Digital Signage-Anwendungen erforderlich ist, ist ein tiefes Verständnis der jeweiligen Branche. Integratoren müssen die wichtigsten Geschäftsfaktoren verstehen. Im Kinogeschäft ist das beispielsweise die Rolle des Kinofoyers und der Zusatzeinnahmen für Kinobetreiber. Sobald sie diese Elemente des Geschäftsmodells identifiziert haben, müssen sie die Prozesse des Kunden verstehen und eine digitale Lösung zur Verbesserung dieser Praktiken entwickeln.

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In der Regel gibt es viel Widerstand gegen Veränderungen, und nicht alle digitalen Ideen werden offen begrüßt. Darüber hinaus machen es etablierte Strukturen und Arbeitsweisen manchmal schwierig, das Verbesserungspotenzial digitaler Lösungen zu erkennen. Dies führt oft zu faulen Kompromissen, und viele Vorteile der Digitalisierung von Prozessen gehen bereits in dieser frühen Phase verloren. In dieser Phase sprechen wir über eine grundlegende digitale Transformation und nicht nur über Digital Signage. Wenn Digital Signage jedoch ein kritisches Element im neuen digitalen Prozess übernimmt, wird es natürlich Business Critical.

Orchestrierung und DXPs

Normalerweise ist Digital Signage, selbst in seiner Business-Critical-Version, nur ein Teil der Gesamterfahrung von Benutzern, Kunden oder Mitarbeitern. Daher ist es von grundlegender Bedeutung, dass sich alle Digital Signage-Elemente in die gesamte Digital Journey einfügen. Wir nennen dies typischerweise Orchestrierung. Denn wie in einem echten Orchester muss man sicherstellen, dass jedes Element perfekt mit allen anderen Komponenten der Experience zusammenspielt.

Fällt ein Screen aus, wird es hektisch: Unter anderem ist für QSR der Einsatz von Digital Signage geschäftskritisch geworden. (Foto: invidis)
Fällt ein Screen aus, wird es hektisch: Unter anderem ist für QSR der Einsatz von Digital Signage geschäftskritisch geworden. (Foto: invidis)

Und nicht alle davon müssen digital sein. Auch die richtige Platzierung von digitalen Screens im architektonischen Konzept oder zusätzliche Produktinformationen, die nicht vom physischen Produkt am POS ablenken, gehören dazu. Das ultimative Ziel ist es, eine einheitliche Plattform für die Verwaltung aller digitalen Interaktionen zu schaffen – eine sogenannte Digital Experience Platform (DXP). Derzeit gibt es jedoch nur sehr wenige DXPs, die Digital Signage verwalten können. Eine Gelegenheit für Marktteilnehmer, alle mit Digital Signage zusammenhängenden Interaktionen in einer Digital Signage Experience Platform (DSXP) zusammenzufassen, die mit größeren DXPs verbunden werden kann.

Business Critical: Digital Signage macht den Unterschied

Mit der Integration aller DS-Touchpoints in eine DSXP ist es sehr wahrscheinlich, dass mindestens einer dieser Touchpoints Business Critical ist und somit die gesamte DSXP geschäftskritisch wird.

Da Digital Signage ein integraler Bestandteil des gesamten Erlebniskonzepts ist, stellt es zudem eine kritische Komponente dar. Schließlich möchte man nicht einem Orchester zuhören, dem die Streicher oder Bläser fehlen.

Daten und Backend-Integration

Das Schlüsselelement, das alle geschäftskritischen Prozesse antreibt, sind Daten. Und besonders wenn wir von Business-Critical-Daten sprechen, müssen diese vollständig, präzise und zeitnah sein. Diese Daten werden in der Regel in den zentralen IT-Plattformen eines Unternehmens wie ERP-Systemen, PIM-Plattformen, Auftrags- und Zahlungsabwicklungssystemen oder Produktions- und Logistiksteuerungssystemen verarbeitet.

