In den vergangenen vier Wochen – vom DSS in München bis zur Infocomm in Las Vegas und in Dutzenden von Einzelgesprächen in der EMEA-Region sowie in Nord- und Südamerika – tauchte in Dutzenden von Einzelgesprächen, in der EMEA-Region sowie in Nord- und Südamerika, immer wieder dieselbe Frage auf: Wohin steuert die Digital Signage-Branche eigentlich?
Oberflächlich betrachtet ist die Stimmung überraschend optimistisch. Es herrscht Energie, es gibt Schwung und vor allem gibt es Chancen. Die Neuordnung der Marktdynamik nach dem Niedergang von Stratacache hat neue Türen geöffnet. Gleichzeitig verleiht AI dem Einsatz von Digital Signage neue Relevanz und Dringlichkeit. Viele Akteure der Branche äußern sich positiv – mal zurückhaltend, mal überzeugt. Doch hinter diesem Optimismus verbirgt sich eine ganz andere Realität.
Ein perfekter Sturm für Hardware
Die strukturellen Rahmenbedingungen sind alles andere als beruhigend. Die geopolitischen Spannungen sind nach wie vor hoch, die Zollregelungen bleiben unvorhersehbar, und die globalen Logistikkosten belasten die Lieferketten weiterhin stark. Doch der bedeutendste Faktor, mit dem die Branche heute konfrontiert ist, ist der rasante Anstieg der Hardwarekosten.
Die Speicherpreise sind zum Zentrum dieses Wandels geworden. Innerhalb von nur einem Jahr sind diese dramatisch in die Höhe geschnellt – in einigen Fällen sogar um das Fünffache. Mediaplayer, die lange Zeit als Standardkomponente in Digital-Signage-Anwendungen galten, entwickeln sich plötzlich zu Premium-Assets.
Große Hersteller deuten bereits an, dass es sich hierbei nicht um eine vorübergehende Anomalie handelt. Lenovo hat kürzlich angedeutet, dass die Speicherpreise möglicherweise nie wieder auf das Vorkrisenniveau zurückkehren werden, und verwies stattdessen auf eine „neue Normalität“, die sich voraussichtlich bis zum Ende des Jahrzehnts festigen wird.
Unterdessen schließen führende PC-Hersteller langfristige Lieferverträge für DDR5-Speicher ab – und sichern sich damit Bestände für bis zu fünf Jahre zu den derzeit erhöhten Preisen.
Gleichzeitig lässt die Nachfrage nach. Lenovo hat Berichten zufolge die Bestellungen für Motherboards für die Produktion im Jahr 2026 um bis zu 60 Prozent reduziert – ein klares Indiz dafür, dass sich der Markt auf anhaltenden Druck einstellt.
Neugestaltung der Digital Signage-Infrastruktur
Für die Digital Signage-Branche zwingen steigende Hardwarekosten zu einem grundlegenden Umdenken hinsichtlich Architektur und Bereitstellungsstrategien. Eine unmittelbare Folge ist die Umstellung auf SoC-Lösungen, wodurch separate Mediaplayer überflüssig werden. Auch wenn diese möglicherweise nicht die Leistung dedizierter PCs erreichen, sind sie für viele Anwendungsfälle zunehmend „gut genug“.
Ebenso gibt es ein erneutes Interesse an älteren, kostengünstigeren Technologien wie DDR4-Speicher sowie an weniger ressourcenintensiven Betriebssystemen. Anbieter prüfen zudem hochoptimierte, Signage-spezifische Appliances, die darauf ausgelegt sind, die Rechenanforderungen zu minimieren und gleichzeitig die Zuverlässigkeit zu gewährleisten.
Ein weiterer sich abzeichnender Ansatz ist die Bündelung der Rechenleistung. Anstatt die Arbeitslasten auf mehrere Mediaplayer zu verteilen, setzen Unternehmen wie Samsung und Intel auf SoC-Edge-Server-Architekturen – dabei werden rechenintensive Aufgaben, einschließlich AI-Verarbeitung, auf Standortebene zentralisiert.
Gleichzeitig verlängern viele Betreiber einfach die Lebensdauer ihrer bestehenden Hardware. Austauschzyklen, die früher fünf bis sieben Jahre umfassten, verlängern sich still und leise, da Unternehmen auf eine Preisstabilisierung warten, die möglicherweise nicht so bald eintreten wird.
