Digital Signage

Umwälzungen von globalem Ausmaß

Vom Krieg in der Ukraine über Green Signage bis hin zu globalen Lieferkettenproblemen – und der Gefahr einer Rezession: Die globalen Ereignisse, die die Digital Signage-Branche heute bewegen, werden auch die Zukunft nachhaltig beeinflussen.
Stop the War am Flughafen in Venedig (Foto: invidis)
Stop the War am Flughafen in Venedig (Foto: invidis)

Die vergangenen zwölf Monate brachten nicht nur dynamische Entwicklungen in der Digital Signage-Branche, sondern auch weltweite Umwälzungen von historischer Tragweite. invidis consulting identifiziert drei Auswirkungen der globalen Krisen, mit denen sich unsere Industrie beschäftigen wird.

Nachhaltigkeit und Energie

Die Nachfrage an Green Signage hat während der Pandemie deutlich zugenommen. Seit dem Einmarsch in die Ukraine und der sich abzeichnenden Energiekrise ist das Thema Energieeffizienz in Europa noch stärker in den Vordergrund gerückt. Die Stromkosten waren bereits vor dem Krieg in Deutschland viermal so hoch wie in Korea, und die aktuellen geopolitischen Ereignisse werden die Spanne noch vergrößern.

Das invidis Jahrbuch 2022

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem invidis Jahrbuch 2022, das viele weitere Analysen, Zahlen und Hintergrundinformationen zur Digital Signage-Branche liefert. Zusätzlich befasst sich das Special „Business Critical“ mit DS-Systemen, die für die einzelnen Verticals geschäftskritisch geworden sind. Laden Sie sich das invidis Jahrbuch 2022 kostenlos in deutscher oder in englischer Sprache herunter.

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Der Schwerpunkt liegt auf einer effizienteren Hardware und vor allem auf einem effizienteren Betrieb, da 80 Prozent des CO2-Fußabdrucks von Digital Signage in den ersten 5 bis 8 Betriebsjahren entsteht (weitere Informationen finden Sie in unserem Green Signage-Sonderjahrbuch 2021). Neben der Energieeffizienz werden aber auch der Übergang zu Net Zero und Verbesserungen in der Kreislaufwirtschaft immer wichtiger. Besonders relevant für Digital Signage sind neue Initiativen zur Reparatur, Aufarbeitung und schließlich zum Recycling von Digital Signage-Geräten.

Displays: Betrieb verursacht am meisten CO2

Branchenführer wie Sharp/NEC haben damit begonnen, Displays und LED-Module in Europa zu reparieren, anstatt sie zu ersetzen. Auch invidis hat Initiativen ins Leben gerufen, um zu erforschen, wie gebrauchte Displays auf effiziente und herstellerunabhängige Weise wiederaufbereitet und neu vermarktet werden können. Der Schlüssel dazu ist ein unabhängiger Zugang zu einigen Schlüsselmetriken der Geräte, wie Gesamtbetriebsstunden und Betriebsbedingungen sowie durchschnittliche und maximale Helligkeit.

Dies würde es Dritten wie IT-Leasing-Unternehmen ermöglichen, den Restwert für die Wiedervermarktung zu bewerten. Darüber hinaus sollten Digital Signage-Nutzer prüfen, wie sie ältere Displays an andere Standorte verlagern können, an denen die geringere Helligkeit und Bildqualität noch ausreicht. Die Lebensdauer von Displays könnte verdoppelt werden, wenn Standort und Touchpoint-Konzept entsprechend der Qualität des Screens geändert werden.

Green Signage: „Bei Digital Signage ist Luft nach oben“

Nicht zuletzt sollte das Recycling von Edelmetallen und Materialien für künftige Produktgenerationen erleichtert werden. Einige Metalle in hellen Bildschirmen sind eine komplexe Mischung aus Hochleistungsmaterialien, ähnlich wie in der Luft- und Raumfahrtindustrie. Die große Mehrheit der Komponenten könnte jedoch separat recycelt werden.

Künftige erfolgreiche Initiativen für Green Signage werden neue, mutige und wahrscheinlich auch unorthodoxe Ansätze erfordern. Es gibt keine Alternative, denn B2B-Kunden werden von der Industrie verlangen, dass sie möglichst nachhaltige Lösungen anbietet.

Kampf um Talente

Der Einmarsch Russlands in die Ukraine und der folgende Krieg haben den Betrieb vieler europäischer Softwareunternehmen gestört. Marktteilnehmer verließen sich auf Entwicklerteams in der Ukraine, Weißrussland und Russland, um qualitativ hochwertige und vergleichsweise preiswerte Software zu entwickeln. Einige Digital Signage-Unternehmen arbeiteten mit eigenen Teams in Kiew, Charkiw, Minsk oder St. Petersburg. Andere verließen sich auf Dienstleister in der Region.