Und viele Unternehmen haben bereits Schwierigkeiten, die hohen Datenstandards einzuhalten, die in diesen Kernsystemen erforderlich sind. Die meisten der heutigen Digital Signage-Lösungen haben keine oder nur geringe Überschneidungen mit diesen Systemen – sie befinden sich immer noch in einem Silo oder haben unidirektionale Schnittstellen, um einige Produkt- oder Preisdaten zu erhalten.

Bei geschäftskritischen Digital Signage-Lösungen sind einwandfreie APIs ein Kernelement. Während einige der APIs noch unidirektional sein können – zum Beispiel KPI-Dashboards für die Fertigung – werden die meisten bidirektional sein, um Benutzerinteraktionsdaten auszulösen oder zu sammeln. APIs und die Integration mit Kundensystemen sind für DS-Integratoren oder Softwareanbieter nicht per se neu. Bei modernen Installationen sind jedoch die Anzahl der APIs und deren Anforderungen anders. Beispielsweise wenn es um den Austausch von Echtzeitdaten für KI-Funktionen oder den programmatischen Medienverkauf geht, oder um Produktionsdaten in Echtzeit für die Fertigung oder Informationen zur Produktverfügbarkeit im Retail.

Digital Signage in der LG Smart Factory (Foto: Screenshot)
Digital Signage in der LG Smart Factory (Foto: Screenshot)

Digital Signage-Softwareplattformen, die mit einem API-first-Ansatz entwickelt wurden, haben hier definitiv einen Vorteil gegenüber älteren Architekturen mit speziell entwickelten APIs. In einigen Projekten haben wir Workarounds gesehen, bei denen Kerndaten einfach repliziert oder sogar innerhalb des Digital Signage-Systems gespeichert wurden. Dies ist auch ein Weg, um als DS-Marktteilnehmer Business Critical zu werden – aber definitiv nicht die Art und Weise, wie es sein sollte.

Datenschutz und IT-Sicherheit

Mit APIs zu zentralen Geschäftssystemen wird die Datensicherheit zu einem Muss für Digital-Signage-Software-Systeme. In der Regel verlangen die Kunden eine ISO 27001-Zertifizierung, und einige fügen ihre eigenen IT-Sicherheits- und Penetrationstests hinzu. Auf der Seite der Anbieter von Digital Signage-Software haben nur sehr wenige Unternehmen wie Signagelive oder Intuiface eine ISO 27001- Zertifizierung. Und wenn wir mit Integratoren und Softwareunternehmen sprechen, sagen sie uns oft, dass dies in der Vergangenheit bei vielen Ausschreibungen keine Voraussetzung war, was sich aber vor allem bei größeren, internationalen Ausschreibungen ändert.

Daher arbeiten vor allem die größeren Anbieter daran, sich zertifizieren zu lassen, um bei diesen Ausschreibungen wettbewerbsfähig zu bleiben und geschäftskritische Digital Signage-Projekte gewinnen zu können. Dies ist jedoch weder schnell noch billig und hängt stark von der Architektur der Softwareplattform ab. Für Unternehmen mit modernen, Service-Cloud-basierten Architekturen ist eine ISO 27001-Zertifizierung viel einfacher zu erlangen als für Firmen, die in ihren individuell programmierten Plattformen viele Altlasten haben.
Für einige kann es sogar so weit gehen, dass sie ihre Software-Architektur komplett überarbeiten müssen. Eine Investition von in der Regel mehreren Millionen Euro – aber vielleicht eine notwendige, um sich für die Zukunft aufzustellen. Andererseits werden dadurch viele der kleineren Softwareanbieter aus dem Spiel bleiben, wenn es um geschäftskritische Digital Signage-Installationen geht.

Digital Signage Nordics: Software-Unabhängigkeit

Die andere Dimension im Zusammenhang mit Daten ist der Datenschutz. Insbesondere bei Business-Critical-Anwendungen werden immer mehr Kundendaten von Digital Signage-Systemen verarbeitet – seien es direkte Eingaben, zum Beispiel für Transaktionen, Treueprogramme oder Serviceanfragen, oder von Sensoren gesammelte Daten, die nicht direkt am Gerät anonymisiert werden. In all diesen Fällen müssen die Datenschutzbestimmungen eingehalten werden.

