Während des DSS Europe in München unterzeichnete Vertiseit den Kaufvertrag für Scala – und erwarb damit das europäische Geschäft sowie wichtige globale Vermögenswerte, darunter Markenrechte und die Software-Codebasis. Damit übernimmt die schwedische Gruppe einen der etabliertesten Namen im Bereich Digital Signage: fast 40 Jahre Geschichte und ein Partner-Ökosystem, das die Branche seit Jahrzehnten prägt.
Für viele in der Branche drehte sich die Frage um die Zukunft von Scala unter neuer Eigentümerschaft. Die gute Nachricht: Vertiseit hat nicht die Absicht, Scala in Dise zu integrieren. Stattdessen setzt das Unternehmen auf eine Zwei-Marken-Strategie.
„Scala hat eine enorme Marktreichweite und ist weltweit die stärkste Marke der Branche“, sagt Monika Lindquist, CMO der Vertiseit Group. „Dise hat den Ruf und Scala den Bekanntheitsgrad.“
Scala-Marke bleibt erst einmal bestehen
Vorerst werden beide Marken nebeneinander bestehen. Angesichts des außergewöhnlich kurzen M&A-Prozesses – der in weniger als einem Monat abgeschlossen wurde – werden viele Details der Integration noch festgelegt. Die strategische Ausrichtung ist jedoch bereits klar. Scala kehrt zu seinen Wurzeln zurück: eine reine Software-Plattform, die ausschließlich über Partner vertrieben wird und unter dem Dach von Dise operiert.
„Wir werden uns die nötige Zeit nehmen und uns eng mit den Scala-Partnern abstimmen, bevor wir endgültige Entscheidungen treffen“, erklärt Sebastian Kryh, CEO von Dise. „Eines ist jedoch klar: Scala wird wieder eine reine Softwareplattform sein, die ausschließlich über Partner vertrieben wird.“
Zurück zur partnerorientierten DNA
Dieser Schritt markiert eine bewusste Abkehr von der Richtung, die nach der Übernahme von Scala durch Stratacache im Jahr 2016 eingeschlagen wurde. Damals führte der Fokus auf den Direktvertrieb zu Spannungen mit langjährigen Integrationspartnern. Vertiseit kehrt diesen Kurs nun um – und räumt dem Ökosystem ausdrücklich Vorrang ein.
„Wir werden Scala mit Dise stärken und Dise mit Scala“, sagt Sebastian Kryh. Die Idee ist, die globale Markenstärke von Scala mit der Marktglaubwürdigkeit und der partnerorientierten Kultur von Dise zu verbinden.
Während Dise sich in Nordeuropa, Großbritannien und Teilen Westeuropas eine starke Position aufgebaut hat, hat das Unternehmen noch nicht die entscheidende globale Reichweite erreicht. Scala hingegen verfügt über eine der stärksten internationalen Präsenz im Bereich Digital Signage. Die Integration soll genau diese fehlende kritische Masse schaffen.
Beschleunigung der globalen Expansion
Der Zeitpunkt passt zu den übergeordneten internationalen Zielen von Dise. Vor einem Jahr zog Sebastian Kryh in die Vereinigten Staaten, um die Expansion nach Nordamerika voranzutreiben. Dank der bestehenden Präsenz und Infrastruktur von Scala erhält dieses Vorhaben nun erheblichen Schwung.
Ein eigens dafür zusammengestelltes Scala-Team – bestehend aus etwa 15 Experten – wird vom Scala-Hauptsitz in der Nähe von Pennsylvania sowie von Europa aus daran arbeiten, Scala „zurück in die Zukunft“ zu führen.
Rein softwarebasierte Zukunft
Der Wandel bringt auch schwierige Entscheidungen mit sich. Im Rahmen der Integration in die Vertiseit-Gruppe wurde die Organisationsstruktur von Scala neu ausgerichtet, um seiner künftigen Rolle als reines Softwareunternehmen, das über Partner agiert, gerecht zu werden.