Entwickler in Kyiv und Minsk: Krieg gefährdet Zukunft von CMS-Anbietern

Der Krieg in der Ukraine hat einen Großteil des Softwareentwicklungsgeschäfts zum Erliegen gebracht. Während einige Entwicklungsteams in der Ukraine weiterhin tätig sind, sind viele Entwickler aus dem Land geflohen oder wurden von den Streitkräften eingezogen. Aber auch viele in Russland ansässige Entwickler und Kreative verließen ihr Heimatland, als Russland in die Ukraine einmarschierte. Russlands digitale Nomaden – die der aktuellen russischen Politik meist kritisch gegenüberstehen – flohen aus ihrem Land nach Europa, Israel, in die Vereinigten Arabischen Emirate und nach Lateinamerika.

Viele von ihnen hatten gerade damit begonnen, ihre Geschäfte zu globalisieren, und konnten nun nicht mehr von Russland aus operieren. Neue Restriktionen, die durch die Sanktionen gegen die russische Wirtschaft als Reaktion auf den Krieg eingeführt wurden, machen internationale Geschäfte fast unmöglich. Die vom Krieg betroffenen Softwareexperten, Projektmanager und Vertriebsmitarbeiter werden in der europäischen Digital Signage-Branche schmerzlich vermisst. Fast alle Marktteilnehmer sind auf der Suche nach qualifizierten und erfahrenen Talenten.

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Bewältigung des Mangels

Die Pandemie hat neue Herausforderungen für die globalisierte Welt mit sich gebracht. Lieferengpässe, begrenzte Versandressourcen und ein verändertes Kaufverhalten machten die Beschaffung von Digital Signage sehr schwierig. Insbesondere visuelle Lösungen wie Displays, LED und Projektoren waren 2021 nur schwer zu bekommen. Dies hat sich im Jahr 2022 geändert. Im Grunde genommen haben alle Display-Anbieter für das neue Jahr vorausgeplant und sind in Europa gut bevorratet.

Auch die Integratoren haben sich mit den gängigen Geräten für visuelle Lösungen eingedeckt, um wichtige Projekte umzusetzen. Die Verfügbarkeit von CPUs und damit auch von Mediaplayern bleibt jedoch eine große Herausforderung. IT-Lieferkettenexperten sind nach wie vor skeptisch, was die ausreichende Versorgung mit CPUs im Jahr 2023 angeht. Doch über die Verwaltung der täglichen Lieferungen hinaus stellt sich der globale Handel und damit auch die Digital Signage-Branche auf neue Herstellungs- und Logistikprozesse ein.

Lieferengpässe: „Unregelmäßigkeiten sind die Regel“

Im Sommer 2022 kommt es zu einem vorübergehenden Mangel an vielen Produkten, der nicht immer auf überlastete Häfen, sondern auf weltweit gestörte Produktions- und Lieferketten zurückzuführen ist. Die Verknappung von Halbleiterchips und elektronischen Bauteilen, aber auch von Baumaterialien, verzögert Digital Signage-Projekte. Vor allem Container stapeln sich in vielen Häfen rund um den Globus. Die Kunden holen ihre Container nur langsam ab. Früher lagen sie ein oder zwei Tage im Hafen, heute sind es fünf Tage und viel länger.

Mehrere Auswirkungen verstärken sich hier gegenseitig: Angefangen hat es mit der Pandemie, gefolgt von der Blockade des Suezkanals, dazu kommen Wetterkapriolen und seit Frühjahr 2022 der Ukraine-Krieg. Aufgrund des Konflikts fehlen in Europa rund 100.000 Lkw-Fahrer aus der Ukraine und Weißrussland.

Lieferengpässe: China sperrt Shenzen – die IT-Fabrik der Welt

Hinzu kommt die rigide Zero-Covid-Politik der Kommunistischen Partei in China, die schon bei geringen Infektionszahlen strenge Lockdowns verhängt und damit immer wieder internationale Umschlagplätze zum Erliegen bringt.

Rezession

Das absehbare Ende der Pandemie ließ die Nachfrage nach Digital Signage fast auf das Niveau vor der Pandemie (2019) ansteigen. Der Boom scheint jedoch nur von kurzer Dauer zu sein, da sich die Weltwirtschaft aufgrund des Krieges in der Ukraine und der explodierenden Energiekosten auf dem Weg in eine Rezession befindet. Zwar ist die Stimmung in der europäischen Digital Signage-Branche so gut wie nie zuvor, und die Rekordauftragslage hat die Nachfrage im Jahr 2021 und in der ersten Hälfte des Jahres 2022 um 40 bis 50 Prozent steigen lassen – doch die wirtschaftlichen Aussichten sind düster.