Anzeige
Signage Sunday

Meetingräume in der Tanke des Jahres 2040

Signage Sunday heute: Traditionelle Geschäftsmodelle ganzer Branchen wandeln sich bereits jetzt. An der Tankstelle des Jahres 2040 bleibt einiges beim alten. Doch Konferenzräume und neue Mobility- und Shopping-Trends könnten sie stark verändern.
Lufttaxen, E-Mobilität und Konferenzräume zum Mieten: So sehen Forscher die Tankstelle der Zukunft (Grafik: Aral)
Lufttaxen, E-Mobilität und Konferenzräume zum Mieten: So sehen Forscher die Tankstelle der Zukunft (Grafik: Aral)

Signage Sunday berichtet über die kleinen und großen Ereignisse der Digital Signage-Woche. Mit dem Feature blicken wir auch über den Tellerrand hinaus und beleuchten Trends und Drivers jenseits von 16:9-Signage. Signage Sunday heute.

Übersichtlich ist sowas von vorgestern. Vertikale Märkte verschmelzen, beziehungsweise deren Player diversifizieren und kombinieren. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit der Status Quo des Jahres 2018:

Aktuell wandeln sich reine Onlinehändler zu Filialisten (Amazon, Alibaba, teilweise auch eBay) und werden Brick and Mortar-Retailer zu Multi- oder Omnichannelhäusern (Rinascente, Inditex, Carrefour, Sephora). Mancher Händler wildert im Bereich Touristik und Hotellerie (Aux Villes Du Monde), eine Gastronmie haben real,-, Rewe und Co. ja ohnehin schon.

Flughafenbetreiber (Frankfurt, München, Heathrow, Shanghai, Los Angeles) verdienen ihr Geld mit Einnahmen aus den Mieten für Einzelhandel am Airport, schaffen homogene Einkaufswelten (Hamburg) und lassen sich die Vermarktung von Digitaler Außenwerbung vermarkten. Shopping Malls werden zum Ausflugsziel (laufende Projekte von Siam Piwat in Thailand) oder zum Modeladen mit In-suite Shopping (The Mark Hotel in New York). Retailer sind nun auch Außenwerber (Alibaba), Pkws muss man schon lange nicht mehr kaufen (Cadillac, Volvo), Automarken kommen ganz ohne Verbrauch fossiler Energieträger aus (Polestar, Tesla), Auto-Showrooms erobern Innenstädte (Audi) und Shopping Centres (VW UK). Streamingdienste werden nebenbei zu Werbevermarktern (Netflix) und Kinoketten schmeißen Projektoren raus und nehmen LED (Samsung) rein und werden zu Eventdienstleistern. Sportstadien sind fit für den Einsatz als Unterhaltungsarena, oft mit komplett eigener Live TV-Ausstattung für rein interne Kanäle (Allianz Arena, Tottenham, State Farm Arena). Und Telefonzellen sind WiFi Hotspots mit Werbescreens und Informationssystem (Link NYC, Link UK). Softwaregiganten werden durch Zukauf auch zur größten Digitalagentur der Welt (IBM), Unternehmensberatungen kaufen sich Kreativagenturen mit digitaler DNA (Accenture).

Durch Crowdfunding und andere Methoden kommt jede Zwei-Menschen-Firma zu Startkapital, Soziale Medien haben die klassischen Sender/Empfänger-Modelle graue Theorie werden lassen. Die Künstliche Intelligenz kommt nun doch so langsam aus dem Quark (die Singularität, also das Erreichen der menschlichen Durchschnittsintelligenz, könnte zwischen 2050 und 2090 erreicht werden – bedeutet auch: Berufe wie Kantinen-Philosph oder Satirikerin werden mindestens bis 2100 noch ohne AI ausgeübt werden können), intelligente Roboter sind auch in deutschen Sparkassen anzutreffen (Bremen, München). Mittels Virtual Reality wird ebenfalls im Bankbereich erfolgreich gearbeitet, Sensorik und IoT erlauben immer mehr intelligente Anwendungen und Nutzung von Data Feeds.

Dieser Tage flatterte mal wieder eine Vorab-Meldung zu einer von einem Konzern in Auftrag gegebenen Studie herein. Die gesamte Studie soll erst 2019 veröffentlicht und vorgestellt werden, deshalb können wir nur auf die vor-selektierten Teil-Ergebnisse zurückgreifen. Sie zeigt aber, dass ein spezieller vertikaler Markt sowohl langweilig kontinuierlich wie auch disrutiv weiter gedacht werden kann.

Prof. Dr. Barbara Lenz, Direktorin des Instituts für Verkehrsforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat für den Tankstellenbetreiber Aral die Studie „Tankstelle der Zukunft“ erstellt, die das Mobilitätsverhalten und weitere Faktoren im Jahr 2040 antizipiert. Eines der am wenigsten überraschenen Ergebnisse: Die Bevölkerungszahl nimmt ab, der Verkehr, einschließlich des Individualverkehrs, nimmt zu. „Allein auf der Straße schätzen Experten die Zunahme der zurückgelegten Kilometer im Jahr 2040 um rund 24% im Vergleich zu 2010“, heißt es.

