Wer autonome Fahrzeuge, laufende Roboter oder fliegende Drohnen sehen wollte, musste letzte Woche nach Las Vegas. Die CES lieferte einmal mehr spektakuläre, oft futuristische Technologien, die breite Zielgruppen beeindrucken und Schlagzeilen generieren. New York hingegen erzählt eine ganz andere Geschichte.
NRF ist kein Spektakel – und war es nie. Die weltweit führende Retail-Messe konzentriert sich auf B2B-Anwendungen, die echten Mehrwert aus bereits existierenden Technologien ziehen. Plattformen, Lösungen und Services an der Schnittstelle von E-Commerce und stationärem Handel dominieren die Hallen. Das sind geschäftskritische Themen – jedoch schwer auf einer Messefläche zu visualisieren.
CES glänzt, NRF liefert
Und doch sticht eine Hardware-Technologie heraus. Nicht auffällig. Nicht animiert. Aber perfekt geeignet als physische Brücke zwischen Cloud-Systemen und Shoppern am POS: das E-Paper-Display.
Keine andere Display-Technologie ist auf dem NRF so allgegenwärtig wie E-Paper – und es könnte der heimliche Star der Messe sein. E-Paper in allen Größen, Formen und Farben sind auf zahlreichen Ständen zu sehen. Leise, aber beharrlich stehlen E-Paper den anderen Displays die Show.
Retail ist, zugegeben, der Vertikalmarkt mit der größten E-Paper-Erfahrung. Die Erfolgsgeschichte begann vor Jahren mit elektronischen Preisschildern. ESLs bewiesen, dass batteriebetriebene, vernetzte Informationsdisplays zuverlässig in Tausenden von Filialen skalieren können. Heute sind E-Paper-Preisschilder eindeutig erwachsen geworden.
- E-Paper-Displays auf der NRF 2026. (Foto: invidis)
- E-Paper-Displays auf der NRF 2026. (Foto: invidis)
- E-Paper-Displays auf der NRF 2026. (Foto: invidis)
Der Aufstieg eines sehr leisen Sterns
Ja, einige der auffälligen Messe-Highlights sind immer noch nicht perfekt: Digitale Poster erreichen inzwischen bis zu 86 Zoll, sind aber in der Farbwiedergabe eingeschränkt und preislich eher für Fifth-Avenue-Flagship-Stores als für Supermärkte in Vororten geeignet. Großformatige E-Paper ziehen Aufmerksamkeit auf sich – zu Recht – aber sie sind (noch) nicht der große Wurf.
Die wahren Stars sind mittelgroße Displays – etwa 13 bis 32 Zoll –, auf und über Regalen montiert. In diesem Format sind sie nicht nur Digital Signage, sondern dynamische Informationsebenen, die Preise mit Promotionen verbinden und so idealerweise zu einem Element zukünftiger Retail-Media-Netzwerke werden. Hier spielt E-Paper seine Stärken aus: geringer Energieverbrauch, exzellente Lesbarkeit und permanente Sichtbarkeit ohne visuelles Rauschen.
- E-Paper-Displays auf der NRF 2026. (Foto: invidis)
- E-Paper-Displays auf der NRF 2026. (Foto: invidis)
Digital Signage-Spezialisten und RMN-Experten sehen E-Paper oft skeptisch. Und sie liegen nicht falsch: kein Video, keine schnell wechselnden Kampagnen, keine integrierten Sensoren zur Performance-Messung. Aus klassischer Retail-Media-Perspektive ist E-Paper fast das Gegenteil dessen, was Mediaeinkäufer wollen.
Doch das verfehlt den Kern dessen, was die NRF tatsächlich gezeigt hat.
E-Paper-Displays – mehr als 90 Prozent der Basistechnologie kommt vom Marktführer E Ink – werden als positive Screens wahrgenommen. Für Händler und Konsumenten signalisieren sie Nutzen, Ruhe und Glaubwürdigkeit. E-Paper stehen für Information und Orientierung – nicht für Ablenkung und Entertainment.
E-Paper vs. RMN: ein Kategorienfehler
Messestände sind immer „besser als die Realität“. Szenarien sind verstärkt, idealisiert, manchmal übertrieben. E-Paper wirkte in New York perfekt – der Alltag im Handel ist natürlich komplexer. Aber die Richtung ist klar.
LCD- und LED-Screens werden weiterhin Retail-Media-Netzwerke und kampagnengetriebene Kommunikation dominieren. Daran zweifelt niemand. E-Paper ist nicht hier, um Retail-Media-Screens zu ersetzen. Es wird gedruckte Poster ersetzen. Dauerhaft. Und es wird das alltägliche Digital Signage viel tiefgreifender verändern, als viele erwarten.
In der Zukunft könnte sich die technologische Lücke schneller schließen, als Kritiker annehmen. Prototypen, die Videos auf E-Paper abspielen können, existieren bereits. Nicht flüssig, nicht filmreif – aber funktional. Wenn das kommerziell tragfähig wird, könnte E-Paper niedrigen Energieverbrauch mit begrenzter Bewegung kombinieren. Vielleicht das Beste aus beiden Welten.
Oft sind es die leisen Technologien, die langfristig den lautesten Einfluss haben.
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