Leider gibt es keinen globalen Datenschutzstandard, aber die GDPR stellt im Allgemeinen eine gute Richtlinie dar. Die lokalen Bedingungen müssen jedoch für jedes Installationsland geprüft werden, da nicht nur die Gesetze und Vorschriften unterschiedlich sind, sondern auch die Akzeptanz der Verbraucher stark variieren kann.

Fernverwaltung und -betrieb

Business-Critical-Lösungen sollten nicht ausfallen. Und wenn sie doch ausfallen, ist nur sehr wenig Zeit, sie zu reparieren. Während wir bei herkömmlichen Digital Signage-Installationen von Tagen sprechen, erreichen wir bei geschäftskritischen Installationen Reaktionszeiten von Stunden oder Minuten. Daher gibt es zwei entscheidende Komponenten, um die geforderte Leistung zu erreichen: das Systemdesign sowie der Netz- und Servicebetrieb. Die Entwicklung ausfallsicherer Digital Signage-Systeme sollte eine Kernkompetenz von Integratoren sein, denn sie erfordert eine Kombination aus Hardware- und Software-Engineering und viel Erfahrung damit, was schief gehen kann.

Jeder Systemausfall kann extrem kostspielig werden, nicht nur wegen der Serviceeinsätze vor Ort, sondern auch wegen der Auswirkungen auf das Geschäft des Kunden. Man muss sich nur die Kosten für die Schließung eines Flughafens vor Augen führen, oder die entgangenen Einnahmen eines Einzelhändlers, wenn ein Geschäft geschlossen werden muss. Deshalb müssen Ausfälle um fast jeden Preis vermieden werden.

Auch am Flughafen sind viele Screens mittlerweile Business Critical – Terminal in La Guardia, Los Angeles. (Foto: Delta Airlines)
Auch am Flughafen sind viele Screens mittlerweile Business Critical – Terminal in La Guardia, Los Angeles. (Foto: Delta Airlines)

Dazu gehören auch Konzepte wie die vorbeugende Wartung. Tritt jedoch eine Störung auf, muss sie sofort erkannt werden, und in den meisten Fällen sollte sie aus der Ferne behoben werden können. Das erfordert umfassende Fernverwaltungsfunktionen, die weit über herkömmliche Überwachung und Fernzugriff hinausgehen. Notwendige Vor-Ort-Einsätze sollten sich auf IT-/AV-Servicefälle beschränken, sodass man mit etablierten IT-/AV-Serviceunternehmen zusammenarbeiten kann, die an allen Standorten einen schnellen Service bieten können. In den meisten Fällen erfordert der Betrieb eines geschäftskritischen Digital Signage-Netzwerks eine Art Netzwerkbetriebszentrum (NOC). Für die meisten Digital Signage-Integratoren ist dies ein großer Fortschritt im Vergleich zu den heutigen Serviceleistungen.

Jedes Vertical ist anders

Wie man sieht, stellt Business Critical Digital Signage hohe und komplexe Anforderungen. Es ist nicht verwunderlich, dass jede Branche ihre eigenen Regeln und Besonderheiten hat. Auf den nächsten Seiten tauchen wir tiefer in die wichtigsten Branchen ein – von Einzelhandel bis Kino, von QSR bis C&C. Für sie alle ist Digital Signage zu einem essenziellen Bestandteil ihres Geschäfts geworden.

Sieben Branchen für geschäftskritisches Digital Signage

Diesen Verticals haben wir im invidis Jahrbuch einen Business-Critical-Artikel gewidmet:

  • QSR
  • Retail
  • Collaboration
  • Manufacturing
  • Control Rooms (C&C)
  • Kino
  • Flughäfen