LED Signage Branche

NEC USA greift Samsung an, entwickelt LED-Cinema-Lösung

- NEC Display Solutions of America und Partner 3D Live entwickeln Direct View LED-Screens mit 3D-Technologie. Explizit genannter vertikaler Zielmarkt: Cinema. Kommt Ihnen bekannt vor? – Samsung sicherlich auch. von Thomas Kletschke

LED-Lösung von 3D Live auf einer Bühne – Symbolbild (Foto: 3D Live)

LED-Lösung von 3D Live auf einer Bühne (Foto: 3D Live)

Das dürfte ein interessanter und zäh geführter Konkurrenzkampf zwischen (zunächst) zwei (oder bald mehr?) Branchengrößen aus den Bereichen LED Signage und LCD Signage werden. Mit mehr als zwölf Monaten Verspätung greift NEC den Konkurrenten Samsung im Bereich LED an. Dabei geht es primär weniger um die eigesetzte Technologie, sondern den strategischen Ansatz. Bislang hat zwar lediglich die US-Landesgesellschaft von NEC eine entsprechende Pressemitteilung veröffentlicht. Im Gesamkontext kann diese aber als nicht allzu undeutliches Zeichen gewertet werden, dass man da ein Produkt entwickelt, dass international ausrollbar ist – sonst würde der Plan sowieso ein Rohrkrepierer sein, da Kinoketten seit einiger Zeit globale Unternehmen sind, die global einheitliche Systeme wünschen.

Erster

Mal wieder hat ein nicht ganz unbekannter südkoreanischer Hersteller gleich eine ganze Kategorie erfunden. In diesem Falle ein Eco System, dass für Hersteller, Dienstleister und Kunden jeweils einige Vorteile verspricht. Bereits vor wenigen Jahren fiel Samsung durch Schaffung neuer Kategorien wie SoC auf, der letztlich die gesamte Branche aus der Riege der Hersteller professioneller Displays folgte. Über den Nutzen von System-on-a-Chip Displays können sich zwei beliebige Integratoren mit Sicherheit drei Stunden streiten. Fakt ist: Sie haben den Markt verändert, etwa auch neue Nutzergruppen an Themen wie Digital Signage gebracht. Jetzt geht diese LCD-Story unter ähnlichen Vorzeichen im Bereich LED weiter.

Nachdem Hersteller Samsung im vergangenen Jahr seine proprietäre Lösung „LED Cinema“ auf den Markt gebracht hatte (wir berichteten erstmals an dieser und an dieser Stelle), haben die Koreaner ein ehrgeiziges Ziel propagiert: Bis 2020 sollen weltweit 10% aller Kinos LED statt (digitaler) Projektion nutzen. Anfang 2018 wurde das Produkt diversifiziert – und längst sind weltweit die ersten Kinos mit der proprietären Lösung ausgestattet. So eröffnete Europas erstes Cinema LED 3D-Kino im ersten Quartal 2018 in Zürich. Weitere aktuelle Einschätzungen zum Potenzial und dem Für und Wider finden Sie in diesem sowie in diesem Hintergrundartikel.

Zweiter

Auf der derzeit in Las Vegas stattfindenden CinemaCon 2018 präsentieren NEC Display Solutions of America und sein Partner 3D Live einen Prototypen, der in einer relativ nichtssagenden Pressemitteilung lediglich als LED Direct View Screen der neuesten Generation mit passiver 3D-Technologie bezeichnet wird. Weitere technische Angaben fehlen. Allerdings reicht diese Beschreibung, der Ort der Präsentation und der allgemein gehaltene Hinweis, man habe dieses System für die vertikalen Märkte Entertainment und Cinema entwickelt, um es als NECs Antwort auf Samsungs Lösung zu identifizieren. NECs Partner 3D Live ist, wie es heißt, spezialisiert auf immersive 3D-Technologie und die Entwicklung von 3D-LED-Panels, VR- / AR- und Mixed-Reality-Lösungen mit einem umfangreichen Portfolio an Projekten, darunter Konzerte (vgl. Aufmacherbild).

Etwas verklausuliert lässt sich Todd Bouman, President und CEO von NEC Display Solutions of America zitieren: „Als Vorreiter und Innovator der digitalen Projektionstechnologie für Kinos freuen wir uns auf die enge Zusammenarbeit mit 3D Live für neue Technologien für unsere Märkte. Wir glauben zwar, dass digitale Projektoren in der Branche weiterhin eine herausragende Rolle spielen werden, und konzentrieren uns bei NEC Display auf deren Entwicklung, aber wir suchen auch nach neuen innovativen Lösungen“, sagte Bouman weiter.

Der unbekannte Dritte

Begeben wir uns von den Feldern Fakten und Analyse auf das der Spekulation: Wenn zwei marktbeherrschende Riesen eine Technologie nutzen oder diese für ein Vertical neu nutzbar machen, waren in der Vergangenheit auch die Konkurrenten bei der Stelle. Bleibt also nun nur noch die Frage, welcher Konzern der dritte wäre, der sich LED statt Projektoren vorstellen kann. Groß im Business mit Projektoren ist bekanntlich Panasonic. Insofern hätte das Unternehmen ein lebhaftes Interesse daran, diese Marktentwicklung zumindest sehr genau zu verfolgen. Bisher ist Panasonic nicht mit einem generellen eigenen LED-Portfolio auf dem internationalen Markt vertreten. Gerüchteweise hieß es immer mal, da werde an etwas gearbeitet – aber bislang hat Osaka da nichts delivert.

Bei LG gibt es zwar ein besonders starkes Interesse daran, vor allem OLED in professionellen Anwendungen weiter zu forcieren. Aber auch LG hat längst ein eigenes Fine Pitch LED-Portfolio aufgebaut. Das wird auf Branchenmessen gezeigt – und zwar auch zunehmend. Inwieweit Samsungs größter Rivale ein Interesse am vertikalen Markt Kino haben könnte, bleibt abzuwarten.

Generell stünden sicherlich noch der ein oder andere reine LED-Anbieter oder ein LCD-/LED-Unternehmen bereit, um alleine oder mit einem oder mehreren Partnern ein eigenes System auszurollen.

Jedenfalls dürfte die jüngste Entwicklung Großes Kino zumindest in dem Sinne versprechen, als man als Zuschauer schon gespannt auf die nächste Szene ist.

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