Beim Thema E Mobility wird es interessant: Wir hätten uns erhofft, dass in mehr als 20 Jahren Autos mit fossilen Brennstoffen bestenfalls im Museum oder nur in verschwindend geringer Zahl zu erwarten wären. Die Studie geht davon aus, dass neben Elektrofahrzeugen auch noch jede Menge Stinker auf den Straßen fahren werden, respektive die klimaerwärmenden, grün gewaschenen Soja Latte Macchiato-SUVs mit ganz viel Ruß, PS und Knautschzone plus ein wenig Ionen-Lithium-Akku die Oberhand behalten werden: „Im gesamten Fahrzeugbestand werden laut Berechnungen des DLR benzin- oder dieselbetriebene Fahrzeuge, darunter auch mit hybridem Antrieb, mit einem Anteil von zwei Dritteln eine bedeutende Rolle behalten.“ Im Aral-Sprech ist das ein „breiter Antriebs- und Kraftstoffmix“. Okay, 2040 ist von hier aus gesehen so erschreckend nah und banal oder spannend wie Technologie des Jahres 1996, die kein Mensch je genutzt hat (Video 2).

Es wird, und dies wird an anderer Stelle erwähnt, wohl lecker weiter gefrackt werden, bis der Arzt kommt. Der Sprit von morgen soll nicht nur aus der Erde kommen. Bei aral ist die Rede von „hochwertigen Kraftstoffen, die zunehmend Biokomponenten oder synthetische Kraftstoffe enthalten“. Mindestens so heiß wie das sich dem Ende neigende Jahr 2018 dürfte also auch in etwas mehr als 20 Jahren noch die Frage von Energieerzeugung, -Verbrauch und -Speicherung werden.

Lustigerweise sehen die Forscher auch schon Lufttaxis durch die Gegend schwirren. Wer die berühmte „In 10 Minuten“-Rede (Video 1 unten) des Rhetorik-Gottes Edmund Stoiber kennt und die Nahverkehrslage in und um München und anderen Städten, der ahnt, dass weder Magnetschwebebahnen zum Airport, noch eine Vakuumröhre von Hyperloop in 20 Jahren Realität werden wird (letztere übrigens eine lustige Idee aus den 1960ern; wie auch das Lufttaxi).

Die drei klassischen Säulen aus Kraftstoffgeschäft, Shop und Autowäsche bleiben der Studie zufolge erhalten, müssten aber an technologische Veränderungen und sich wandelnde Kundenbedürfnisse angepasst werden. Recht konkret sehen etwa die Vorhersagen beim Thema Shopping und Services aus, die über die „Tankstelle der Zukunft“ gemacht werden. Das Shop-Geschäft werde sich entsprechend der Kundenwünsche weiterentwickeln, heißt es. „Autonome Fahrzeuge könnten per ‚Home Delivery‘ Waren aus dem Shop nach Hause liefern. In integrierten Cafébereichen erhielten Kunden ein Angebot an frischen verzehr-fertigen Speisen, bevor sie mit einem an der Tankstelle bereit gestellten Pooling-Fahrzeug weiter fahren.“

Damit werden auch Tankstellen-Shops mobil und werden die Tankstellen noch mehr darauf setzen können, ihren Kunden die Wartezeit mit weiteren Dienstleistungsangeboten versüßen zu können: Im Kraftstoffgeschäft werde die Zahl der Zapfsäulen zugunsten von Ladesäulen reduziert. Mit mehr Elektrofahrzeugen und verbesserter Technologie würden diese auch im Tankstellenbetrieb wirtschaftlich. „Das gilt besonders für Ultra-Fast-Charging (UFC)-Säulen mit bis zu 350 kW, an denen der Akku von dafür geeigneten Autos in fünf Minuten für eine Reichweite von bis zu 145 km aufgeladen werden kann.“ Zudem könnten in Zukunft Tankroboter die Betankung oder das Laden übernehmen.

Als vierte Säule sollen neue Mobilitätsdienste die Tankstelle in der Großstadt prägen und neue Geschäftszweige ermöglichen: „Ein bedeutender Zukunftstrend sind Services rund um autonome Fahrzeuge, die die Kunden auf Wunsch nutzen können. Gerade in der Großstadt ist hierfür eine hohe Nachfrage zu erwarten. Diese Fahrzeuge von Flottenbetreibern stünden auf Abruf an der Tankstelle bereit und könnten auch dort gewartet und gereinigt werden. Der dafür notwendige Platzbedarf würde durch eine mehrstöckige Bauweise abgedeckt.“

Auch der Umstieg vom autonomen Flottenfahrzeug auf ein geliehenes E-Bike ist Teil der Vision für die Großstadt. Für die wachsende Zahl an E-Bikes und E-Scooter werde es Batteriewechselautomaten an den Tankstellen geben. Private Fahrer und gewerbliche Lieferdienste könnten dort leere gegen vollgeladene Akkus tauschen. Eine weitere Veränderung im Kontext der zunehmenden Logistik könnte der Ausbau von Paketstationen sein.

Interessantes Detail: „Für Geschäftsleute sind außerdem Meetingräume und mobile Büros denkbar.“ Damit würde man in ganz neue Dienstleistungsbereiche vorstoßen; vorausgesetzt, passende Technologie und geschultes Personal stehen zur Verfügung.