Displays: ein sicherer Hafen – vorerst
Interessanterweise hat sich der Anstieg der Hardwarekosten noch nicht vollständig auf die Displaypreise ausgewirkt. Der intensive Wettbewerb – insbesondere bedingt durch globale Marktverschiebungen von China und Nordamerika hin nach Europa – hat Preissteigerungen bislang in Schach gehalten. Diese Stabilität könnte sich jedoch als vorübergehend erweisen.
Während Speicher bei Standard-Digital-Signage-Displays nur einen geringen Anteil an der Stückliste (BOM) ausmacht, steigt sein Anteil bei interaktiven Touchscreens deutlich an – auf bis zu 10 bis 15 Prozent. Mit wachsender Nachfrage nach solchen Lösungen wird sich der Kostendruck unweigerlich in den Preisstrukturen niederschlagen.
AI: Chancen treffen auf Einschränkungen
Gleichzeitig steht die Branche vor einem Paradoxon. KI verwandelt Digital Signage rasch in ein weitaus dynamischeres und wertvolleres Medium. Von Echtzeit-Personalisierung über fortschrittliche Analysen bis hin zu immersiven Erlebnissen – AI erweitert die Rolle von Digital Signage innerhalb des gesamten digitalen Ökosystems. Doch diese Möglichkeiten haben ihren Preis – im wahrsten Sinne des Wortes.
AI-Workloads erfordern deutlich mehr Rechenleistung – und das gerade zu einer Zeit, in der Hardware teurer und weniger zugänglich wird. Dieser Konflikt beschleunigt einen weiteren seit langem bestehenden Trend: den Wandel hin zu cloudbasierten Architekturen.
Cloud-Computing ermöglicht es Unternehmen, Rechenaufgaben von lokaler Hardware auszulagern und so die Abhängigkeit von teurer Infrastruktur vor Ort zu verringern. Auch wenn On-Premise-Lösungen in bestimmten Branchen weiterhin relevant bleiben werden, ist die allgemeine Entwicklung klar erkennbar.
Ein struktureller Wandel, kein Zyklus
Seit mehr als zwei Jahrzehnten profitiert die Digital-Signage-Branche von einem verlässlichen Trend: Mit jeder Generation wird die Hardware besser, schneller und billiger. Diese Annahme hat Geschäftsmodelle, Bereitstellungsstrategien und sogar Innovationszyklen geprägt. Diese Ära könnte vorbei sein – zumindest auf absehbare Zeit.
Steigende Hardwarekosten sind nicht nur eine vorübergehende Störung; sie signalisieren einen strukturellen Wandel, der Anpassungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette erfordern wird. Anbieter müssen über traditionelle, hardwareorientierte Modelle hinaus innovativ sein. Integratoren müssen Systemarchitekturen neu überdenken. Betreiber müssen bei ihren Investitionen selektiver, strategischer und agiler vorgehen.
Paradoxe Nachfrage
Paradoxerweise könnte das, was sich wie die schlechteste Zeit für die Beschaffung von Hardware anfühlt, auch eine der spannendsten Phasen sein, die die Branche je erlebt hat.
Die Nachfrage nach Digital Signage wächst rasant, angetrieben durch die zunehmende Bedeutung des Kundenerlebnisses in Unternehmensumgebungen. Unternehmen wie Salesforce, Walmart und Amazon setzen neue Maßstäbe für digitales Engagement – und physische Räume bilden da keine Ausnahme.
Dies schafft enorme Chancen – zieht aber auch neue Wettbewerber an. IT-Integratoren, Cloud-Anbieter und softwareorientierte Akteure drängen auf den Markt und zwingen traditionelle Marktführer dazu, sich weiterzuentwickeln.
Sich neu erfinden oder den Anschluss verlieren
Bei Digital Signage geht es nicht mehr nur um Displays und Mediaplayer. Es entwickelt sich zu einer entscheidenden Ebene in der umfassenderen digitalen Infrastruktur von Unternehmen.
Die Branche befindet sich an einem Wendepunkt. Steigende Hardwarekosten, eine durch AI getriebene Nachfrage und sich wandelnde Wettbewerbsdynamiken wirken zusammen und gestalten den Markt neu. Erfolg wird weniger von der Größe als vielmehr von Anpassungsfähigkeit, Innovation und der Fähigkeit abhängen, sich in komplexe IT-Ökosysteme zu integrieren.
Ja, die Beschaffung von Hardware mag sich heute wie die Bewältigung eines perfekten Sturms anfühlen. Doch für diejenigen, die bereit sind, umzudenken, sich neu zu erfinden und neue Architekturen anzunehmen, birgt dieser Moment auch ein beispielloses Potenzial. Spannende Zeiten für Digital Signage.