Das bedeutete den Abbau von Stellen im Bereich Hardware, der direkten Integration und sich überschneidender Konzernfunktionen, insbesondere in Europa. Der Prozess war schwierig, nicht zuletzt, weil das Erbe von Scala von Menschen aufgebaut wurde, die über fundiertes Wissen, langjährige Beziehungen und ein starkes Engagement für die Branche verfügen.
„Dies ist niemals nur eine strukturelle Entscheidung. Sie betrifft Menschen, die über viele Jahre hinweg einen großen Beitrag zu Scala geleistet haben“, sagt Sebastian Kryh. „Dafür haben wir großen Respekt. Gleichzeitig müssen wir eine Organisation aufbauen, die auf die Zukunft von Scala als fokussiertes, ausschließlich auf Partner ausgerichtetes Softwareunternehmen abgestimmt ist.“
Verträge werden erfüllt
Vertiseit wird alle bestehenden Scala-Verträge zur Systemintegration erfüllen, doch die zukünftige Ausrichtung ist klar. Scala wird nicht länger als hardware- oder integrationsorientiertes Unternehmen agieren. Stattdessen wird sich die neue Organisation auf Software, Produktentwicklung, Partnerunterstützung und globales Lizenzwachstum konzentrieren.
Künftig wird das „neue Scala“ mit einer schlanken Struktur operieren und europaweit sowie in Nordamerika eine Mitarbeiterzahl im mittleren zweistelligen Bereich haben.
Laut Monika Lindquist sind Schnelligkeit und Klarheit in dieser Phase entscheidend: „Bei Vertiseit haben wir Erfahrung mit der Integration von Unternehmen. Gerade als börsennotiertes Unternehmen müssen wir transparent, diszipliniert und klar kommunizieren, wie wir die Zukunft gestalten.“
Das Ökosystem zurückgewinnen
Da die strukturellen Weichen bereits gestellt sind, richtet sich der unmittelbare Fokus nun auf die Partner. „Die oberste Priorität ist es jetzt, die Herzen und Köpfe der Scala-Partner zu gewinnen“, sagt Sebastian Kryh.
Die ersten Rückmeldungen aus dem Channel fallen positiv aus. Viele Partner – und ein Großteil der Branche – haben die Übernahme begrüßt, sie als „frischen Wind“ bezeichnet und ihre Zuversicht zum Ausdruck gebracht, dass Vertiseit der richtige Eigentümer ist, um die Marke wiederzubeleben.
Dennoch herrscht Unsicherheit, und Vertiseit geht diese direkt an, wie der Dise-CEO betont: „Wir sind hier, um bestehende Partner zu unterstützen, und wollen alle verständlichen Unsicherheiten ausräumen.“
Preis wird vereinheitlicht
Eine zentrale Initiative ist die Vereinfachung – angefangen bei der Preisgestaltung. „Wir beginnen damit, die Scala-Preisliste drastisch zu vereinfachen“, fügt er hinzu. Letztendlich ist es das Ziel, den Partnern den Übergang zu wiederkehrenden SaaS-Modellen zu erleichtern.
Eine groß angelegte Einbindung der Partner ist bereits im Gange. Für die Infocomm in Las Vegas sind zahlreiche Treffen geplant, bei denen das Team seine Vision weiter vermitteln wird.
Skalierung durch Software und Lizenzen
Auch wenn viele Details noch ausgearbeitet werden müssen, ist das übergeordnete Ziel klar definiert. „Wir wollen gemessen an der Anzahl der Lizenzen ein Global Player sein“, sagt Sebastian Kryh. „Die Übernahme von Scala ist ein wichtiger Schritt in Richtung dieses Ziels.“
Mit anderen Worten: Vertiseit erwirbt nicht nur eine traditionsreiche Marke – das Unternehmen setzt auf Scala als Eckpfeiler für globale Skalierung. Die Strategie dreht sich um drei Hauptthemen: einen reinen Partneransatz, ein Software-First-Geschäftsmodell und eine Doppelmarkenpositionierung, die sowohl Vertrauen als auch Bekanntheit nutzt.
Bei Erfolg könnte Scala nicht nur als historischer Name wieder auftauchen – sondern als zentrale Plattform in der nächsten Phase der Digital-Signage-Branche.

